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VIRUS/ROUNDUP: Immer mehr Schulen in Europa schließen wegen Coronavirus

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Immer mehr Schulen in Europa schließen wegen der Ausbreitung des Coronavirus. Für die Eltern schaffe das vielfach Probleme mit der Kinderbetreuung, sagte die kroatische Bildungsministerin Blazenka Divjak für den EU-Ratsvorsitz am Donnerstag in Brüssel. Sicherheit und Gesundheit der Schülerinnen und Schüler gingen aber vor. Divjak hatte mit zahlreichen europäischen Amtskollegen in einer Videokonferenz über die Lage beraten.

Der CDU-Europaabgeordnete und Gesundheitsexperte Peter Liese hält Schulschließungen auch in Deutschland für notwendig. Liese verwies auf das Beispiel der deutschen Nachbarländer Dänemark und Polen sowie anderer EU-Staaten. Dort seien alle Schulen wegen der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen worden.

"Ich glaube, das wird kurzfristig auch in Deutschland notwendig sein", sagte Liese zu Journalisten in Brüssel. "Mindestens in den am meisten betroffenen Gebieten, oder auch flächendeckend - wenn möglich schon ab Montag." Kleinere Betreuungsgruppen mit festen Betreuern reduzierten die Ansteckungsgefahr verglichen mit einem normalen Schulbetrieb, meinte der Abgeordnete.

Dafür müssten aber Kinderbetreuungen angeboten werden - für alle jene Eltern, die keine andere Möglichkeit haben, als ihre Kinder zur Schule zu schicken. Es sei keine gute Lösung, die Kinder von den Großeltern betreuen zulassen, warnte Liese. Ältere Menschen seien besonders anfällig für eine Erkrankung an Covid-19.

Ministerin Divjak zufolge haben die EU-Staaten je nach Ausbreitung des Virus unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. Etwa ein Drittel der Länder habe sämtliche Schulen geschlossen, erklärte die Ratsvorsitzende nach der Konferenz, an der nach ihren Angaben etwa 20 Ministerinnen und Minister teilnahmen. Ein Drittel habe Schulen und Hochschulen in bestimmten Regionen geschlossen. Ein weiteres Drittel der Mitgliedstaaten führe bislang den normalen Schulbetrieb fort.

Die Ministerin machte zugleich deutlich, dass die Lage dynamisch sei: "Die Situation ändert sich von Stunde zu Stunde." Fast zeitgleich kündigte etwa die Slowakei nach Medienangaben an, alle Schulen für 14 Tage zu schließen. Die Europäischen Schulen teilten den Eltern mit, man werde alle fünf Standorte in Brüssel mit zusammen mehr als 10 000 Schülern von Montag an bis Ende März schließen.

Die Rektoren aller französischsprachigen Hochschulen in Belgien beschlossen am Donnerstag, ihre Einrichtungen von Montag an bis zum Ende der Osterferien in sechs Wochen zu schließen. Die Studierenden sollten ihren Seminaren und Vorlesungen in dieser Zeit von daheim über eine Internet-Plattform folgen, meldete die Zeitung "Le Soir".

Die Minister hätten sich über unterschiedliche Möglichkeiten eines Fernunterrichts ausgetauscht, sagte Divjak. Mehrere Teilnehmer hätten vor den Folgen einer längeren Unterrichtspause gewarnt. Manche Länder böten Schulstunden im Fernsehen oder über das Internet an. Viel Unterrichtsstoff könnte über Smartphones vermittelt werden, meinte auch der Abgeordnete Liese.