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Kulturelle Unterschiede: 14 Dinge, die Deutsche als Expats in China beachten sollten

Zwei Touristen beim Himmelstempel in Peking. - Copyright: Getty/swissmediavision
Zwei Touristen beim Himmelstempel in Peking. - Copyright: Getty/swissmediavision

Bis zu 20.000 Deutsche leben als Expats in China – vor der Corona-Pandemie waren es sogar noch mehr. Und jetzt, da die Kommunistische Partei die strengen Einreise- und Quarantänebedingungen abgeschafft hat, werden nach dem kurzzeitigen Exodus sicher auch wieder mehr Ausländer zum Arbeiten nach China ziehen. Ihr überlegt, euch für einen Job in der Volksrepublik zu bewerben oder seid kurz davor, nach Peking, Shanghai oder Guangzhou zu ziehen? Unsere Autorin Viktoria Bräuner hat die letzten Jahre in China gelebt und gibt Alltagstipps, die euch helfen, dort schneller anzukommen.

1. Traut euch, in Garküchen zu essen

Dort, wo viele Menschen in einer Schlange stehen oder sitzen und essen, schmeckt es. So einfach ist das. Probiert es aus, geht in kleine Restaurants und Garküchen, auf Wochen- und Nachtmärkte. Glaubt mir: In den allermeisten Fällen ist köstlich.

In Garküchen gibt es meist das köstlichste Essen. - Copyright: picture alliance/Christoph Mohr
In Garküchen gibt es meist das köstlichste Essen. - Copyright: picture alliance/Christoph Mohr

2. Stäbchen gehören dazu

Natürlich gibt es in so gut wie jedem Restaurant auch eine Gabel und Löffel für die "Langnasen" – so nennen Chinesen Menschen aus dem Westen –, die nicht mit Stäbchen essen können. Aber: Man lernt es so schnell und es macht einfach viel mehr Spaß, wie alle anderen auch damit zu essen. Ihr findet online Tutorials, die euch erklären, wie es geht. Für mich kam der Durchbruch, als eine chinesische Freundin mir in der Mensa unserer Shanghaier Uni erklärte, dass der Daumen das untere Stäbchen festhalten muss. Mit ihm fixiert ihr es, damit es nicht wegrutscht, während das obere Stäbchen locker ist und wie ein Stift gehalten wird. Profis üben mit einer Schale Erdnüssen.

Mit Stäbchen zu essen, ist mit ein bisschen Übung leicht. - Copyright: picture alliance/Xinhua /Chen Xi
Mit Stäbchen zu essen, ist mit ein bisschen Übung leicht. - Copyright: picture alliance/Xinhua /Chen Xi

3. Vergesst privaten Datenschutz

Hier blutet vor allem den Deutschen das Herz: Handynummer, Passdaten, Kontoinformationen – alles auf dem Handy, verknüpft mit zahlreichen Apps? Der Albtraum vieler Datenschützer. Wollt ihr in China unbeschwert leben, ist das jedoch ein absolutes Muss. Wenn ihr wach seid, braucht ihr euer Handy – in so gut wie jeder Alltagssituation. Ihr braucht die Maps-Funktion, um euren Weg zu finden. Ihr könnt damit überall auch Kleinstbeträge bezahlen, bestellt Taxis (die Zeiten, in denen man schnell eines vom Bürgersteig aus heranwinken konnte, sind leider vorbei), benutzt Leihfahrräder und macht damit Online-Shopping (von einem Baguette vom Bäcker, über den kompletten Supermarkt-Einkauf bis hin zu Kleidung oder Möbel ...). Per Handy reserviert ihr Restaurants, nutzt eine der zahlreichen Übersetzungsapps, um euch zu verständigen oder Schriftzeichen lesen zu können, und kommuniziert mit euren Familienmitgliedern oder Freunden. Das alles geht vor allem über eine App, die App in China: WeChat. Das ist wie WhatsApp – nur mit zahlreichen Unterfunktionen, wie Lieferdiensten für Essen, Taxisuche usw..

4. Bargeld? Braucht ihr im Alltag fast nie

Nur die ganz alten Generationen benutzen noch Bargeld oder eine klassische EC-Karte. Wohnt ihr länger in China, braucht ihr ein chinesisches Konto, um dies mit WeChat und/oder der Bezahl-App Alipay zu verknüpfen. Sobald das klappt, ist euer Leben viel, viel leichter. Denn mit der Konto-Verknüpfung, könnt ihr per Handy Taxis rufen, Tickets für den Öffentlichen Personennahverkehr kaufen, Eintrittskarten für Museen, Schwimmbäder, Indoor-Spielplätze und so weiter besorgen.

Sogar auf dem Markt zahlen die meisten per WeChat oder Alipay – dafür wird mit dem Handy einfach der QR-Code des Händlers gescannt und der Betrag eingegeben. - Copyright: picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Mark Schiefelbein
Sogar auf dem Markt zahlen die meisten per WeChat oder Alipay – dafür wird mit dem Handy einfach der QR-Code des Händlers gescannt und der Betrag eingegeben. - Copyright: picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Mark Schiefelbein

Solltest du kein eigenes, chinesisches Konto eröffnen können, kann dir jemand, der ein chinesisches Konto hat, auch Geld auf dein WeChat- oder Alipay-Konto überweisen, mit dem du dann per App bezahlst. Aber Vorsicht, gerade bei Ausländern wird der WeChat-Account oft wegen angeblicher Verstöße gegen die Nutzungsrichtlinien plötzlich gesperrt. Normalerweise bekommst du ihn schnell wieder freigeschaltet, wenn du dich verifizierst. Aber sollte das nicht klappen und der Account gesperrt bleiben, ist dein Geld futsch.

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Für den Notfall sollte man natürlich trotzdem Kredit- und EC-Karte und Bargeld dabei haben. Das gilt vor allem in staatlichen Krankenhäusern, da man dort bei der Zahlungsstelle oft sofort bezahlen muss – und zwar bar.

5. In China heißt Uber "Didi"

Die Fortbewegungsapp Didi gehört zu den am meisten verwendeten Apps, wenn du dich in China nicht zu Fuß, per Auto, öffentlichem Nahverkehr oder eigenem Fahrrad bewegen willst. Eine Fahrt kostet je nach Distanz in etwa zwischen zwei und zehn Euro – im Vergleich zu deutschen Taxipreisen ist das wirklich unschlagbar.

Kleinwagen, Sammeltaxi, Van oder Luxuslimousine: Mit der App Didi, die auch bei WeChat hinterlegt ist, könnt ihr Taxis verschiedener Kategorien rufen. - Copyright: picture alliance/CFOTO
Kleinwagen, Sammeltaxi, Van oder Luxuslimousine: Mit der App Didi, die auch bei WeChat hinterlegt ist, könnt ihr Taxis verschiedener Kategorien rufen. - Copyright: picture alliance/CFOTO

6. Habt einen externen Akku für euer Handy dabei

Wie bereits erwähnt: Ohne euer Handy seid ihr (fast) nichts in China. Deshalb ist es extrem ungünstig, wenn euer Telefonakku urplötzlich schlapp macht. Am besten dann, wenn ihr zum Abendessen in einer neuen Gegend ward, einfach nur nach Hause fahren möchtet, aber keine Ahnung habt, wo genau ihr seid und wo die nächste U-Bahn-Station ist. In solchen Situationen ist es Gold wert, einen externen Akku dabei zu haben. Viele Restaurants und Cafés bieten auch Leih-Ladegeräte gegen eine kleine Gebühr an. Habt ihr ein eigenes Kabel dabei, könnt ihr auch immer den Didi-Fahrer fragen, ob ihr euer Handy kurz bei ihm aufladen könnt.

Solltet ihr nicht an Strom kommen, keine Panik. Eine Freundin fragte mich mal (als ich panisch war): "Wie hast du es 2005 gemacht, als du in China warst und kein Smartphone hattest? Du hast dich an die Straße gestellt und ein Taxi rangewunken. Das geht immer noch – es dauert nur länger als früher! Wenn du das jetzt machst, versteht jeder Taxifahrer, dass irgendwas mit deinem Handy ist, und hält an, um dir zu helfen." Wie Recht sie hatte! Aber: Oft sind die Taxis online gebucht worden. Es kann also dauern – wirklich lange –, bis ein freies Fahrzeug an dir vorbeifährt. Habt für solche Fälle auch eine Karte mit eurer Adresse in chinesischen Schriftzeichen dabei, damit der Fahrer weiß, wo er euch hinbringen soll. Und ja, auch wenn ihr schon ein bisschen Chinesisch gelernt habt. Eine gute Aussprache braucht aufgrund der vier Töne lange - und ihr wollt nicht das Risiko eingehen, entweder euer hart ergattertes Taxi wieder loszuwerden oder am falschen Ort herausgelassen zu werden.

7. Bestimmte Geräusche sind normal, gewöhnt euch dran!

Schmatzen, rülpsen, die Nase hochziehen – all das sind Dinge, die uns als Kinder abgewöhnt wurden und wir nun als sehr unhöflich empfinden. In China ist das anders: Für Chinesen ist es ein Graus, wenn sie Zeuge werden, wie wir lauthals niesen oder krachend in ein Papiertaschentuch schnäuzen.

Sich vor anderen laut in ein Taschentusch schnäuzen und das verrotzte Papier in die Hosentasche stecken – das findet meine chinesische Freundin besonders ekelig. - Copyright: picture alliance/Westend61/Tanya Yatsenko
Sich vor anderen laut in ein Taschentusch schnäuzen und das verrotzte Papier in die Hosentasche stecken – das findet meine chinesische Freundin besonders ekelig. - Copyright: picture alliance/Westend61/Tanya Yatsenko

Richtig ekelig finden sie das (und wenn man so darüber denkt, ist das irgendwie sogar verständlich, oder?)! Ruft euch das in Erinnerung, wenn ihr genervt seid, wenn jemand auf der Straße neben euch rotzt oder im Restaurant die Hühnerknochen blank gekaut auf den Tisch legt. Andere Länder, andere Sitten – sich darüber aufzuregen, macht nur schlechte Laune und sagt mehr über euch als über die, die aus eurer Sicht etwas Seltsames machen.

8. Zahlt kein Trinkgeld – es sei denn, es handelt sich um Lieferdienste

In Restaurants und Cafés ist es unüblich, Trinkgeld zu zahlen. Bei Lieferdiensten, vor allem für Lebensmittelbestellungen, ist es jedoch wichtig. Die Fahrer flitzen für euch durch die Stadt und bekommen dafür nur einen kleinen Lohn, sind bei Wind und Wetter, Hitze, Sandsturm, Eis und Kälte für euch im Einsatz. In der Bestell-App gibt es in der Regel die Möglichkeit, ein Trinkgeld zu geben und den Fahrer zu bewerten. Von dieser Bewertung hängt ab, ob er eventuell mehr Lohn bekommt. Wirklich schlimme Konsequenzen bis hin zur Entlassung haben schlechte Bewertungen. Die solltet ihr euch - wenn möglich - verkneifen. Denkt daran, dass in China Mitarbeiter arbeitsrechtlich nicht so geschützt sind wie bei uns.

Überall in den Großstädten zu sehen: Die Fahrer mit den gelben Helmen gehören zum Lieferdienst Meituan. - Copyright: picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Lin Weibin/ColorChinaPhoto
Überall in den Großstädten zu sehen: Die Fahrer mit den gelben Helmen gehören zum Lieferdienst Meituan. - Copyright: picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Lin Weibin/ColorChinaPhoto

9. Besorgt euch Luftreiniger

Im Vergleich zur Zeit vor sechs bis zehn Jahren gleicht die Luft in China inzwischen den Schweizer Alpen. Naja, fast. Trotzdem gibt es vor allem im Winter immer noch Tage, an denen die Luftverschmutzung so schlimm ist, dass ein dichter Nebel in den Städten hängt und man kaum etwas sehen kann.

Im Grauschleier gefangen: Das ist besonders im Winter in vielen chinesischen Städten ein Problem. - Copyright: picture alliance/CFOTO
Im Grauschleier gefangen: Das ist besonders im Winter in vielen chinesischen Städten ein Problem. - Copyright: picture alliance/CFOTO

Da die meisten Häuser nicht besonders gut abgedichtet sind und beim Lüften – man muss es ja leider trotzdem machen – die schlechte Luft in die Wohnung kommt, bieten sich Luftreiniger an. Diese kann man günstig von chinesischen Herstellern vor Ort kaufen. Die App der US-Botschaft misst in Peking, aber auch dort, wo Konsulate sind, die Luftwerte - darauf lohnt sich ab und zu ein Blick. Profis haben auch ein kleines Messgerät zu Hause, um dort die Verschmutzung zu beobachten und gegebenenfalls die Reiniger anzuschalten.

10. Corona ist zu Ende, Masken braucht ihr im Winter trotzdem

Stichwort: Luftverschmutzung. Ist diese besonders stark, bietet es sich an, auch draußen eine Maske zu tragen – idealerweise mit FFP2-Standard. Denkt an eure Gesundheit.

11. Reist durchs Land, aber checkt die medizinische Versorgungslage

Nichts ist schöner und aufregender als jenseits der Millionenstädte das Land zu entdecken. Trotzdem lohnt es sich immer für den Notfall zu wissen, wie vor Ort die medizinische Versorgung ist und wo ihr das nächste Krankenhaus finden könnt.

Yangshuo in Guangxi zählt zu den schönsten Reisezielen Chinas. - Copyright: picture alliance/CFOTO
Yangshuo in Guangxi zählt zu den schönsten Reisezielen Chinas. - Copyright: picture alliance/CFOTO

12. Registriert euch bei ELEFAND

Deutsche Staatsbürger sollten sich, wenn sie ins Ausland reisen oder dorthin ziehen, idealerweise auf der Krisevorsorgeliste ELEFAND registrieren. Dann weiß die Deutsche Botschaft in China, wer sich gerade im Land befindet und gegebenenfalls evakuiert werden müsste, sollte etwas Unvorhergesehenes geschehen. Natürlich ist diese Angabe freiwillig. Außerdem solltet ihr auch die Telefonnummer der Notfall-Hotline der Deutschen Botschaft in eurem Handy gespeichert haben.

13. Vergesst nicht, wo ihr seid

China ist eine kommunistische Diktatur ohne jegliche Rechtssicherheit. Das Justizsystem ist politisiert und wird von der Kommunistischen Partei kontrolliert. Die Gefahr, abgehört zu werden, besteht ebenfalls. Im Alltag werdet ihr in der Regel davon selten etwas zu spüren bekommen und vor allem das Land, seine großartigen, gastfreundlichen Menschen und die spannende Kultur genießen – aber das heißt nicht, dass bestimmte, unschöne Dinge nicht trotzdem geschehen. Außerdem sollte euch bewusst sein, dass Chinas Medien nicht unabhängig, sondern von der Propaganda-Abteilung der KP gesteuert werden. Auch "private" Outlets werden zensiert beziehungsweise zensieren sich selbst nach den Vorgaben der KP. So liest man in der Volksrepublik allein das russische Narrativ zum Ukraine-Krieg, das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens wird verschwiegen und die Internet-Zensur rund um den Jahrestag 4. Juni 1989 noch einmal massiv hochgefahren. Kritik an der Führung gibt es praktisch nicht im öffentlichen Diskurs, geschweige denn eine Diskussion oder gar Proteste gegen die Menschenrechtsverletzungen in Tibet und Xinjiang.

Der Platz des Himmlischen Friedens wird streng überwacht – Besucher können ihn nur nach mehreren Sicherheitschecks betreten. Jede Form von Demonstrationen und Erinnerungen an das Massaker an den Studierenden vom 4. Juni 1989 sind untersagt, werden sofort unterbunden.. - Copyright: picture alliance/ASSOCIATED Ppicture alliance / ASSOCIATED PRESS/Ichiro Ohara

14. Lernt Chinesisch, zumindest ein bisschen

Chinesisch ist schwierig, schwieriger als die meisten anderen Sprachen. Das liegt zum einen an den Schriftzeichen, zum anderen an den vier Tönen für die einzelnen Wortsilben. Trotzdem lohnt es sich, diese wunderbare Sprache zu lernen. Das Leben macht einfach viel mehr Spaß, wenn ihr euch plötzlich mit eurem Obsthändler um die Ecke, dem Didi-Fahrer im Stau oder euren chinesischen Freunden zumindest ein bisschen in ihrer Muttersprache unterhalten könnt.