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Diese Ingenieurin wollte Porsche-CEO werden — dann gründete sie mit ihrem Vater ein Startup für Periodenprodukte

·Lesedauer: 4 Min.
Carina Hader und ihr Vater Bruno gründeten zusammen ein Unternehmen.
Carina Hader und ihr Vater Bruno gründeten zusammen ein Unternehmen.

Eigentlich wollte Carina Heidi Hader die erste weibliche Porsche-CEO werden. "Das war ganz lange mein Ziel, das hatte sich ganz fest in mein Gehirn gebrannt", sagt Hader. Die Arbeit als Ingenieurin bei dem Autohersteller habe ihr großen Spaß gemacht und sie habe auch das Gefühl gehabt, dass sie das Zeug zur Führung hätte. "Ich wurde bei Porsche viel gefördert und es gefiel mir dort, aber im Hinterkopf hatte ich immer das Gefühl: Was wäre, wenn ich doch noch etwas ganz anderes mache?", erzählt sie rückblickend im Gespräch mit Business Insider.

Über die Zeit reifte dieser Gedanke im Hinterkopf zu einer großen Idee heran. Und schließlich entschied sich die Luft- und Raumfahrttechnik-Diplom-Ingenieurin, ein eigenes Startup zu gründen – für Periodenprodukte. Mit ihrem Vater. Denn auch ihr Vater Bruno Hader, ein Marketing-Experte mit langjähriger Erfahrung in Konzernen, war gerade auf Sinnsuche, nachdem er seinen Konzernjob verlassen hatte. Der perfekte Zeitpunkt für eine Unternehmensgründung und einen etwas anderen Familienbetrieb.

Als Carina Hader ihrem Vater von ihrer Idee erzählte, ein wiederverwendbares, Technik-getriebenes Heizkissen für Frauen mit Periodenschmerzen herzustellen, war dieser zunächst überrascht und erst einmal still. "Das ist kein Thema, über das man typischerweise mit seinem Vater spricht, obwohl wir auch vor unserer Unternehmensgründung kaum Tabu-Themen hatten", sagt Hader. Doch nach einer kurzen Markt-Recherche stellte Bruno Hader fest: Ziemlich viele Frauen leiden unter Menstruationskrämpfen, das Marktpotenzial ist also sehr groß. Er war schnell überzeugt.

Vorverkauf war innerhalb von 24 Stunden ausverkauft

Die Ingenieurin hat selbst mit Menstruationsschmerzen zu kämpfen – nicht gerade praktisch, wenn man als Beraterin viel arbeitet und häufig reist. "Man kann ja im Meeting nicht mal eben die Wärmflasche hervorzaubern und nach einem Wasserkocher fragen", sagt sie. Daher kam ihr die Idee für eine Lösung, an der sie schon seit ihrer Diplomarbeit tüftelt: Ein unauffälliges, herzförmiges Heizkissen mit dem Namen Nayca, das man sich direkt auf den Bauch zwischen Slip und Hose oder Rock legen kann. Es erwärmt sich auf Knopfdruck und ist immer wieder einsatzbereit.

Partner wie Lieferanten und Produzenten hat das Vater-Tochter-Unternehmen mit dem Namen Cebeha2 GmbH bereits gefunden. Derzeit läuft die Prä-Produktionsphase. Seit einigen Wochen hat der Onlineshop offiziell eröffnet, Kundinnen und Kunden können das Heizpad nun vorbestellen. Allerdings besteht derzeit noch eine Lieferzeit von zwölf Wochen. Doch das scheint die Kunden nicht zu stören: Im Juli starteten die Haders einen Vorverkauf, bei dem innerhalb von 24 Stunden alle geplanten Heizkissen ausverkauft waren. "Das war unser proof of concept und die Bestätigung, dass die Kundschaft unser Produkt auch wirklich will", sagt Carina Hader. Im vergangenen Jahr habe die Cebeha2 GmbH bereits einen fünfstelligen Umsatz erwirtschaftet – ohne ein versandfähiges Produkt.

Momentan macht das kleine Unternehmen noch keine Werbung. "Wir können uns derzeit nicht übernehmen, weil wir gebootstrapped sind", erklärt Hader. Eine Bootstrap-Finanzierung bedeutet, dass die Strategie des Startups an ein sehr enges Budget und knappe Ressourcen angepasst sind. Ziel ist die Vermeidung von Ausgaben bei gleichzeitiger Maximierung der Einnahmen. Die Haders gehen also in Vorleistung für die Kundinnen. Dafür nimmt Carina Hader ihre Kundinnen bei Instagram von Anfang an mit und lässt auch darüber Wünsche in die Produktion miteinfließen. Rund 8000 Follower hat Nayca auf dem sozialen Netzwerk.

Interesse von Douglas

Mit ihrem Konzept, aber auch ihrer fröhlichen Ausstrahlung und einer anpackenden Mentalität überzeugt die Ingenieurin auch immer wieder in Startup-Wettbewerben. 2019 machte sie beim Grace Summercamp, einem Accelerator-Programm für weibliche Gründungsteams mit. Erst im November 2021 gewann sie den Startup-Wettbewerb "Beauty Futures" von Douglas in der Kategorie "Beauty Brand" – und setzte sich damit gegen 196 Startups aus 23 Ländern durch. Branchengrößen wie Douglas-CEO Tina Müller und die Digitalchefin Vanessa Stützle oder auch Investorin Lea-Sophie Cramer, die ebenfalls in der Jury saß, waren nach ihrem professionellen Pitch begeistert von Hader und Nayca. Neben einem Olivenbäumchen gewann Hader vor allem die Chance auf eine Listung bei der Parfümerie- und Kosmetik-Kette.

Derzeit ist Hader mit Douglas in Verhandlungen, wie eine Zusammenarbeit aussehen kann. "Für uns ist die Zusammenarbeit mit Douglas eine große Chance, aber auch eine große Herausforderung. Weil wir geboostrapped sind und mit einem engen Budget arbeiten, müssen wir uns da herantasten und können jetzt noch nicht alle Filialen beliefern", sagt Hader. Beide Seiten hoffen, dass der Verkauf über Douglas im nächsten Jahr starten könne.

Gründer auf Augenhöhe trotz Vater-Tochter-Beziehung

Und wie läuft es intern so, wenn man mit dem eigenen Vater als Co-Gründer zusammenarbeitet? "Bruno hat noch nie die Vater-Karte ausgespielt oder ich die Tochter-Karte, wir arbeiten absolut gleichberechtigt", sagt Carina Hader. "Wir diskutieren natürlich auch viel und führen auch harte Gespräche als Co-Gründer, wenn es zum Beispiel um die Strategie oder den Einkauf geht, das ist aber immer auf Augenhöhe." Zu Problemen sei es aufgrund der Verwandtschaft nie gekommen.

Da Hader gemeinsam mit ihrem Vater gegründet hat und nicht das Unternehmen übernommen hat, sieht sie ihr Unternehmen nicht als Familienbetrieb im klassischen Sinne. "Sollte ich die Firma aber irgendwann an die nächste Generation übergeben, dann würde ich vielleicht auch nochmal darüber nachdenken, wenn Porsche mit dem CEO-Posten winkt", sagt Hader und lacht.

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