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Fisker wollte den E-Auto-Markt revolutionieren, jetzt ist es pleite: Insider über den Niedergang des Tesla-Konkurrenten

Henrik Fisker und Geeta Gupta-Fisker haben Fisker laut ehemaligen Mitarbeitern an den Rand des Bankrotts geführt. - Copyright: Araya Doheny/Patrick Fallon/Getty Images; Jenny Chang-Rodriguez/BI
Henrik Fisker und Geeta Gupta-Fisker haben Fisker laut ehemaligen Mitarbeitern an den Rand des Bankrotts geführt. - Copyright: Araya Doheny/Patrick Fallon/Getty Images; Jenny Chang-Rodriguez/BI

Die Belegschaft von Fisker befand sich im Chaos, als sie sich auf die erste Auslieferung von Elektroautos an US-Kunden vorbereitete. Vier Jahre waren vergangen, seit der berühmte Automobildesigner Henrik Fisker seinen Tesla-Konkurrenten – einen Geländewagen namens Ocean – vorstellte. Aber: Das Fahrzeug war immer noch nicht fertig.

In den Wochen vor der großen Veranstaltung im Juni 2023 waren die Mitarbeiter von Fisker in Eile. Sie waren damit beschäftigt, fehlerhafte Teile an mindestens vier der 22 auszuliefernden Elektroautos zu reparieren. Laut elf mit dem Vorfall vertrauten Quellen wurden sogar Teile aus den Privatwagen des CEO und des CFO entfernt, um die Fahrzeuge zu reparieren, darunter Türgriffe und Sitzsensoren.

Zwei Tage später schaltete sich der Ocean SUV von Fisker-Vorstandsmitglied Wendy Gruel, der bei der Veranstaltung ausgeliefert worden waren, auf einer öffentlichen Straße bei voller Fahrt aus, so fünf Quellen. Später sei Geeta Gupta-Fisker, Henriks Ehefrau und die Finanzchefin des Unternehmens, das gleiche passiert.

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Ein Sprecher von Fisker bestritt, dass Arbeiter Teile aus Vorserienfahrzeugen für Kundenfahrzeuge verwendet hätten. Außerdem sagte er, Gruels Auto sei nicht auf einer öffentlichen Straße stehen geblieben. Das Unternehmen erklärte, dass Gupta-Fiskers Fahrzeug eine Fehlfunktion hatte, die jedoch behoben wurde. Wie "TechCrunch" bezüglich des Vorfalls mit Gruels Auto berichtete, habe das Unternehmen den Vorfall bestätigt und das Problem behoben.

Das Problem hatte zwar nichts mit Fiskers Teiletausch zu tun, aber eines war klar: Kaum waren die Elektroautos auf der Straße, schon häuften sich die Probleme.

Henrik Fiskers Elektroauto-Startup schien anfangs leicht zu verkaufen zu sein. Der 60-jährige Automobilveteran kann auf eine lange Geschichte in der Branche zurückblicken. Er ist bekannt als Designer des Aston Martin V8, des BMW Z8 Roadsters aus dem James Bond-Film von 1999. Zudem war er am Design des Tesla Model S beteiligt.

Bei Fisker handelte es sich um Henriks zweites Automobil-Startup handelte, nachdem sein erstes Unternehmen 2013 in Konkurs ging. Trotzdem sagten einige Mitarbeiter zu BI, dass sie keine Sorge hatten, dass sein zweites Unternehmen das gleiche Schicksal erleiden könnte.

Henrik seinerseits sagte dem "Wallstreet Journal", dass er dieses Mal anders vorgehen wolle. Er würde dem Modell von Apple folgen, indem er die Produktion über Magna International auslagert. Auch wollte er die Mitte des Marktes mit einer erschwinglicheren EV-Option ansprechen, die mit Teslas meistverkauftem Model Y konkurrieren könnte. Fisker Inc. wurde 2016 gegründet und ging 2020 über eine von Apollo Global Management unterstützte SPAC an die Börse. Zu einem Zeitpunkt stieg der Marktwert des Unternehmens auf bis zu acht Milliarden US-Dollar (etwa 7,5 Milliarden Euro).

Zu dieser Zeit war Fisker eines von mehreren EV-Startups, die auf den Plan traten. Rivian, Lucid und Lordstown – alle wollten es mit Tesla aufnehmen. Seitdem haben der Gegenwind in der Produktion und auf dem Markt dazu geführt, dass einige Elektroauto-Startups schließen mussten. Auch große Unternehmen wie Ford und GM haben ihre Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität zurückgefahren. Sogar Tesla hatte zu kämpfen, verzeichnete Umsatzrückgänge und Entlassungen.

"Ich war anfangs hoffnungsvoll", sagte ein ehemaliger Vizepräsident, der bei beiden Fisker-Startups gearbeitet hat. "Zuerst schien es zumindest so, als ob er aus seinen Fehlern gelernt hätte. Später wurde klar, dass sie es nicht getan hatten." Ein Sprecher von Fisker erklärte hingegen, es wäre "unfair", die beiden Unternehmen zu vergleichen.

Am Montag gab Fisker bekannt, dass es nach monatelangem Kampf um sein Überleben Insolvenz nach Chapter 11 beantragt hat. Das Unternehmen begründete dies mit "verschiedenen Markt- und makroökonomischen Gegenwinden".

Anmerkung der Redaktion: Im US-Insolvenzrecht unterscheidet man zwischen zwei Verfahren. Während Chapter 7 auf die Abwicklung eines Unternehmens abzielt, ist Chapter 11 auf die Reorganisation ausgerichtet.

Business Insider (BI) hat mit mehr als zwei Dutzend aktuellen und ehemaligen Fisker-Mitarbeitern gesprochen, die seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2016 bis heute für das Startup gearbeitet haben. Die Mitarbeiter, deren Identität BI bekannt ist, baten um Anonymität. Denn sie waren nicht befugt, sich im Namen von Fisker zu äußern und berufliche Repressalien befürchteten.

Ein Ehepaar, das sich nach Ansicht der Arbeiter in ein Schlamassel manövriert hat

Viele der Probleme von Fisker lassen sich auf das Ehepaar zurückführen, das die Marke ins Leben gerufen hat. Das sagten mehrere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter zu BI. Sie beschrieben ein desorganisiertes Umfeld, in dem unqualifizierte Personen mit der Leitung wichtiger Programme betraut und grundlegende Automobilstandards ignoriert wurden.

Während Henrik oft als Aushängeschild diente, war Gupta-Fisker stark in alltägliche Entscheidungen involviert, auch im technischen Bereich, so 11 Mitarbeiter. Bevor sie die Rolle des CFO und COO bei Fisker übernahm, war Gupta-Fisker als Investmentmanagerin für das Fisker Family Office und als Beraterin bei einer gemeinnützigen Organisation tätig. Sie hatte zuvor keine Erfahrung in der Automobilindustrie. Aber bei Fisker, so die Mitarbeiter, verwaltete sie die Geschäfte mit Magna und externen Teilelieferanten, nahm häufig an Besprechungen der Ingenieure teil. Sie wirkte bei allem mit, vom Teilekauf bis zu Softwareentscheidungen.

Ein Sprecher von Magna lehnte eine Stellungnahme zu Fisker ab. Ein Sprecher von Fisker dementierte Kommentare, wonach Henrik eine eher passive Rolle eingenommen habe, und sagte, er sei "stark involviert".

Henrik Fisker stellt den Fisker Karma vor. Das Auto, das er im Rahmen seines ersten – mittlerweile nicht mehr existierendem – Automobilunternehmens produzierte. - Copyright: Reuters/Phil McCarten
Henrik Fisker stellt den Fisker Karma vor. Das Auto, das er im Rahmen seines ersten – mittlerweile nicht mehr existierendem – Automobilunternehmens produzierte. - Copyright: Reuters/Phil McCarten

Die 49-jährige Gupta-Fisker wurde im Unternehmen schnell für ihre scharfsinnigen Fähigkeiten zur Kostenreduzierung bekannt. Ihre Strategie führte jedoch dazu, dass Fisker manchmal Komponenten verwendete, die nicht den richtigen Spezifikationen für den Ocean entsprachen, so fünf Mitarbeiter. Gupta-Fisker habe mehrmals die Entscheidung getroffen, billigere Teile gegen den Rat der Fisker- und Magana-Führungskräfte zu verwenden. Die Unstimmigkeiten führten zu Problemen mit Over-the-Air-Updates, sagten die fünf Arbeiter.

Das Unternehmen gab an, dass Magna den Großteil der Teilebeschaffung überwachte und ein "erheblicher" Teil der Teile von Magna und seinen Zulieferern stammte. In Gesprächen mit BI gaben die Mitarbeiter den Bemühungen um Kostensenkungen die Schuld an vielen Fehlern des Ocean.

Mehrere Mitarbeiter sagten, dass sie in den Monaten vor der Markteinführung des Fahrzeugs interne Berichte einreichten. Darin empfahlen sie, das Produkt vor der Markteinführung weiteren Tests und Entwicklungen zu unterziehen. Dabei sei ihnen gesagt worden, dass das Unternehmen plane, trotzdem weiterzumachen.

"Das Hauptaugenmerk lag darauf, das Auto so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen", sagte ein ehemaliger Mitarbeiter. "Man war der Meinung, dass wir die Dinge später mit Updates in Ordnung bringen könnten". Ein Sprecher von Fisker sagte, dass Magna für die Tests und die Freigabe des Ocean verantwortlich sei. Demnach haben Aufsichtsbehörden in den USA und Europa das Auto vollständig zertifiziert. Das Unternehmen versendet seit 2023 Over-the-Air-Updates, so das Unternehmen.

Vor der Markteinführung waren den Fisker-Ingenieuren mehrere Probleme mit dem Fahrzeug bekannt. Das geht aus Gesprächen mit Mitarbeiter sowie internen Dokumente hervor, die BI einsehen konnte. Die Ingenieure hatten Probleme mit der Funktion der Türgriffe, der Schlüsselanhänger und der Sitzsensoren des Fahrzeugs festgestellt.

Im vergangenen Jahr hat die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) vier Untersuchungen zu Fiskers Geländewagen eingeleitet. Dazu zählten auch Probleme mit unbeabsichtigtem Bremsen und Fehler im Türverriegelungssystem des Fahrzeugs. Das Unternehmen erklärte, es kooperiere mit der NHTSA.

Fisker sieht sich außerdem mit Dutzenden von Klagen auf Rückgabe des Fahrzeugs konfrontiert. Letzte Woche hat Fisker einen Rückruf wegen eines Softwareproblems herausgegeben, das bei einigen seiner Fahrzeuge zu einem plötzlichen Leistungsverlust geführt haben soll.

Kürzere Wege führten zu immer größeren Problemen

In seiner Eile, das Auto auf den Markt zu bringen, hat Fisker es versäumt, ein effektives System für die Bearbeitung von Reparaturaufträgen und Garantieansprüchen einzurichten. Das berichteten sieben aktuelle und ehemalige Mitarbeiter. Die Techniker waren mit dem Ausfüllen der Arbeitsaufträge betraut. Viele von ihnen sagten, sie seien nicht in diesem Prozess geschult worden.

In Ermangelung eines funktionierenden Garantiesystems begannen einige Mitarbeiter, die Reparaturen ohne die korrekten Codes des California Bureau of Automotive Repair und die EPA-Lizenznummern zu bearbeiten. Stattdessen verwendeten sie "123456" als Platzhalter für eine Reihe von Reparaturen verwendeten, wie aus einem internen Dokument hervorgeht. Im März warnte ein Vizepräsident von Fisker, dass das Problem dazu führte, dass das Unternehmen die NHTSA-Protokolle nicht einhielt und nicht in der Lage war, Sicherheitsbedenken ordnungsgemäß zu verfolgen und zu melden.

Ein Fisker-Sprecher erklärte, dass es sich um einen internen Fehler handelte. Es hätten nur Entwürfe von Arbeitsaufträgen in einem frühen Stadium des Serviceprozesses vorgelegen, die man sofort korrigiert habe.

Der Fisker Ocean kam im Juni 2023 auf die US-Straßen.  - Copyright: Fisker
Der Fisker Ocean kam im Juni 2023 auf die US-Straßen. - Copyright: Fisker

Ohne ein ordnungsgemäßes System zur Bearbeitung von Garantien oder Reparaturaufträgen blieb ein Großteil der Reparaturen unbemerkt, so sieben aktuelle und ehemalige Mitarbeiter. Das bedeutete, dass es für Fisker keine angemessene Möglichkeit gab, für die eigenen Finanzunterlagen nachzuvollziehen, welche Teile für Reparaturen Verwendung gefunden haben. Deshalb erhielten viele Kunden keine Aufzeichnungen über ihre Reparaturen, so die Mitarbeiter.

In der Zwischenzeit hatte Fisker auch Schwierigkeiten, die notwendigen Teile für alle Reparaturen zu finden. Das Unternehmen hatte keine großen Lagerbestände für Ersatzteile angelegt. Aus diesem Grund kamen einige der Teile, die für Kundenreparaturen verwendet wurden, entweder direkt vom Fließband kamen, also waren für Produktionsfahrzeuge bestimmt, oder die Teile wurden aus Vorserien- und Produktionsfahrzeugen entnommen. Das sagten elf Beschäftigte, die mit dem Problem vertraut waren.

In einem Fall habe Fisker Teile aus einem technischen Versuchsfahrzeug, das von Magnas Werk in Graz, Österreich, unter einer Importgarantie verschickt worden war, verwendet. Das sagten drei ehemalige Mitarbeiter und wird von einer von BI eingesehenen E-Mails belegt. Das Fahrzeug sollte kurz nach seiner Auslieferung vollständig zerstört werden, um die Einfuhrbedingungen zu erfüllen. Nach Angaben der NHTSA ist dies in der Regel innerhalb eines Jahres der Fall, aber die Frist kann in Einjahresschritten auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Die Teile des Fahrzeugs waren nicht für die Verwendung in Kundenfahrzeugen bestimmt.

Das Unternehmen bestritt, dass Testfahrzeuge für Teile verwendet wurden. Es erklärte, dass man alle zu Testzwecken importierten Fahrzeuge unter Aufsicht der NHTSA innerhalb der vorgeschriebenen Frist vernichtet habe. Der Sprecher bestritt auch, dass Fisker einen Mangel an Ersatzteilen hatte: "Die Service-Abteilung hat ihre eigenen Prognosen für Teile gemacht, basierend auf ihrer Branchenkenntnis. Die Einkaufsabteilung hat diese Anfragen unterstützt."

Die Mitarbeiter von Fisker suchten auch nach cleveren Wegen, um den Mangel an Teilen zu beheben. In einigen Fällen wurden Arbeiter, die Österreich besuchten, angewiesen, Teile in ihren Koffern mitzubringen, um Einfuhrgebühren zu vermeiden, so sieben Arbeiter. Ein Arbeiter erinnerte sich daran, dass er persönliche Gegenstände zurücklassen musste, um Lüftungsschlitze und Schlüsselanhänger in sein Gepäck zu packen. Ein anderer sagte, er habe eine größere Tasche gepackt, um Verkleidungsteile unterzubringen. Fisker lehnte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab.

Verkaufsschlacht inmitten negativer Kritiken und schwindender Nachfrage

Fisker war anfangs erfolgreich darin, Interesse für den Ocean zu wecken. Es kamen über 65.000 Reservierungen zustande. In dem Jahr nach der Markteinführung des Ocean hat das Unternehmen jedoch nur etwa 7000 Fahrzeuge geliefert, so ein Sprecher. Negative Kritiken belasteten die Marke und brachten Tausende von potenziellen Kunden dazu, ihre Reservierungen zu stornieren. Unter anderem bezeichnete der YouTuber MKBHD den Ocean als die "schlechtesten Service, die ich je erlebt habe".

Im November stellte Fisker Personalvermittler ein, die beim Verkauf des Fahrzeugs helfen und die Auslieferung des Fahrzeugs nach dem Verkauf organisieren sollten, so sechs ehemalige Mitarbeiter. In vielen Fällen hatten die Personalvermittler, die ursprünglich in das Personalteam aufgenommen worden waren, aber keinerlei Erfahrung im Automobilverkauf.

Ein Fisker-Sprecher sagte, dass die Rekrutierungsmitarbeiter zwar in den Vertrieb wechselten, aber nach Angaben des Unternehmens gebeten wurden, zu bleiben, weil sie in ihrer neuen Rolle erfolgreich waren.

Marques Brownlee hat den Fisker Ocean getestet und ihn als "das schlechteste Auto, das ich je getestet habe" bezeichnet. - Copyright: YouTube
Marques Brownlee hat den Fisker Ocean getestet und ihn als "das schlechteste Auto, das ich je getestet habe" bezeichnet. - Copyright: YouTube

Es war auch nicht einfach, das Auto zu verkaufen. Die Anwerber standen in direktem Wettbewerb mit dem etablierten Verkaufsteam des Unternehmens. Außerdem gab es nicht genug Leads für alle. Vier ehemalige Mitarbeiter sagten, dass die Reservierungsnummern von Fisker viele doppelte Namen enthielten. Deshalb sei es schwierig gewesen, nachzuvollziehen, welche Kunden mit einem Vertriebsmitarbeiter in Kontakt getreten waren. Infolgedessen bekamen einige Personen auf der Reservierungsliste mehrere Anrufe pro Tag von verschiedenen Fisker-Vertretern.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt habe man die Vertriebsmitarbeiter angewiesen, Kunden, die ihre Bestellung storniert hatten, mit Anrufen zu überhäufen. Wie drei ehemalige Mitarbeiter berichteten, sollten sie so dazu bewegt werden, ihre Entscheidung rückgängig zu machen.

Fisker begann auch, Pop-up-Events zu veranstalten, um den Verkauf anzukurbeln, einschließlich Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Fan-Blog Fiskerati. Die Veranstaltungen reichten von Treffen auf Panera-Parkplätzen bis hin zu groß angelegten Probefahrtveranstaltungen. In mindestens einem Fall wurde die Veranstaltung abgebrochen, nachdem Fisker die Genehmigung des Eigentümers des Veranstaltungsortes nicht erhalten hatte, so zwei ehemalige Mitarbeiter. Drei Ex-Mitarbeiter berichteten, dass bei den Veranstaltungen auch Warteschlangen von Fisker-Besitzern auftauchten, die Reparaturen benötigten. Fisker erklärte BI, dass es sich bei der Veranstaltung bei Panera nicht um eine Firmenveranstaltung gehandelt habe.

"Manchmal war es schwer, die Autos zu verkaufen, wenn man mit jemandem eine Probefahrt machte und alle möglichen Fehlermeldungen auftauchten", erzählte ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Vertrieb. "Mit der Zeit, als die Zeiten stürmischer wurden, wurden wir den Kunden gegenüber noch ehrlicher, was das Risiko anging", fügten sie hinzu.

Fisker sagte, man sei sich der ADAS-Probleme bewusst gewesen, aber konnte sie mit einem Update beheben. In der Zwischenzeit haben einige Kunden, die ihre Bestellungen storniert und nie für das Auto bezahlt hatten, das Fahrzeug irrtümlich trotzdem erhalten, so vier ehemalige Mitarbeiter. Der ehemalige Fisker Ocean-Besitzer Kurt Mechling sagte zu BI, er habe das Fahrzeug erhalten, bevor er die Bestellung abgesegnet oder seine Zahlung erfolgreich abgewickelt hatte.

Im März berichtete "TechCrunch", dass Fisker über mehrere Monate hinweg vorübergehend den Überblick über Kundenzahlungen in Millionenhöhe verloren hat". Vier Mitarbeiter, die mit der Angelegenheit vertraut waren, bestätigten gegenüber BI, dass es zu dem Vorfall mit den verlegten Zahlungen kam.

Als der Automobilhersteller im Dezember ein internes Audit zu diesem Thema durchführte, begannen die Mitarbeiter, die fehlenden Zahlungen zu finden. Auch brachten sie laut Mitarbeitern einige der irrtümlich gelieferten Fahrzeuge zurück. Die obere Führungsebene habe einige Mitarbeiter dazu ermutigt, den Kunden zu drohen. Sie sollten ihnen sagten, sie würden sie auf eine Rücknahme-Liste setzen, was sich auf ihre Kreditwürdigkeit auswirken könnte.

Ein Sprecher von Fisker sagte, das Unternehmen habe einen "organisierten Prozess", um Probleme mit nicht bezahlten Fahrzeugen anzugehen, der den Branchenstandards entspreche.

Erneut Konkursantrag gestellt

Fisker stand schon seit Monaten vor der Möglichkeit eines Konkurses. Im März hatte Fisker gewarnt, dass das Unternehmen innerhalb eines Jahres in Konkurs gehen könnte. Die Aktie wurde im April von der New Yorker Börse genommen, nachdem sie auf 9 Cents pro Aktie gefallen war. Fisker warnte die Mitarbeiter in einem im April eingereichten Bericht, dass Entlassungen bevorstehen könnten, wenn das Unternehmen keinen Käufer oder zusätzlichen Investor finden würde. Das Unternehmen setzte einen Chief Restructuring Officer ein, dem es im Rahmen einer Vereinbarung mit einem seiner Investoren die alleinige Befugnis" über einige finanzielle Angelegenheiten, einschließlich eines möglichen Verkaufs, übertrug.

Fisker senkte außerdem die Preise für einige Versionen des Fahrzeugs um bis zu 24.000 Dollar (etwa 22.350 Euro) und führte eine Reihe von Entlassungen durch, die das Unternehmen bis auf die Knochen ausdünnten. Zwei mit der Angelegenheit vertrauten Quellen zufolge bestand die Belegschaft von Fisker vor der Konkursanmeldung aus weniger als 100 Personen. Die verbleibenden Mitarbeiter waren an den letzten Bemühungen beteiligt, die verbleibenden Bestände des Unternehmens abzusetzen, so die Personen.

Eine Woche vor der Insolvenzanmeldung bestritt Fisker, weniger als 100 Beschäftigte zu haben. Der Unternehmen sagte zu BI, dass es weiterhin Fahrzeuge in den USA und in Europa verkaufe. Das Unternehmen lehnte es ab, die Zahl der verbliebenen Mitarbeiter zu nennen. In seinem Insolvenzantrag nach Chapter 11 erklärte Fisker, dass die Produktionspause bestehen bleibe. Trotzdem wolle das Unternehmen aber die "üblichen Anträge" beim Konkursgericht einreichen, um sicherzustellen, dass es die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter und seiner Lieferanten weiter zahlen kann.

In den letzten Monaten haben die Beschäftigten ihre Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck gebracht, dass Henrik und Gupta-Fisker ihrer Meinung nach nicht in der Lage sind, für ihr Handeln Verantwortung zu übernehmen. Ein Sprecher von Fisker wies die Kommentare zurück, die Henriks geschäftliche Fähigkeiten in Frage gestellt haben. Für Henrik, dessen früheres Unternehmen, Fisker Automotive, im Jahr 2013 Konkurs anmeldete, erinnert seine gegenwärtige Lage an die Vergangenheit.

"Ich denke, es ist eine Geschichte des Egos. Er wollte ein Auto bauen und ihm seinen Namen aufdrücken. Henrik ist ein großartiger Designer, aber darüber hinaus hat er keinen Geschäftssinn", so eine Person, die mit Henrik in mehreren Unternehmen zusammengearbeitet hat, darunter auch sein erstes Automobil-Startup. "Die Lektionen, die er aus dem ersten Startup hätte lernen sollen, wurden nie umgesetzt, und er hat wieder einmal ein Auto auf den Markt geworfen."

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