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Hapag-Lloyd hofft auf baldige Entspannung in der Container-Schifffahrt

Reuters
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Die Reedereien erleben wegen der Corona-Pandemie einen beispiellosen Boom. Trotz Milliardengewinn hofft Hapag-Lloyd auf ruhigere Zeiten.

Nach den zuletzt beispiellosen Staus vor Häfen weltweit setzt Deutschlands größte Container-Reederei Hapag-Lloyd auf Entspannung in den kommenden Monaten. „Die Dinge werden sich hoffentlich im Verlauf des zweiten Quartals oder zu Beginn des dritten Quartals normalisieren“, sagte Konzernchef Rolf Habben Jansen am Donnerstagabend bei einem Online-Pressegespräch.

Dann könnte die rasant gestiegene Nachfrage von Verbrauchern im Lockdown nach Möbeln, Fitnessgeräten und IT-Ausrüstung nachlassen, so Habben Jansen. Durch den Boom brummt bei Hapag-Lloyd zwar derzeit das Geschäft. Engpässe rund um Terminals, beim Weitertransport über Straße und Schiene sowie eine Container-Knappheit erschweren aber die Prognose für 2021.

Auch ein Mangel an Arbeitskräften trage dazu bei, dass die Branche mit großen Unsicherheiten zu kämpfen habe, erklärte Habben Jansen. Das Personal fehle wegen Lockdown-Maßnahmen, Erkrankungen und Quarantäne. Auch steckten in der Pandemie ganze Crews fest.

An den Häfen gebe es mitunter extreme Staus, führte das Unternehmen aus und verwies auf die Lage im Süden Kaliforniens. So habe der bei Los Angeles gelegene Hafen Long Beach Platz für 25 Schiffe, die dort im Schnitt vier oder fünf Tage festmachten. Seit Oktober hätten aber mehr Schiffe an der Küste in Warteposition geankert als im Hafen gelegen.

Auch in Los Angeles gibt es derzeit so lange Staus wie noch nie. Zuletzt leitete Hapag-Lloyd wie auch der französische Konzern CMA CGM Schiffe an andere Häfen an der US-Westküste um. Für solche Maßnahmen würden auch höhere Kosten in Kauf genommen, erklärte das Hamburger Traditionsunternehmen. Bei Hapag-Lloyd seien alle Schiffe im Einsatz und voll. Die Branche habe auch damit zu kämpfen, dass Container nach der Auslieferung ins Inland nicht so schnell wie sonst zurücktransportiert würden.

Die hohe Nachfrage ließ in der Container-Schifffahrt Frachtraten und Gewinne steigen. So erhöhte sich bei der weltgrößten Container-Reederei Maersk im vierten Quartal 2020 das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) um 85 Prozent auf 2,71 Milliarden Dollar (rund 2,23 Milliarden Euro). Die Dänen rechnen auch im ersten Quartal sowie im Gesamtjahr mit höheren Gewinnen.

Hapag-Lloyd, weltweit die Nummer fünf, stellte für das erste Vierteljahr in Aussicht, dass sich das Ebitda im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf mindestens 1,5 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. 2021 soll das Ebitda deutlich über dem Vorjahreswert von rund 2,7 Milliarden Euro liegen. Hapag-Lloyd hatte am Dienstag einen Ausblick auf das Geschäftsjahr gegeben, sieht die Prognose allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet.