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Nicht unter 3000 Euro Einstiegsgehalt: Ein LKW-Fahrer erzählt, wie ihn seine Arbeit belastet und warum er bei Amazon rot sieht

LKW-Fahren wird oft romantisiert (Symbolbild). - Copyright: Getty Images / Mint Images
LKW-Fahren wird oft romantisiert (Symbolbild). - Copyright: Getty Images / Mint Images

Lastkraftfahren wird oft romantisiert. Vor allem in den USA. Mit einem großen, bulligen Truck über die Highways fahren und im besten Fall in den Sonnenuntergang hinein, so die Theorie. Doch die Wahrheit ist eine andere. Allein in Deutschland fehlen 56.000 LKW-Fahrer. Speditionen und Frachtführer suchen verzweifelt nach Personal. Nachwuchs gibt es kaum.

Das hängt auch mit der Arbeitsbelastung zusammen. Udo Skoppeck, seit mehr als 40 Jahren LKW-Fahrer, hat im Gespräch mit der "Wirtschaftswoche" seinen Alltag beschrieben. Unter anderem werde selbstverständlich angenommen, dass er die Ware, die er fährt, auch entlade. "Das Problem ist, dass ich aus meinem Transportauftrag nicht erschließen kann, ob das Entladen eine Bedingung ist", sagt er dem Magazin. Meistens mache er es dann. Diese "Ungewissheit" sei aber eine Drucksituation für die Fahrer.

Amazon sei rotes Tuch

Auch Unternehmen üben Druck auf die Fahrer aus. Der Online-Händler Amazon sei für ihn vor allem ein "rotes Tuch", sagt er. Wenn er dort etwas liefere, trage er immer die Weste der Gewerkschaft Verdi. Schon seit Jahren kämpft die Gewerkschaft für bessere Arbeitsbedingungen bei Amazon. "Ich provoziere damit natürlich und das löst bei den Mitarbeitern Erstaunen aus. Einmal wollten sie mit allen Mitteln verhindern, dass ich sie trage – mir wurde mit Hausverbot gedroht, ich musste meine Firma anrufen und es gab eine große Diskussion", sagt Skoppeck. Bei vielen Aufträgen, auch über Amazon hinaus, drohe man, dass es Konsequenzen gebe, wenn man nicht das mache, was das Unternehmen wolle.

Trotz des Fachkräftemangels ist die Lage für Arbeitnehmer angespannt. Zwar winke ständig jemand mit einer Wechselprämie. Doch keiner sage einem: "Wenn du bei mir anfängst, musst du gegen Gesetze verstoßen", so der LKW-Fahrer. Er rät dazu, genug Selbstvertrauen zu haben und Nein sagen zu können. "Wenn das Gehalt nicht mindestens 3000 Euro beträgt, würde ich auch als Neuling die Finger davon lassen", sagt Skoppeck.

LS