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OceanGate: Dieser Passagier wies den CEO bereits 2019 auf einen Defekt im Titan-Tauchboot hin

Karl Stanley, ganz links, tauchte zusammen mit dem CEO des Unternehmens, Stockton Rush, in eine frühere Version des OceanGate Titan-Tauchboots. - Copyright: Karl Stanley
Karl Stanley, ganz links, tauchte zusammen mit dem CEO des Unternehmens, Stockton Rush, in eine frühere Version des OceanGate Titan-Tauchboots. - Copyright: Karl Stanley

Ein früher Passagier des „OceanGate“-Tauchboots Titan erfuhr erst ein Jahr nach dem Vorfall, wie nahe er dem „katastrophalen“ Fehler war, der das Schicksal des Schiffs und seiner Passagiere 2023 besiegelte.

Im April 2019 begleitete Karl Stanley, ein Tauchbootexperte, seinen Kollegen, OceanGate-CEO Stockton Rush, in der Nähe der Bahamas. Sie unternahmen einen Tauchgang in einer frühen Version des Titan-Schiffs. Stanley, Rush und zwei weitere Passagiere tauchten erfolgreich mehr als 3600 Meter tief. Die Tiefe ist fast äquivalent zu der Tiefe des Wracks der Titanic, welches etwa 3800 Meter tief liegt.

Doch Stanley verließ das Schiff mit einigen Bedenken. In E-Mails, die Business Insider (BI) vorliegen, warnte Stanley Rush vor einem möglichen Defekt des Rumpfes. Er hatte ein knackendes Geräusch gehört. „Ich glaube, der Rumpf hat einen Defekt in der Nähe des Flansches, der immer schlimmer wird“, schrieb Stanley im Mai 2019 an Rush. „Die einzige Frage, die ich habe, ist, ob es zu einem katastrophalen Versagen kommen wird oder nicht“, hieß es in der E-Mail weiter.

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Stanley forderte Rush auf, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und weitere Tests durchzuführen, bevor das Uboot Passagiere aufnimmt. Doch diese Warnungen wurden weitgehend ignoriert. „Wired“ veröffentlichte einen Untersuchungsbericht am elften Juni, der enthüllte, dass der „OceanGate“-CEO Rush die Baukosten seines Schiffes senken wollte und deshalb die Warnungen seiner Kollegen wiederholt herunterspielte.

Stanley sagte kürzlich in einem Interview mit BI, dass er das Ausmaß des Problems mit dem Schiffsrumpf nicht kannte. Erst durch den Wired-Artikel erkannte er, wie nahe er während seines Tauchgangs mit Rush der Gefahr gekommen war.

„OceanGate Expeditions“ Titan-Tauchboot. - Copyright: OceanGate Expeditions via AP, File
„OceanGate Expeditions“ Titan-Tauchboot. - Copyright: OceanGate Expeditions via AP, File

E-Mails zwischen dem CEO von „OceanGate“ und Stanley wurden BI im vergangenen Jahr zur Verfügung gestellt. Sie zeigen, dass Rush Stanleys Bedenken bezüglich des Rumpfes der „Titan“ zurückwies. Der CEO schrieb damals, dass „ein einziger Erfahrungswert nicht ausreicht, um die Stabilität des Rumpfes zu bestimmen“. Dem Bericht von Wired zufolge war Rush jedoch auch über „laute Geräusche in der Tiefe“ besorgt, die zum Zeitpunkt der Expedition mit Stanley auftraten.

Dem Bericht zufolge wurden die Probleme mit dem Schiff erst zwei Monate nach Stanleys Tauchgang und nur drei Wochen, bevor die Titan zur Titanic fahren sollte, vollständig aufgedeckt. Bei einer Inspektion wurde ein Riss im Rumpf der Titan festgestellt. Ein ungenannter „OceanGate“-Pilot sagte zu Rush, dieser Riss sei „ziemlich ernst“, berichtete Wired. Ein interner Bericht, der später von Wired eingesehen wurde, zeigte einen mindestens ein Quadratmeter großen Bereich, in dem sich Schichten des Kohlefaserrumpfes getrennt hatten. Laut Wired zwang dieser Defekt Rush, die Reise zur Titanic zu verschieben und ein anderes Titan-Tauchboot zu bauen.

Es kommen immer mehr Beweise ans Licht

Stanley sagte zu BI, dass er schockiert war, als er den Bericht von Wired las. Dieser enthüllte weitere Informationen über seinen Tauchgang mit Rush im Jahr 2019. „Ich wusste, dass der Rumpf in keinem guten Zustand war. Aber der Bericht über die sichtbaren Schäden hat mich umgehauen“, sagte er. Je mehr Informationen über den Titan-Vorfall ans Licht kamen, desto frustrierter wurde Stanley. Er war verärgert über die Menschen, die Rush nahestanden. Seiner Meinung nach hätten sie mehr tun können, um den CEO davon abzuhalten, seinen eigenen Ambitionen nachzugeben.

„Je mehr Beweise ans Licht kommen, desto mehr wird mein Standpunkt bestätigt“, sagte er. Am 18. Juni 2023 tauchten Rush und vier zahlende Passagiere mit der Titan zum historischen Wrack. Jeder Passagier hatte bis zu 250.000 US-Dollar (in etwa 233.000 Euro) für den Platz bezahlt. Weniger als zwei Stunden nach dem Tauchgang verlor die Titan die Verbindung zum Mutterschiff an der Oberfläche. Dies löste eine internationale Such- und Rettungsaktion aus. Fünf Tage später bestätigte die US-Küstenwache, dass die Titan aufgrund eines „katastrophalen Verlusts der Druckkammer“ implodierte. Alle fünf Passagiere, darunter Rush, starben sofort. Eine bundesstaatliche Untersuchung der Implosion läuft bis heute.

Ein von Egoismus getriebenes Unternehmen

Ein Sprecher von OceanGate, das kurz nach der Titan-Katastrophe seinen Betrieb einstellte, konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Guillermo Soehnlein, Mitbegründer von OceanGate, hielt nach seinem Ausscheiden 2013 einen gewissen Kontakt zu Rush aufrecht. In einem Interview mit BI sagte er jedoch, dass er nicht sicher sei, ob er Rush geraten hätte, etwas anders zu machen, da er nicht über alle Entwicklungen im Unternehmen informiert war.

Söhnlein stimmte zu, dass Rushs Titan-Projekt von seinem Ego angetrieben wurde. Er betonte jedoch, dass dieser Charakterzug für jeden ehrgeizigen Innovator, besonders im Bereich der Exploration, typisch sei. Söhnlein erklärte: „Karl hat zwei seiner U-Boote in einer Garage gebaut, das ist die Manifestation seines Egos. Er ist heute einer der erfahrensten U-Boot-Piloten der Welt“.

Stanley, der weiterhin sein U-Boot für Touristen in Honduras betreibt, feierte letztes Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. In einer Nachricht an BI am vergangenen Donnerstag berichtet er: „Ich bin gerade von einem vierstündigen Tauchgang aufgetaucht, es läuft also gut“.

Lest den Originalartikel auf Business Insider