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Erzieherinnen haben einen Nachteil beim Meister-Bafög

Deutschland benötigt Erzieherinnen. Doch beim neuen Meister-Bafög könnte ausgerechnet der Nachwuchs für den Mangelberuf durch den Rost fallen.

In Deutschland fehlen mehr als 300.000 Erzieherinnen. Foto: dpa

Ab dem Jahr 2025 soll in Deutschland ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für die Grundschüler gelten. Um das umzusetzen und zugleich die Kitas weiter bedarfsgerecht auszubauen, fehlen jedoch voraussichtlich mehr als 300.000 Erzieherinnen. Abhilfe schaffen soll hier auch die von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) geplante Novelle des „Meister-Bafögs“, das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), die derzeit der Bundestag debattiert. Denn sie verbessert die Hilfen für Fachkräfte, die sich fortbilden.

Ausgerechnet eine Berufsgruppe, bei der massiver Mangel herrscht, könnte jedoch durch den Rost fallen: „So, wie das Gesetz jetzt formuliert ist, kann ein Teil der Erzieherinnen und vor allem der Quereinsteigerinnen nicht profitieren“, warnt die Bildungspolitikerin der SPD, die zuständige Berichterstatterin Ulrike Bahr. Sie fordert eine Korrektur.

Zeit genug gibt es. Denn am kommenden Mittwoch spricht Israels Präsident Reuven Rivlin im Bundestag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Daher fällt die Sitzung des Bildungsausschusses aus, die letzte Lesung der AFBG-Novelle kann dann voraussichtlich erst Anfang März stattfinden.

Auch Angehörige der Sozialberufe, wie etwa die Erzieherinnen, können seit einigen Jahren Meister-Bafög bekommen. Viele absolvieren vorab eine zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin, vor allem wenn sie kein Abitur haben, und besuchen anschließend eine Erzieherinnen- Fachschule.

Deren Abschluss steht in der Qualifikationssystematik auf derselben Stufe wie Meister, Fachwirt oder Bachelor. Die Zahl der Erzieherinnen, die Meister-Bafög erhielten, ist von 13.000 im Jahr 2015 auf zuletzt knapp 28.000 gestiegen – sie sind nun der mit Abstand am stärksten besetzte Fortbildungsberuf. Angesichts des Bedarfs müssten es noch viel mehr werden, so Bahr.

Bundesländer haben unterschiedliche Regelungen

Die entscheidende „Förderlücke“ entstehe aber dadurch, dass die Ausbildung der Erzieherinnen nicht nur je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist – sondern auch anders organisiert als klassische Fortbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung.

Teilweise widersprechen die Vorgaben der Kultusminister für die jeweiligen Praxisanteile in der Ausbildung den Anforderungen des AFBG – „und das führt letztlich dazu, dass Erzieherinnen teilweise nicht gefördert werden können“, so Bahr. Betroffen sind daneben auch Heilerzieher und Heilpädagogen.

Das Meister-Bafög fördert seit 1996 durch Zuschüsse für Kurse, Meisterstücke und Lebensunterhalt, für die übrigen Kosten gab es Darlehen. Zuletzt profitierten rund 170.000 Menschen pro Jahr. Die Novelle sieht nun ein ganzes Bündel von Verbesserungen vor. Vor allem soll der Zuschuss zum Lebensunterhalt für Fachkräfte, die sich in Vollzeit fortbilden, von 50 auf 100 Prozent steigen.

Der Höchstsatz betrug zuletzt knapp 1000 Euro. Das ist vor allem für Erzieherinnen wichtig, die den Beruf überwiegend in Vollzeit erlernen, sich also keinen Nebenerwerbsjob suchen können.