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„Sozialplan und Interessenausgleich“ – Jobabbau bei der Helaba sorgt für Verunsicherung

Der Chef der Helaba spricht von einem „Sozialplan“. Das löst bei Mitarbeitern die Befürchtung aus, es könne beim gestarteten Umbau zu Kündigungen kommen.

Die Landesbank Hessen-Thüringen will Jobs abbauen. Mit einer Rede hat der Vorstandschef für zusätzliche Verunsicherung gesorgt. Foto: dpa

Es war nur ein Satz, aber er hat gereicht, um unter den Mitarbeitern der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) für erhebliche Unruhe zu sorgen. Vergangene Woche stimmte Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker die Führungskräfte auf das neue Jahr ein. Dominiert werden dürfte es durch das Umbauprogramm „Scope“, das einen „spürbaren Personalabbau“ beinhaltet.

Das hatte Grüntker bereits im Herbst gesagt. Nun erklärte er in seiner Rede, die sich im Intranet der Bank findet, die Bankspitze stelle dem Personalrat der Helaba momentan die geplanten personellen Maßnahmen im Detail vor. Und: „Darüber hinaus verhandeln wir mit ihm über den Sozialplan und den Interessenausgleich.“

Genau diese Formulierung verunsicherte nach Handelsblatt-Informationen viele Helaba-Mitarbeiter. Schließlich werden mit einem Sozialplan Stellenstreichungen in großem Stil und Kündigungen verbunden.

Noch ist nicht klar, wie viele Jobs bei der Helaba wegfallen. Die Landesbank hat keine Zahlen genannt. Der Helaba-Konzern, inklusive der Förderbank WI-Bank, der Frankfurter Sparkasse und der Landesbausparkasse, zählte zuletzt gut 6.000 Mitarbeiter. Die Bank an sich kommt auf rund 3.400 Mitarbeiter – und die Stellenstreichungen beziehen sich auf diese Einheit.

Mit dem Umbauprogramm Scope will die Helaba dafür sorgen, dass die Kosten im Jahr 2023 auf dem Niveau von 2018 verharren. Das waren rund 870 Millionen Euro.

Helaba-Chef sieht keine Alternative

Grüntker sagte vor den Führungskräften, das Projekt solle die Bank „zukunftssicher“ machen. Aus seiner Sicht gibt es „keine Alternative“ zu harten Effizienzmaßnahmen. Die Helaba war vergleichsweise gut und ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise gekommen, ringt aber nun, wie andere Geldhäuser auch, mit den Negativzinsen in der Euro-Zone. Zudem muss sie ihre IT dringend erneuern.

Bisher haben die schwierigen Rahmenbedingungen allerdings nur leichte Spuren in der Bilanz des Geldhauses hinterlassen. 2018 verdiente die Helaba gut 440 Millionen Euro vor Steuern und damit nur etwas weniger als ein Jahr zuvor. Größter Ertragsbringer ist seit Langem das Immobiliengeschäft. Die Zahlen für 2019 legt die Landesbank Ende März vor.

Wie groß die Irritationen nach Grüntkers Rede waren, zeigt, dass der Personalrat am Montag reagierte. Die Arbeitnehmervertreter erklärten im Intranet: Mitglieder des Gesamtpersonalrats seien „in den vergangenen Tagen verschiedentlich“ auf die Rede und den erwähnten „Sozialplan“ angesprochen worden. „Einige Kollegen und Kolleginnen befürchten im Zusammenhang mit diesem Begriff, dass der Personalabbauprozess unter Anwendung von Kriterien der sozialen Auswahl verbunden sein könnte.“

Das sei aber nicht Gegenstand der Verhandlungen mit dem Vorstand, so der Personalrat. Hintergrund sei vielmehr, dass das Gremium über eine sogenannte Ergänzungsvereinbarung verhandle. Diese sei zwar technisch gesehen laut dem hessischen Personalvertretungsgesetz ein Sozialplan. Aber sie enthalte selbstverständlich keine Sozialauswahl oder Ähnliches für betriebsbedingte Kündigungen.

Maßstab für den Personalrat sei, dass der Personalabbau sozialverträglich und einvernehmlich erfolge. Darüber gebe es auch keinen Dissens unter den Verhandlungspartnern. Das heißt, die Zahl der Stellen wird wahrscheinlich sinken, indem Mitarbeiter in den Vorruhestand gehen und mit Abfindungsangeboten die Bank verlassen.

Die Helaba teilte auf Anfrage mit: Bei der Umsetzung des Personalabbaus habe man angekündigt, „dass wir diesen Prozess entlang unserer Helaba-Werte verantwortungsvoll begleiten werden. Dazu stehen wir auch unverändert“. „Deshalb befinden wir uns gerade in Verhandlungen mit dem Personalrat, um entsprechende Maßnahmen miteinander zu vereinbaren, die diesem Anspruch gerecht werden.“

Führungskräfte müssen sich neu bewerben

Im Zuge des Scope-Programms baut die Helaba auch ihre Führungsstruktur um. Die Zahl der Bereiche auf der Ebene unterhalb des Vorstands schrumpft von 40 auf etwa die Hälfte. Künftig soll es noch 66 Abteilungsleiter und rund 170 Gruppenleiter geben. Auch das ist nach Handelsblatt-Informationen ein Rückgang. Die Helaba wollte sich dazu nicht äußern.

Nicht nur das: Diese Stellen werden komplett neu ausgeschrieben, die bisherigen Führungskräfte müssen sich also neu auf die Jobs bewerben. Grüntker sagte, für die Positionen der Abteilungsleiter habe man 189 Bewerbungen erhalten. Die Ausschreibung für die Gruppenleiter ist demnach bis Ende vergangener Woche gelaufen. Die neue Struktur soll zum 16. März umgesetzt werden.

Fest steht bereits, wie die Spitze der Bank künftig aussieht: Grüntker hört bei der Helaba Ende Mai auf und übergibt den Chefposten an Vizechef Thomas Groß. Das hatte die Landesbank im vergangenen Dezember mitgeteilt. Groß ist bereits seit 2015 Grüntkers Stellvertreter.

Derzeit spricht die Helaba mit der Dekabank, dem Fondsdienstleister der Sparkassen, über eine engere Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion. Grüntker befürwortet ein Zusammengehen der beiden Frankfurter Institute. Die Geschäftsmodelle ergänzten sich, „es gibt nur wenige Überschneidungen“, sagte er vor den Führungskräften. „Die betriebswirtschaftliche Vorteilhaftigkeit kann schnell und verständlich dargestellt werden.“

Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, sieht ein Zusammengehen von Deka und Helaba als Ausgangspunkt für eine weitere Konsolidierung bei den Landesbanken. Ihm schwebt vor, dass letztlich nur noch eine einzige Sparkassen-Zentralbank übrig bleibt – und das möglichst ohne Beteiligung der Bundesländer. Allerdings wachsen in der Sparkassen-Finanzgruppe Zweifel daran, dass es zu einer Verschmelzung kommt. Zum einen gibt es Gegner einer Fusion, zum anderen bestehen etliche Hürden für einen Zusammenschluss.

Der Helaba-Chef warnt davor, die Entscheidung für oder gegen eine Fusion hinauszuzögern. „Eine längere Analyse der betriebswirtschaftlichen Eckdaten beider Häuser sowie eine umfangreiche Prüfung, ob man nicht auch über eine intensivere Kooperation zum Ziel kommt, halten wir auf dem Weg zum Zentralinstitut der Sparkassen für nicht zielführend.“