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Wie verdient Wirecard eigentlich sein Geld?

Vincent Uhr
freier Journalist
Wirecard-Logo (Getty Images)

Die Aktie von Wirecard hielt die Investoren und Börsenmedien in diesem Jahr reichlich auf Trab. Vor allem zu Beginn des Börsenjahres 2019 sorgten Berichte der Financial Times für mehrere, heftige Kursstürze bei der inzwischen im DAX gelisteten Aktie des innovativen Zahlungsdienstleisters.

In letzter Zeit – und insbesondere durch die Widerlegung der Vorwürfe durch das Testat der Wirtschaftsprüfer, sowie der Ergebnisse der beauftragten Compliance-Kanzlei – steht jedoch wieder vermehrt das Tagesgeschäft im Vordergrund.

Doch was genau ist eigentlich das Tagesgeschäft von Wirecard und wie verdient der DAX-Konzern sein Geld? Ein Blick in die aktuellen Bücher könnte hier für einige Interessierte vielleicht sogar noch Neuland offenbaren.

Die einzelnen Segmente im Überblick

Im vergangenen Geschäftsjahr 2018 kam Wirecard aus Sicht des Gesamtkonzerns auf einen Umsatz in Höhe von 2.016,2 Millionen Euro. Ein Wert, der sich insbesondere auf zwei größere Bereiche des innovativen Zahlungsdienstleisters aufgeteilt hat.

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Den Löwenanteil dieser Erlöse hat im Geschäftsjahr 2018 nämlich das Segment Payment Processing & Risk Management erwirtschaftet. Ein Bereich, der im innerhalb dieses Zwölfmonatszeitraumes auf Umsätze in Höhe von 1.479,9 Millionen Euro gekommen ist, sowie ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 481,3 Millionen Euro zum Gesamtergebnis in Höhe von 560,6 Millionen Euro beigetragen hat.

Der Bereich Acquiring & Issuing brachte es hingegen auf Umsätze in Höhe von 609,3 Millionen Euro und hat zudem ein EBITDA von 79,9 Millionen Euro zum operativen Erfolg beigetragen hat. Die kleinere Sparte Call Center & Communication Services brachte es letztlich auf Umsätze von 9,1 Millionen Euro, wobei sich das Ergebnis hier auf einen Verlust von 0,5 Millionen Euro belief.

Wirecard ist letztlich allerdings bestrebt, weiterhin rasant zu wachsen. Allein im vergangenen Geschäftsjahr 2018 belief sich das Umsatzwachstum so beispielsweise auf rasante 35,4 %. Entsprechend könnten sich Aufteilungen innerhalb der einzelnen Segmente in den kommenden Jahren noch deutlich verändern.

Wirecard hat noch viel vor

Wirecard-Chart (Yahoo Finanzen)

Wirecard hat nämlich langfristig noch so einiges vor. Bis zum Geschäftsjahr 2025 möchte es der innovative Zahlungsdienstleister gemäß der eigenen Langfrist-Prognose bereits auf Umsätze in einer Größenordnung von 10 Milliarden Euro, bei einem operativen Ergebnis von 3,3 Milliarden Euro schaffen. Hierzu möchte Wirecard bis zu diesem Zeitpunkt rund 710 Milliarden Euro an Transaktionsvolumen abwickeln, was eine durchaus ambitionierte, aber in Anbetracht der aktuellen Wachstumsraten ebenfalls mögliche Zielvorstellung zu sein scheint.

Wichtig ist für Wirecard in diesem Sinne der Ausbau des eigenen, operativen Geschäfts. So konnte der Zahlungsdienstleister in diesem Jahr bereits viele Partnerschaften verkünden, die hier künftig ein wichtiger Wachstumstreiber sein werden.

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Ob es sich hierbei um Magento, einem Tochterunternehmen von Adobe gehandelt hat, oder aber jüngst um getnow, einem E-Commerce-Akteur, der sich auf Lebensmittel spezialisiert hat. Beinahe wöchentlich kommt ein weiterer, prominenter Partner hinzu, für den Wirecard künftig Zahlungen abwickelt.

Zudem existieren weitere, strategische Imperative wie biometrische Zahlungslösungen und Autorisierungsverfahren. Auch solche Lösungen können künftig ein wichtiger, komfortabler und hierdurch kundenfreundlicher Wachstumstreiber eines innovativen Zahlungsdienstleisters sein.

Eine interessante Wachstumsgeschichte

Wirecard ist somit eine der interessanteren Wachstumsgeschichten, die unser heimischer Leitindex derzeit zu bieten hat. Die Umsätze wachsen rasant, verteilen sich jedoch maßgeblich auf die zwei Segmente Payment Processing & Risk Management, sowie Acquiring & Issuing.

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In diesen beiden Segmenten dürfte sich daher auch weiterhin viel der bisherigen Wachstumsgeschichte dieses innovativen Zahlungsdienstleisters abspielen. Entsprechend sollten Interessierte und Investoren diese beiden Bereiche auch künftig im Auge behalten.

Disclosure: Der Autor Vincent Uhr besitzt Aktien von Wirecard.