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Anwaltsportale – so gut sind Rechtsberater per Internet

(Bild: gettyimages)
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Wer in Streitfällen schnell juristische Hilfe benötigt, kann sich die bei Anwaltsportalen im Internet holen. Dort finden Ratsuchende schnell die richtigen Ansprechpartner und bekommen gegen Honorar zügig Antworten zum Sachverhalt. Stiftung Warentest hat für das Verbrauchermagazin Finanztest die sieben größten Portale im Internet untersucht.

Ob ein Bußgeldbescheid, falsche Posten auf der Mobilfunkrechnung oder Kündigung am Arbeitsplatz – wer rechtliche Probleme hat, muss für eine Beratung nicht mehr die nächstgelegene Kanzlei aufsuchen. Die gibt es seit langem auch im Internet.

Dort bieten Anwaltsportale Rechtsberatung für nahezu alle Fälle. Bei den Anbietern stehen Juristen für die unterschiedlichsten Themengebiete parat. Kunden schildern ihren Fall und legen den Preis fest. Das geht rund um die Uhr und an sieben Tagen der Woche. Die Fragen der Kunden werden an einen Anwalt weitergeleitet, der sich für das jeweilige Themengebiet eignet. Die Antworten erfolgen dann meist relativ zügig.

Stiftung Warentest wollte wissen, wie gut die Portale sind und hat fünf Testfälle aus den Bereichen Straßenverkehrsrecht, Drittanbieter auf der Mobilfunkrechnung, Onlinekauf, Mietrecht und Arbeitsrecht konstruiert. Die Experten testeten die Anbieter nicht nur auf ihre Beratungsqualitäten, sondern checkten auch die Preise, die AGBs, wie sensibel mit Kundendaten umgegangen wird und wie die Portale auf Beschwerden reagieren.

Die Verbraucherschützer überprüften die Anbieter advocado, Deutsche Anwaltshotline, frag-einen-anwalt.de, Juraforum, justAnswer, yourXpert und Anwalt.de. „Unseren Testern gefielen die Informationen auf den Seiten von Juraforum am besten, Advocado und Deutsche Anwaltshotline erschienen Ihnen am übersichtlichsten“, heißt es im Testbericht.

Beim Datenschutz enttäuschten alle

Allerdings seien alle Portale enttäuschend, was den Datenschutz angehe, weil sie reichlich Informationen an Google und Co liefern – die Deutsche Anwaltshotline noch am wenigsten. Allein der bloße Aufruf einer Seite werde von Google und anderen Anbietern gespeichert. Das ermöglicht den Betreibern Nutzern künftig gezielte Werbung und besondere Angebote zu offerieren.

Bei frag-einen-anwalt.de und JustAnswer habe in der Datenschutzerklärung sogar die Möglichkeit gefehlt, Google die Datenerfassung zu verbieten. Das sei nach deutschen Datenschutzregeln rechtswidrig, so die Experten. Besonders negativ sei beim Datensicherheitstest aber Juraforum aufgefallen. Die Server wiesen große Sicherheitslücken auf, so dass Datendiebe leichtes Spiel gehabt hätten.

Bei der Beratungsqualität fielen die Ergebnisse gemischt aus. Jedoch hätten die Tester bei allen sieben Portalen meist hilfreichen Rat bekommen.

Das Fazit von Stiftung Warentest: „Rechtsberatungsportale eignen sich eher für einfach gelagerte Fälle. Anwälte können online zum Beispiel eine erste Einschätzung geben, ob es sinnvoll ist, sich gegen Forderungen zu wehren oder sie besser gleich zu bezahlen, weil sonst Mehrkosten entstehen. Eine ausführliche persönliche Beratung vor Ort kann eine Onlineberatung jedoch kaum ersetzen.“

Den vollständigen Bericht von Stiftung Warentest zum Thema „Anwaltsportale“ finden Sie hier (kostenpflichtig).

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