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Renten am Morgen: FOMO scheint die Peripherie zu erfassen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Der Handelstag am Montag ist erneut von der Peripherie geprägt worden. Die Kurse der Staatsanleihen aus dieser Ländergruppe legten erneut teils kräftig zu. Besonders gesucht waren wieder die italienischen Staatspapiere, die am langen Ende der Zinskurve von Renditetief zu Renditetief eilten.

In ihrem Fahrwasser gaben die Renditen der Staatsanleihen von der iberischen Halbinsel sowie die griechischen Bonds ebenfalls nach. Dazu flachten sich die Peripherie-Zinskurven auch noch ab.

Die Anleger blenden zurzeit alle fiskalischen Risiken, die diese Länder ohne Zweifel aufweisen, aus. Sie setzen sowohl auf die Unterstützung durch den Aufbaufonds als auch auf weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen durch die Europäische Zentralbank. Sollte die Kursrally in der Peripherie nicht bald an Schwung verlieren, weil erste Investoren doch ein paar Gewinne mitnehmen wollen, dürften die 10-jährigen spanischen und portugiesischen Papiere die Null-Prozent-Marke demnächst wieder in Angriff nehmen.

Inzwischen kann man sich nicht mehr des Eindrucks erwehren, dass es auch bei europäischen Staatsanleihen so etwas wie Fear of Missing Out (FOMO) gibt. Selbst die Ankündigung des Haushaltskommissars der Europäischen Union, Johannes Hahn, wonach die Refinanzierung des Aufbaufonds erst im zweiten Quartal des kommenden Jahres beginnen werde, beeindruckte die Investoren nicht, obwohl damit eine Verzögerung bei der Bereitstellung der Mittel aus dem Fonds droht.

Die Rally der Peripheriebond hat jedoch eine Kehrseite. Es baut sich einer Erwartungshaltung der Investoren auf, die es auch zu erfüllen gilt. Schließlich werden die fiskalischen Auswirkungen nicht nur die Peripherieländer eine sehr lange Zeit belasten. Sollte die EZB den Umfang der Anleiheankäufe im laufenden Jahr noch einmal in angemessenem Umfang erhöhen und/oder der Aufbaufonds sich doch weiter verzögern, werden die Peripheriebonds die Enttäuschung der Anleger deutlich spüren.

Dass die Anleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern bei der aktuellen Jagd nach Rendite nicht mithalten können, ist keine Überraschung. Allerdings konnten sie am langen Ende Renditerückgänge von rund zwei Basispunkten einfahren. Die sich mehr und mehr abzeichnenden Auswirkungen der erneuten Pandemiewelle lassen die Bondanleger vorsichtig bleiben.

In der abgelaufenen Berichtswoche kaufte das System Europäischer Zentralbanken im Rahmen des PSPP und des PEPP zusammen rund 23,9 Milliarden Euro an Bonds. Mit mehr als 10 Milliarden Euro wurde das PSPP dotiert, nachdem in diesem Programm in der Vorwoche fälligkeitsbedingt Bestände abgebaut wurden. Letztlich dürften die umfangreichen PSPP-Käufe nur eine Aufholbewegung gewesen sein.

Neben der Vorstellung des World Economic Outlook (WEO) des IWF am frühen Nachmittag dürften sich die Blicke der Investoren sowohl auf die Diskussionen über ein US-Fiskalpaket als auch die beginnende Berichtssaison richten. Über allem werden jedoch neue Informationen zu Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Ausbreitung der Virusinfektion stehen.

Beim WEO wird von Interesse sein, wie der IWF die jüngsten Entwicklungen bei der Ausbreitung der Infektionswelle einschätzt. Diese könnten die Prognosen durchaus negativ beeinflussen. Vermutlich wird der IWF die einzelnen Staaten und Notenbanken dazu aufrufen, ihre jeweiligen, die Wirtschaft stimulierenden Maßnahmen nicht zu früh zurückzunehmen. Zugleich wird es jedoch auch von Interesse sein, wie der IWF den mit den fiskalischen Maßnahmen verbundenen Anstieg der Staatsverschuldung beurteilt.

Die Finanzmärkte sollten sich allmählich darauf einstellen, dass es kein US-Fiskalpaket vor der Wahl mehr geben wird. Das dürfte neben Treasuries auch die Anleihen aus den Kernländern des Euroraums stützen.

Der Tag mit Bloomberg: Brexit-Notplanung, Corona-Anstieg

Die Kernlandbonds dürften kaum verändert in den Dienstagshandel starten. Die Peripherie sollte trotz des steigenden Risikos von Gewinnmitnahmen ihre Outperformance fortsetzen. Noch können vor allem am ultra-langen Ende der Kurve relativ große Spreads vereinnahmt werden.

Konjunkturdaten

Die bereits veröffentlichen chinesischen Außenhandelsdaten für den September deuten auf eine zunehmende wirtschaftliche Aktivität insbesondere im asiatischen Raum hin. Der unerwartet kräftige Anstieg der Importe könnte ein Anzeichen für eine an Fahrt gewinnende Binnenwirtschaft sein. Die Finanzmärkte ließen die Daten jedoch kalt.

Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum werden abgesehen von dem ZEW-Indikator kaum Einfluss auf die Renditen nehmen. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen hinsichtlich der Ausbreitung der Pandemie sowie den damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken sollte der Indikator sich abgeschwächt haben. Die Konsensprognose geht von einem Rückgang von 77,4 auf 72 Punkte aus.

Am Nachmittag werden die Anleger einen Blick auf die Entwicklung der Konsumentenpreise in den USA im September werfen. Immerhin werden sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich steigende Preise erwartet. Eine Änderung der Geldpolitik wird sich aus den Daten nicht ableiten lassen.

Die US-Notenbanker legten sich auf eine lang anhaltende Phase mit den aktuellen Fed-Funds-Sätzen fest. Ohne Überschießen der Preise über die Marke von 2% (PCE-Deflator) werden die Notenbanker aufgrund der neuen geldpolitischen Strategie sowieso nicht tätig werden.

Im Verlauf des Tages werden sich der niederländische Notenbankchef, Klaas Knot, sowie sein spanischer Kollege, Pablo Hernandez de Cos, äußern. Sofern es Aussagen zur Geldpolitik geben wird, dürften die beiden Auftritte deutlich machen, wie weit die Notenbanker im EZB-Rat hinsichtlich weiterer geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen auseinander liegen. Knoot gehört dem Falkenlager an. Er dürfte einer noch expansiveren Geldpolitik der EZB reserviert gegenüber stehen, während de Cos sich bereits für eine neuerliche Lockerung stark machte.

Primärmarkt

Am Dienstag werden sich Italien und die Niederlande mit Anleiheemissionen am Kapitalmarkt zeigen. Das italienische Schatzamt wird eine neue 3-jährige Staatsanleihe mit einem Startvolumen von bis zu 3,75 Milliarden Euro und erstmals einem Kupon von Null Prozent emittieren. dazu kommen Aufstockungen der aktuellen 7- und 30-jährigen Papiere um jeweils bis zu 2,25 bzw. 1,5 Milliarden Euro. Das maximale Gesamtemissionsvolumen wird sich auf 7,5 Milliarden Euro belaufen, was in Anbetracht der italienischen Fälligkeit von rund 15,3 Milliarden Euro auf eine gute Nachfrage treffen sollte.

BTPs stehen aufgrund ihrer Spreads hoch im Kurs. Die Investoren dürften daher Schwierigkeiten haben, umfangreichere Renditezugeständnisse durchzusetzen - selbst am ganz langen Ende der Zinskurve.

Die Niederlande werden die aktuelle 7-jährige Benchmark um bis zu 2,5 Milliarden Euro aufstocken. Dieser Transaktion dürfte die Fälligkeit der Bundesobligation bei der Platzierung helfen. Entsprechend sollten Renditezugeständnisse vor der Platzierung sehr gering ausfallen, sofern es sie überhaupt geben wird.

Außerdem werden Belgien, Finnland und Spanien am Geldmarkt aktiv. Aus Belgien sind bis zu 2 Milliarden Euro an Kurzläufern mit Laufzeiten von drei und elf Monaten zu erwarten. Finnland wird Papiere in einem Umfang von bis zu 2 Milliarden Euro anbieten, die sieben und zehn Monate Laufzeit aufweisen. Die beiden spanischen Kurzläufer mit Laufzeiten von drei und neun Monaten sollen bis zu 1,5 Milliarden Euro in die Kasse spülen, was im Vergleich zu früheren Emissionen eher gering ist.

Insgesamt sind die Volumina überschaubar, was die Platzierung erleichtern wird. Weitere Unterstützung ist durch die Fälligkeit in Finnland mit 2,1 Milliarden Euro zu erwarten.

Am Abend wird das Treasury die beiden Platzierungen von drei und sechs Monate laufenden T-Bills mit einem Gesamtvolumen von 105 Milliarden Dollar nachholen, die am Columbus Day nicht stattfanden. Das Volumen entspricht demjenigen der Vorwoche. Platzierungsprobleme wird das Treasury nicht haben. Zusätzlich werden Cash Management Bills angeboten.

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