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Renten am Morgen: Reicht die EZB-Bazooka zur Beruhigung aus?

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Reicht die EZB-Bazooka zur Beruhigung aus?

(Bloomberg) -- Die deutlichen Kursverluste der Staatsanleihen aus dem Euroraum, die mit erheblichen Spreadausweitungen gegenüber Bundesanleihen einher gingen, haben die Europäischen Zentralbank dazu veranlasst, ein neues Ankaufprogramm für Anleihen über 750 Milliarden Euro aufzulegen. Es wird bis mindestens Ende 2020 laufen. Gleichzeitig signalisierte die Notenbank, dass bei Bedarf noch nachgelegt werden könne. Das Ende der Fahnenstange hinsichtlich Ankaufvolumina muss also noch nicht erreicht sein.

Neu an dem Programm ist die Einbeziehung der griechischen Staatsanleihen, deren Renditen sich seit Anfang März gut verfünffacht haben. Zudem können nun auch Geldmarktpapiere von Unternehmen außerhalb des Finanzsektors gekauft werden. Und die Anforderungen an die Sicherheiten werden gelockert. Außerdem wird über die Anpassung der Höhe der selbst auferlegten Ankaufgrenzen nachgedacht.

Am Mittwoch war bereits intensiv über den Einsatz des ESM als Rettungsanker sowie die Aktivierung von OMT für unbegrenzte Anleihekäufe von einzelnen Ländern diskutiert worden. Dass die Hilfen dann an keine oder nur minimale Bedingungen geknüpft sein sollten, stieß jedoch bei einigen Spitzenvertretern der europäischen Politik auf Widerstand. Außerdem müssen die Länderparlamente einer Aktivierung zustimmen - ohne Konditionalität kaum vorstellbar.

Eine ähnliche Skepsis dürfte es auch bei der Einführung von Eurolandbonds geben. Dementsprechend würde es lange dauern, bis entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet werden können. Zeit, die man aufgrund der Schwere der zu erwartenden Wirtschaftskrise nicht hat. Also ist die EZB wieder als Feuerwehr eingesprungen.

Es bleibt offen, ob die neuen Maßnahmen der EZB die Finanzmärkte dauerhaft beruhigen. Die europäischen Aktienmarkt-Futures bauten ihre Verluste ab und kämpften sich zuletzt knapp über die Nulllinie.

Die europäischen Staatsanleihen werden auf das neue Programm mit Kursgewinnen reagieren. Besonders deutlich werden sie in der Peripherie ausfallen, wahrscheinlich angeführt von griechischen Bonds. Vielleicht verbessert sich auch die Liquiditätssituation, so dass die Anleihen abseits von Bunds und vielleicht OATs wieder besser handelbar werden. Auch wenn Bunds und die Peripherie erst einmal underperformanen sollte, werden sie längerfristig durch eine Rückkehr zum Kapitalschlüssel der EZB sehr gut gestützt sein. Lower-for-longer und damit die Renditejagd könnte also weiter gehen.

Allerdings könnten die Investoren die Nachfrage der EZB nach Staatsanleihen auch dazu nutzen, um sich schnell zusätzliche Liquidität zu beschaffen, um sich einen Schutzschirm gegen weitere Abflüsse aufzubauen. Gerade mit Blick auf die Aktienmärkte, an denen letztlich auch die Bewegung der Credits hängt, ist das durchaus möglich. Sollten die Investoren eine weitere Verschlechterung der Kreditqualitäten antizipieren, dürften die Abflüssen bei Credit anhalten. Dann könnte ein Renditerückgang nur von kurzer Dauer sein.

Beunruhigen sollte die Anleger die Maßnahmen von Fed und Treasury, die Geldmarkfonds zu stützen und deren Liquidität sicherzustellen. Bereits am Mittwochnachmittag gab es dazu erste Informationen. In der Nacht wurden dann entsprechende Schritte angekündigt. Das wurde nach der Lehman-Pleite ebenso gemacht. Diese Maßnahme deutetn darauf hin, dass die US-Notenbank wohl erheblichen Stress im System befürchtet.

Immerhin ist die Richtung der Renditen der Staatsanleihen aus dem Euroraum am Donnerstagmorgen klar: Abwärts. Für die Treasuries ist die Situation nicht ganz so eindeutig, denn das Billion-Dollar-Stützungsprogramm lastet auf den Kursen. Schließlich muss es finanziert werden. Außerdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass die Entwicklung der Ölpreise ebenfalls Spuren hinterlassen kann. Mit Pedrodollars braucht das US-Treasury derzeit und wahrscheinlich auf absehbare Zeit nicht mehr zu rechnen.

Nicht zu vergessen, sind die von der Bank of Japan und der Reserve Bank of Australia eingeleiteten geldpolitischen Stützungsmaßnahmen. Beide Notenbanken wollen den Versuch unternehmen, die Zinskurve zu steuern. Die RBA ist dabei über ihren Schatten gesprungen und wird nun ebenfalls auf lang angelehnte QE-Maßnahmen setzen. Die Alarmstimmung bleibt.

Konjunkturdaten

Die Frage für die heutigen Konjunkturdaten aus dem Euroraum lautet: Wie stark ist das Ifo-Geschäftsklima abgestürzt und auf welche Höhe des Schrumpfens der deutschen Wirtschaftsleistung deutet das hin?

Nach dem äußerst schwach ausgefallenen ZEW-Indikator dürfte das Konjunkturbarometer der Ifo-Instituts ebenfalls kräftig an Boden verloren haben. Das dürfte die Investoren wahrscheinlich nicht ganz kalt lassen. Ob die Renditen nach eine sehr schwachen Wert den Rückwärtgang einlegen, ist jedoch keinesfalls gesichert. Ein schwacher Wert signalisiert, dass die Wirtschaft Unterstützung vom Staat benötigt. Und das muss ja irgendwie finanziert werden. Daher könnte die Renditen nach einem sehr schwachen Ifo auch steigen.

Neben der Zahl an Erstanträgen für Arbeitslosenunterstützung werden Daten zum Leistungsbilanzsaldo, der Index der Frühindikatoren und der Phily Fed Index. Die Bedeutung der Zahl der Erstanträge wird zunehmen.

Hier werden sich die Folgen der Ausweitung der Viruskrise in den USA nämlich relativ schnell zeigen. Jeder deutliche Anstieg der Zahl wäre ein Hinweis darauf, dass sich die Auswirkungen der Infektion in die US-Realwirtschaft hinein fressen und damit den privaten Verbrauch belasten werden.

Der Phily-Fed Indikator wird deutlich schwächer als im Februar erwartet. Negative Überraschungen sind bei dem Indikator jedoch - vergleichbar zum Empire Manufacturing - wahrscheinlich.

Die Renditen der Treasuries dürften kurz auf schwache Daten mit sinkenden Renditen reagieren. Das übergeordnete Thema - Ausdehnung der Verschuldung aufgrund des geplanten Konjunkturprogramm - wird jedoch weiterhin dominieren.

Primärmarkt

Weder die Aufstockung der 30-jährigen Bund noch die Aufstockung der bis 2024 laufende finnischen Anleihe waren sonderlich erfolgreich. Immerhin konnten die Anleger die 30-jährige Benchmark mit einer Rendite von 0,01% erhalten. Das reichte jedoch nicht zur Vermeidung der technischen Unterdeckung. Nach der Platzierung stieg die Rendite der Papiere weiter an. Das finnische Schatzamt erhielt insgesamt nur Gebote über 1,05 Milliarden Euro, obwohl das Land selten auftritt.

Die nächsten Herausforderungen warten am Donnerstag auf die Investoren. Dabei geht es weniger um die rund fünf Monate laufenden Geldmarktpapieren aus Irland, von denen 0,5 Milliarden Euro platziert werden sollen, sondern vielmehr um die Bonds aus Frankreich und Spanien.

Frankreich wird mit den Aufstockungen von drei Kuponbonds und zwei Linkern auf die Anleger zugehen. Die Kuponbonds haben kurze bis mittlere Laufzeiten von Ende März 2023, 2025 und Ende Oktober 2027. Das Schatzamt will bis zu 7,75 Milliarden Euro einwerben.

Mit den Linkern geht das Treasury mit Laufzeiten von 2028 und 2030 an das längere Ende der Kurve. Mit einem geplanten Volumen von bis zu 1 Milliarde Euro sind die Aufstockungen nicht sonderlich hoch. Insgesamt werden die Anlegern bis zu 8,75 Milliarden Euro an OAT und OATi angeboten. Nahe liegende Fälligkeiten gibt es nicht. Aufgrund der Spreadausweitung gegen Bunds über die vergangenen Tage dürften die OATs eine gewisse Attraktivität haben.

Die Aufnahme der OATs und OATis ist außerdem ein Lackmustest für die Reaktion der Investoren auf die Ausweitung der Kreditaufnahme des französischen Staates. Der Nachtragshaushalt sieht eine Ausdehnung der Kreditaufnahme von 15,1 Milliarden Euro vor. Davon sollen 5 Milliarden Euro mittel- bis langfristig refinanziert werden. Zusätzliche 17,5 Milliarden Euro sollen über den Geldmarkt eingeworben werden - die 17,5 Milliarden Euro entstehen durch Verschiebungen in der Refinazierungsstruktur.

Frankreich wird also vor allem den Weg über den Geldmarkt gehen. Das ist aus zweierlei Gründen nachvollziehbar. Zum einen ist die Refinanzierung dort sehr günstig. Und bisher hat sich der Geldmarkt bisher als aufnahmefähig gezeigt. Unterstellt man zum anderen eine zeitlich begrenzte Wirkung der Pandemie, so dass beispielsweise Steuerstundungen ebenfalls zeitlich begrenzt sind, entspricht die Nutzung des Geldmarktes einer fristenkongruenten Refinanzierung.

Das spanische Tesoror wird vier Aufstockungen in einem Umfang von bis zu 5 Milliarden Euro vornehmen. Das Tesoro will die gesamt Kurve bedienen. Anleihen mit Laufzeiten 2023, 2027, 2030 und 2033 sind im Angebot. Auf Unterstützung von Fälligkeiten kann die Platzierung nicht setzen.

Durch die Aufstockung des Volumens der Anleihekäufe durch die EZB dürfte es ausreichend Nachfrage nach den französischen und spanischen Bonds geben, so dass sie sich im Vergleich zu den Platzierungen am Mittwoch problemlos unter die Investoren bringen lassen dürften.

Am Abend wird das US-Treasuries insgesamt 120 Milliarden Dollar mit Geldmarktpapieren einwerben. Dazu kommt die Aufstockung der aktuellen 10-jährigen TIPS um 12 Milliarden Dollar. In Anbetracht der aktuellen Inflationserwartungen dürften die TIPS auf nicht allzuviel Gegenliebe bei den Investoren treffen. das Platzierungsvolumen ist jedoch überschaubar.

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