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Notruf aus Taiwan: Wirtschaftsministerium springt Bremer Windparkentwickler WPD bei

·Lesedauer: 3 Min.

Der Windparkentwickler WPD hat in Taiwan gute Geschäfte gemacht, doch lokale Behörden durchkreuzen die Pläne. Jetzt schaltet sich sogar das Bundeswirtschaftsministerium ein.

Auch an der Entwicklung des deutschen Windparks Baltic 1 war die Firma WPD beteiligt. Nun hoffen die Bremer auf ein neues Großprojekt in Taiwan. Foto: dpa
Auch an der Entwicklung des deutschen Windparks Baltic 1 war die Firma WPD beteiligt. Nun hoffen die Bremer auf ein neues Großprojekt in Taiwan. Foto: dpa

Für den Bremer Windparkbauer WPD schien die Sache rundzulaufen: Das Unternehmen erhielt bereits im April 2018 den Zuschlag der taiwanesischen Behörden für den Bau des Offshore-Windparks Guanyin. Doch dann kam der Rückschlag: Die Flugsicherheitsbehörde des Landes meldete im Nachhinein Bedenken an und blockiert das Projekt seitdem.

„Die Ablehnung stellt uns vor immense Herausforderungen. Wir haben verbindliche Lieferverträge geschlossen. Außerdem sind bereits Kosten in Höhe von fast 80 Millionen Euro entstanden. Das ist für ein mittelständisches Unternehmen kein Pappenstiel“, sagte WPD-Vorstand Achim Berge Olsen.

„Es geht hier um ein Investment von rund 1,7 Milliarden Euro. Der Windpark ist für die künftige Stromversorgung Taiwans nicht unbedeutend“, erklärte Berge Olsen. Man verstehe daher nicht, dass das Vorhaben nun scheitern solle. „Die Flugsicherheitsbehörde erweist sich als nicht sehr flexibel. Sie verweist darauf, das Verfahren sei nun abgeschlossen, und verschließt sich jedem Kompromiss“, sagte der WPD-Manager.

Der von der Luftsicherheitsbehörde geltend gemachte Einwand, der Windpark habe Einfluss auf die Kommunikationssysteme der Flugsicherung, ist nach Überzeugung von WPD nur vorgeschoben. „Der Einwand trifft nach Bewertung von Fachleuten, mit denen wir uns beraten haben, nicht zu. Im Übrigen hat ja die Regierung selbst die Fläche für den Windpark ausgewiesen“, sagte Berge Olsen.

Die WPD AG ist ein Unternehmen aus Bremen, das mit etwa 2200 Mitarbeitern weltweit Windparks entwickelt und betreibt. Auf dem taiwanesischen Markt ist WPD schon seit Jahren vertreten. Umso überraschender sind die Schwierigkeiten, die sich nun im Zusammenhang mit dem Guanyin-Projekt auftun.

„Wir haben bislang sehr gute Erfahrungen in Taiwan gemacht. Das spiegelt sich in den umgesetzten Projekten wider. Wir haben in Taiwan über 50 Prozent der derzeit installierten Windkraftleistung an Land gebaut“, sagte Berge Olsen. Nun wolle man den Erfolg mit Projekten im Offshore-Bereich fortsetzen.

Der Fall wird zum Politikum

Mit dem Offshore-Windpark Yunlin hat das bereits funktioniert, dieser Windpark wird derzeit errichtet. „Beim Offshore-Windpark Guanyin sollte das genauso laufen. Dann kam die überraschende Ablehnung der Flugsicherheitsbehörde, für die es aus unserer Sicht keinen triftigen Grund gibt“, sagt Berge Olsen.

Der Fall ist zum Politikum geworden. Das Bundeswirtschaftsministerium versucht, den Bremern zu helfen, und hat wenig Verständnis dafür, dass dem Projekt Steine in den Weg gelegt werden.

„Die Bundesregierung hat ein großes Interesse, dass deutsche Investoren auch im Ausland Investitionssicherheit haben. Gerade mittelständische Unternehmen brauchen Schutz“, sagte Thomas Bareiß, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Das sei vor allen Dingen auch im Interesse der jeweiligen Länder, ergänzte er. Dies habe man der taiwanesischen Seite deutlich gemacht.

Für Taiwan geht es um viel. Das Land belegt im aktuellen Doing-Business-Index der Weltbank unter 190 Ländern einen beachtlichen 15. Platz. Die gute Platzierung macht das Land für Investoren interessant.

Allerdings können Vorgänge wie die um WPD das Ranking negativ beeinflussen. Zur Einordung: Deutschland belegt in dem Ranking nur Platz 22.

Die taiwanesische Botschaft ließ eine Anfrage des Handelsblatts zu den Vorgängen unbeantwortet.