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Zahl der Organspender in Deutschland nimmt zu – kein Einbruch während Corona-Pandemie

Deutschland verzeichnet immer mehr Organspender. An dem Trend änderte auch die schwierige Lage der Krankenhäuser in der Corona-Pandemie nichts.

Die Zahl der Organspender in Deutschland nimmt zu. Foto: dpa

Die Zahl der Organspender steigt in Deutschland spürbar an. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) wurden in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 410 Menschen nach ihrem Tod Organe entnommen, ein Zuwachs von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der transplantierten Organe sei von 1254 auf 1300 gestiegen.

Offenbar hat die Debatte um die Organspende-Reform im vergangenen Jahr die Bevölkerung stärker für das Thema sensibilisiert. „Das Interesse am Thema ist groß wie nie“, sagte Spahn am Freitag in Berlin. In den ersten vier Monaten des Jahres seien fast 2,5 Millionen Organspendeausweise und Flyer bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellt worden - eine halbe Million mehr als im Vorjahreszeitraum.

Einen Effekt könnte auch ein im April 2019 in Kraft getretenes Gesetz haben, das die Rolle der Transplantationsbeauftragten in Krankenhäusern stärkt und die Verfahrensabläufe bei der Organspende verbessert. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, sagte: „Diese Maßnahmen haben unserer Einschätzung nach bereits erste Wirkungen gezeigt. Die Frage nach einer möglichen Organspende am Lebensende wird in vielen Kliniken immer mehr zur Selbstverständlichkeit.“

Auch während der Corona-Pandemie finden Organspenden und Transplantationen weiterhin statt, in den Krankenhäusern gibt es ausreichend Intensivkapazitäten. Rahmel sagte: „Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern ist es in Deutschland nicht zu einem massiven Einbruch gekommen.“ Alle Transplantationszentren würden derzeit ihre postmortalen Transplantationsprogramme fortsetzen.

Die Auswirkungen der Pandemie zeigen sich demnach aber bei den Lebendspenden, bei denen jemand zum Beispiel einem Angehörigen eine seiner Nieren spendet. Diese Eingriffe seien in fast allen Transplantationszentren ausgesetzt, da hier eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt möglich sei sowie Risiken für Spender und Empfänger durch eine Covid-19-Infektion nach der Operation vermieden werden könnten.

In Deutschland warten mehr als 9000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Die Zahl der Menschen, die nach dem Tod ein Herz, eine Leber oder eine Niere spendeten, lag im vergangenen Jahr bei 932 – ein sehr niedriger Wert verglichen mit anderen europäischen Ländern.

Langwierige Reform

Spahn hatte im Sommer 2018 eine Debatte um die Reform der Organspende angestoßen. Der Gesundheitsminister warb für die sogenannte doppelte Widerspruchslösung, bei der Menschen nach dem Hirntod automatisch zu Organspendern werden sollten, wenn sie zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben, und ihre Angehörigen keine andere Willensbekundung kennen. Eine Gruppe von Abgeordneten setzte sich derweil dafür ein, dass Organspenden weiter nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt sind.

Die Auseinandersetzung verlief quer durch die politischen Parteien und Lager. Nach anderthalbjähriger Diskussion entschied sich der Bundestag Mitte Januar gegen Spahns Pläne und für einen alternativen Gesetzentwurf, den die Abgeordnetengruppe um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und die Linken-Chefin Katja Kipping erarbeitet hatte.

Vorgesehen ist nun, die Bürger mindestens alle zehn Jahre direkt auf die Organspende anzusprechen. Wer ab 16 Jahren einen Personalausweis beantragt, ihn verlängert oder sich einen Pass besorgt, soll auf dem Amt Informationsmaterial bekommen.

Beim Abholen der Dokumente kann man sich dann auch schon vor Ort in ein neues Online-Register eintragen – mit Ja oder Nein. Auch den Hausärzten soll eine wichtige Rolle bei der Aufklärung zukommen. Laut Gesetz sollen sie ihre Patienten „bei Bedarf aktiv alle zwei Jahre über die Organ- und Gewebespende beraten und sie zur Eintragung in das Online-Register ermutigen“.

Am Samstag findet der jährliche Tag der Organspende statt. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt hofft auf eine dauerhafte Trendwende bei den Organspende-Zahlen: „Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, das Interesse der Menschen an der Organspende weiter wachzuhalten. Nur so lässt sich diese Entwicklung verstärken“, erklärte er.