Deutsche Märkte geschlossen

Land Rover wird elektrischer, Jaguar setzt sogar ganz auf E-Antrieb

Fasse, Markus
·Lesedauer: 2 Min.

Das britische Traditionsunternehmen versucht in der Coronakrise den Neustart. Helfen soll auch die Zusammenarbeit mit einem deutschen Rivalen.

Elektrisch, digital – profitabel: Der britische Autokonzern Jaguar Land Rover (JLR) versucht, sich mit einem radikalen Kurswechsel aus der Krise zu befreien. Demnach will Vorstandschef Thierry Bolloré in den kommenden fünf Jahren sechs rein elektrische Geländewagen der Marke Land Rover auf den Markt bringen. Die Schwestermarke Jaguar soll ab 2025 nur noch Elektroautos bauen.

Zudem will das Unternehmen „kurzfristig“ eine zweistellige Umsatzrendite erzielen und einen positiven Cashflow erwirtschaften. Langfristig will der erst im September angetretene Bolloré die Tochter des indischen Tata-Konzerns zu einem der „profitabelsten Autohersteller“ der Welt machen.

Jaguar Land Rover hat, wie die gesamte Autoindustrie, in der Coronakrise massiv Absatz eingebüßt. Hinzu kommen für das britische Traditionsunternehmen die Unwägbarkeiten der Handelsbeziehungen nach dem Brexit sowie der Elektrifizierung.

In den ersten neun Monaten 2020 hatte JLR einen operativen Gewinn von 439 Millionen Euro eingefahren. 40 Millionen Euro Strafe drohen wegen Nichteinhaltung der EU-Klimaziele. Mutterkonzern Tata will einen Neuanfang: Ende September übergab der langjährige deutsche Vorstandschef Ralf Speth den CEO-Posten an den ehemaligen Renault-Chef Bolloré.

Der hat vom indischen Eigentümer einen klaren Sanierungsauftrag. „Schneller, konzentrierter und rigoroser“ solle das Unternehmen künftig agieren, kündigte Bolloré an. Nach dem bereits angekündigten Personalabbau von 4500 Beschäftigten soll nun auch das Produktportfolio zusammengestrichen werden.

Jaguar wird auf den Bau elektrischer Limousinen reduziert. Auch die Zulieferer werden drastisch ausgedünnt, künftig wird es nur noch eine technische Plattform für Jaguar und zwei für Land Rover geben.

Vorzug haben ab jetzt reine Elektroantriebe, perspektivisch auch Brennstoffzellen. Hinzu kommt die Digitalisierung der Prozesskette, die langfristig ebenfalls massive Einsparungen bringen soll. Bis 2025 will JLR jährlich rund 2,8 Milliarden Euro in die Transformation investieren.

Kooperation mit BMW

Das Geld soll aus dem eigenen Cashflow kommen. Ob Tata nachschießt, wenn die Mittel nicht reichen, blieb am Mittwoch offen. Bolloré setzt darauf, dass die Automärkte nach der Corona-Pandemie wieder wachsen und Luxusmarken wie Jaguar und Land Rover besonders profitieren.

Allerdings hat das Unternehmen in einigen Märkten Nachholbedarf. In China hat JLR zwar ein Werk, doch immer noch Rückstand auf die Hauptkonkurrenten Mercedes, BMW und Audi. In den USA hingegen fehlt den Briten ein Produktionsstandort – ein Nachteil gegenüber den Konkurrenten, die mit eigenen Werken Zollschranken umgehen können.

Ein Kernstück Bollorés Umbauplan sind Kooperationen. So soll die Zusammenarbeit mit Firmen aus dem Tata-Konglomerat verstärkt werden. Dazu zählt aber auch die Partnerschaft mit BMW.

Die Münchener bauen viermal so viele Autos wie JLR, sind aber im Vergleich zu Branchengrößen wie Toyota oder Volkswagen wiederum eher klein. Um sich Kosten zu teilen, entwickelt BMW seit 2019 mit JLR Verbrennungsmotoren und Elektroantriebe. Bolloré zeigte sich offen, die Kooperation auszuweiten.