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Der Siemens-Umbau wird weiter gehen – aber weniger radikal

Höpner, Axel
·Lesedauer: 2 Min.

Nach den Einschnitten der vergangenen Jahre will der künftige CEO den Konzern zusammenhalten. Doch am Portfolio wird auch er weiterhin feilen müssen.

Nach der Abspaltung der Energietechnik sollen der Konzern nicht weiter aufgespalten werden. Foto: dpa
Nach der Abspaltung der Energietechnik sollen der Konzern nicht weiter aufgespalten werden. Foto: dpa

Kein Siemens-Chef hat den Traditionskonzern so radikal umgebaut wie Joe Kaeser. Die Medizintechnik-Sparte Healthineers kam an die Börse, die Windkraft fusionierte mit Gamesa, die Energietechnik wurde als Siemens Energy abgespalten. Dem standen Milliardeninvestitionen gegenüber, zuletzt die Übernahme des US-Krebstherapie-Spezialisten Varian.

Der künftige Konzernchef Roland Busch hat früh klargestellt, dass er das Unternehmen nicht immer weiter aufspalten will. Würde er auf den Kapitalmarkt hören, so Busch, könne er die Firma in 20 Teile zerlegen. Doch dann wäre nichts mehr übrig von Siemens.

So will Busch den Konzern in seiner aktuellen, recht fokussierten Aufstellung mit der Automatisierung und der Industriesoftware, mit der Medizin- und der Bahntechnik zusammenhalten. Mithilfe von Innovationen soll das Unternehmen wieder aus eigener Kraft wachsen.

Ein möglicher Verkauf der Logistiksparte widerspricht Buschs Bekenntnis nur auf den ersten Blick. Denn die Tochter steht schon seit vielen Jahren immer wieder zum Verkauf, gehört mit den Brief-, Paket- und Gepäcksortieranlagen nicht zum Kerngeschäft. Die Einheit wurde bereits verselbstständigt und gehört zu den sogenannten Portfolio-Companies, für denen sich Siemens lösen will.

Das zu zählt auch die Einheit Intelligent Traffic Systems (ITS), die zu Mobility gehört und intelligente Verkehrslösungen anbietet. Die Sparte soll aus dem Konzern ausscheiden. Am Portfolio wird also auch in der Ära Busch weiter gefeilt werden.

Das zeigte sich auch im Oktober, als Siemens den Getriebespezialisten Flender an Carlyle veräußerte. Ursprünglich sollte die Tochter im kommenden Jahr im Zuge eines Spin-offs mit Börsengang abgespalten werden.

Solche kleineren Abspaltungen wird es auch in Zukunft unter einem CEO Busch geben. Denn der Umbau, das lehrt die Siemens-Geschichte, wird niemals ganz enden.
Dennoch sollte der künftige Siemens-Chef seiner Ankündigung treu bleiben und die großen Einheiten zusammenhalten.

Den Kern der neuen Siemens AG bilden die Automatisierungstechnik und die Digitale Fabrik. Hier muss der Konzern mit neuen, finanzkräftigen Wettbewerbern wie Microsoft und Amazon mithalten. Da ist es hilfreich, auch das margenstarke Geschäft mit der Medizintechnik zu haben. Die intelligente Infrastruktur und die Bahntechnik helfen, das Portfolio auch in konjunkturell schwierigen Zeiten auszubalancieren.