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Potenz-App auf Rezept: Deswegen zahlen Krankenkassen für die Behandlung von Erektionsstörungen

Die Gründer Thilo Kleinschmidt und Jens Nörtershäuser (v.l.n.r.) nehmen sich eines Problems an, über das niemand gern spricht.  - Copyright: Konstantin Stell/Kranus Health
Die Gründer Thilo Kleinschmidt und Jens Nörtershäuser (v.l.n.r.) nehmen sich eines Problems an, über das niemand gern spricht. - Copyright: Konstantin Stell/Kranus Health

Es gibt manche körperliche Probleme, über die Betroffene am liebsten gar nicht sprechen, sodass diese oftmals kaum oder gar nicht behandelt werden. Eines davon ist erektile Dysfunktion – oder anders: Erektionsstörungen.

Mit einer App muss man nicht reden, und genau deshalb erreicht das Münchner Startup Kranus Health auf diesem Wege eine Menge Männer, die sonst irgendwo in der Dunkelziffer geblieben wären und keine Hilfe gefunden hätten. Die vom Startup entwickelte App Kranus Edera soll ebendiese Erektionsprobleme behandeln. Sie biete, heißt es seitens des Unternehmens, einen ganzheitlichen Therapieansatz, bei dem Medikamente zur Potenzsteigerung, wie Viagra, eine Rolle spielen können, in dem aber sehr viel Gewicht auf Übungen für den Körper und die Psyche gelegt wird. Denn: Alle Probleme haben Ursachen. Und die gilt es zu beheben – nicht nur die Symptome.

Alle Krankenkassen übernehmen die Kosten

Kranus Edera ist die erste in Deutschland durch das Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassene digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) zur Behandlung von Erektionsstörungen und damit eine voll erstattungsfähige „App auf Rezept“. Sprich, alle gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die vollen Kosten für die Behandlung per App. Bisher hätten Betroffene in den meisten Fällen selbst für Viagra und andere Potenzpillen bezahlen müssen, so Kranus.

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Glaubt man dem Startup, ist der Markt für die Potenz-App riesig: In einer Mitteilung spricht das Unternehmen von etwa der Hälfte aller Männer über 50, für die das Tool interessant sein könnte. Und: Keine andere deutsche DiGa – in Deutschland sind insgesamt etwas mehr als 30 zugelassen – sei in den ersten fünf Monaten nach Launch öfter verschrieben worden als Kranus Edera. Investoren überzeugt das: In einer Series A fuhren die Münchner gerade 6,2 Millionen Euro ein, führend beteiligte sich der französische Health-Tech VC Karista. In vorausgegangenen Runden hatte sich nicht nur der High-Tech Gründerfonds, sondern auch der Foodora- und Kaia-Gründer Konstantin Mehl als Business Angel beteiligt.

Jens Nörtershäuser und Thilo Kleinschmidt, zwei ehemalige McKinsey-Berater, sowie Nikolay Dimolarov (vormals bei Celonis) als Chief Technology Officer haben Kranus Health 2020 unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Kurt Miller, einem ehemaligen Chefarzt der Urologie an der Berliner Charité, gegründet.

Erektionsstörung ist kein "Lifestyle-Problem"

Seine Motivation sei vor allem gewesen, so der Arzt in einer Mitteilung des Unternehmens, das Thema erektile Dysfunktion von seinem Stigma zu befreien. Das Nicht-darüber-Reden könne nämlich schwerwiegende Folgen haben, manchmal stünden hinter Potenzproblemen kardiologische Erkrankungen. Je früher behandelt wird, desto besser.

Die App hilft dabei mit verschiedenen, kurzen Ausdauer- und Beckenbodenübungen im Rahmen eines 12-Wochen-Programms. Weil die Ursache aber auch psychischer Natur sein kann und Potenzprobleme psychisch belasten, gibt es laut eigenen Aussagen zudem mentales Training und „sexualtherapeutische Übungen“, die „die eigene Sexualität stärken und dabei helfen, diese auszuleben.“ Im Gegensatz zu alternativen Anbietern wie das ebenfalls aus München stammende Startup Wellster oder Numan in Großbritannien, legt Kranus den Schwerpunkt auf diese Maßnahmen – und nicht auf Pillen wie Viagra, die begleitend genommen werden können oder auch nicht.