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Zeitenwende: Die Angst vor dem Inflationsgespenst

Nils Jacobsen
·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 4 Min.

Es braut sich etwas zusammen an den Kapitalmärkten: Nach jahrzehntelangem Stillstand könnte plötzlich eine fast vergessene volkswirtschaftliche Größe ihr Comeback feiern: die Inflation. Für Anleger bedeutet das vor allem eins: unruhige Zeiten.

Die gestiegenen Preise für Nahrungsmittel haben die Inflation angetrieben (Bild: Getty)
Die gestiegenen Preise für Nahrungsmittel haben die Inflation angetrieben (Bild: Getty)

Der Blick in den Abgrund ist ein Jahr alt. Im März 2020 brachen die Aktienmärkte rund um den Globus aus Sorge um die Weltkrise Corona so schnell, so massiv ein wie noch nie in der Geschichte: 35 Prozent im Dow Jones und Dax – einfach weg. Allein: Es sollten historische Kaufchancen sein. Die Kurse schossen seit Ende März vergangenen Jahres durch die Decke.

Der Hauptgrund dafür: Der massivste staatliche Geldregen, den die Finanzwelt jemals gesehen hatte. Das Kalkül hinter der Geldschwemme der US-Notenbank und des Weißen Hauses: Ein zweites Lehman sollte unbedingt vermieden werden. 2008 hatten bekanntlich fehlende Staatshilfen zur Pleite der damals viertgrößten Bank der USA geführt, die wiederum in einer Kettenreaktion eine veritable Systemkrise ausgelöst hatte.

Corona führt zu so hohen Staatshilfen wie noch nie

Allein in den zwei Monaten nach dem Einbruch reagierten Regierungen der westlichen Welt mit Staatshilfen in der nie gekannten Höhe von 10 Billionen Dollar. Finanzminister Olaf Scholz prägte etwa im Frühjahr letzten Jahres das geflügelte Wort von der "Bazooka", die er sofort auf den Tisch gelegt habe.

Kommt die Inflation? Ein Streitgespräch zwischen den Ökonomen Bofinger und Mayer

Ähnlich verfährt auch der neue US-Präsident Joe Biden in diesen Tagen: Das lang erwartete Corona-Hilfspaket in Höhe von über 1,9 Billionen Dollar steht im Senat vor der erwarteten Bewilligung. US-Bürger können sich in den kommenden Wochen über Stimulus-Schecks in Höhe von 1400 Dollar freuen.

Mega-Stimuli befeuerte Börse – und die Inflation

Die Geldflut hob an den Aktienmärkten so ziemlich alle Boote. Allein: Die Ausweitung der Geldmenge dürfte auch zur unerwarteten Rückkehr eines alten Bekannten führen – der Inflation. Seit Wochen überbieten sich Ökonomen, Analysten und Finanzmedien mit ihren Warnungen vor der Preisverteuerung, die gleichzeitig zu einer Geldentwertung führt, weil die Kaufkraft sinkt.

Zu Jahresbeginn lag die Inflationsrate in der Bundesrepublik bereits bei 1,6 Prozent – ein Zuwachs von gleich 2,3 Prozent nach einem Minus von 0,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Bundesbank stellt für 2021 unterdessen bereits eine Erhöhung des Preisniveaus von 3 Prozent in Aussicht. Top-Ökonom Thomas Meyer rechnet in diesem Jahr sogar mit einer „trabenden Inflation“ – also einer Preissteigerung von mehr als 5 Prozent.

Gewinner und Verlierer der Inflation

Bewahrheiten sich die Hypothesen, wäre entsprechend mit einer Kettenreaktion bei der Geldanlage zu rechnen. Sachwerte wie Immobilien oder Edelmetalle könnten – zumindest nach dem Lehrbuch – deutlichen Aufrieb erfahren, weil sie wegen ihrer begrenzten Verfügbarkeit an Wert gewinnen.

Auf der Verliererseite stehen dagegen gewöhnlich Anleihen wegen ihrer festgeschriebenen Verzinsung, die durch eine steigende Inflation schnell zu Kursverlusten führen könnten. Bleibt die Inflation im Rahmen, sollten auch Aktien als Schutz gegen die Geldentwertung gefragt bleiben. Gewinnt die Inflation jedoch an Dynamik, sind die Notenbanken versucht, durch steigende Zinsen Einhalt zu gebieten, was traditionell ab einem gewissen Punkt die Aktienmärkte belastet.

„Big Short“-Start warnt vor Weimar 2.0

Entsprechend sind die zum Teil drastischen Kursrückgänge bei hoch gewetteten Wachstumsaktien in den vergangenen Handelstagen zu erklären: Technologie- und Internetwerte wurden gnadenlos abverkauft, weil Anleger in einem Umfeld mutmaßlicher steigender Zinsen weniger gewillt sind, Risikoaufschläge zu bezahlen.

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Dass die kommende Preisverteuerung unterdessen komplett aus dem Ruder laufen könnte, stellte Hedgefondsmanager Michael J. Burry, bekannt aus dem Hollywood-Hit „The Big Short“, vor einigen Tagen auf Twitter in Aussicht. Analogie zu: die Weimarer Republik!

„Spekulation allein, wurde zu einer der beliebtesten Aktivitäten, obwohl sie nichts zu Deutschlands Wohlstand beitrug. Das Fieber, eine schnelle Mark zu verdienen, infizierte praktisch alle Gesellschaftsklassen. Jeder, vom Fahrstuhlführer an, hat am Markt mitgespielt“, sieht Burry Parallelen zur neuen Anlegergeneration, die im Forum von Reddit nach Investmenttipps sucht. Der Ausgang ist bekannt: Die Weimarer Republik versank in einer Hyperinflation…

Video: Digitale Wirtschaft boomt