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"Wir haben eine Zeit durchgemacht, in der die Menschen um ihr Leben kämpften" — so erlebte die türkische Zulieferer-Branche die Pandemie

·Lesedauer: 4 Min.

Der türkische Zulieferer-Markt ist wichtig für die deutschen Autobauer. Doch auch dieser leidet unter der Pandemie: weniger Aufträge auf der einen Seite, Mangel an wichtigen Teilen auf der anderen. Business Insider sprach in Bursa, der türkischen Hauptstadt der Automobilität, mit Albert Saydam, Präsident des Verbands der Automobilzulieferer der Türkei (TAYSAD), über die aktuelle Lage.

Saydam skizziert zunächst ein positives Bild. "Im letzten Quartal 2019 lauteten unsere Prognosen für 2020, dass es aufgrund des chinesischen Marktes zu einem Rückgang des weltweiten Automobilsektors kommen würde. Für den türkischen Markt sahen wir jedoch kein pessimistisches Bild", so Saydam. Mit der Covid-19-Pandemie sei das Jahr 2020 jedoch eine Zeit gewesen, in der sich der Welthandel sehr stark verlangsamte. Im Automobilsektor gab es Produktionseinstellungen und es kam zu Auftragsstornierungen.

"Covid-19 traf die EU-Automobilindustrie zunächst sektoral", erklärt Saydam. So hätten, kurz nachdem die Pandemie in der Region zu spüren war, fast alle Fahrzeughersteller in der EU bekannt gegeben, die Produktion in allen ihren Werken für eine bis vier Wochen einzustellen. Einige gaben auch kein konkretes Datum für den Produktionsstart an. "Natürlich war es in dieser außergewöhnlichen Phase, in der wir uns befinden, normal, dass Unternehmen in einer solchen Krise die Produktion unterbrechen. Denn die Endkunden in der EU, also die Fahrzeugnutzer, hatten entweder mit der Epidemie zu kämpfen oder konnten ihre Häuser nicht verlassen", sagt Saydam. "Gerade in einer Zeit, in der sich die Situation in Deutschland, Großbritannien und Italien, einem unserer größten Exportmärkte, von Tag zu Tag verschlechterte, stand der Fahrzeugkauf nicht auf der Tagesordnung."

"Wir haben eine Zeit durchgemacht, in der die Menschen um ihr Leben kämpften"

Mit Verzögerung erreichte die Krise dann in den letzten Wochen auch den türkischen Auto-Markt. Saydam: "Wie in Europa haben auch auf dem türkischen Markt fast alle Fahrzeughersteller angekündigt, die Produktion für eine gewisse Zeit einzustellen." Allerdings mussten die türkischen Autozulieferer die Produktion zumindest nicht komplett einstellen: "Einige unserer Erstausrüster gaben an, dass sie die Produktion fortsetzen werden, solange sie keine Lieferprobleme haben, wenn man ihre Bestellungen sowohl für das Inland als auch für Märkte ohne Virusausbrüche berücksichtigt. Darüber hinaus kauften einige europäische Unternehmen, obwohl sie ihre Produktion eingestellt hatten, weiterhin Teile von ihren Lieferanten, um sich mit Sicherheit einzudecken", so Saydam.

Dennoch litt die Branche. "Wir können jedoch sagen, dass die Automobilbranche eine krisengewohnte Branche ist, aber das Krisenumfeld, das wir mit der Pandemie erlebt haben, war ein ganz anderes. Diesmal war es nicht nur eine Wirtschaftskrise, wir haben eine Zeit durchgemacht, in der die Menschen um ihr Leben kämpften", sagt Saydam. Besonders die hohe Exportquote habe den Absatz bei den Zuliferern stark getroffen. Lag der Gesamtexport der türkischen Haupt- und Zulieferindustrie 2019 noch bei 26 Milliarden Euro, sank er 2020 auf 22 Milliarden Euro. Durch die Stagnation auf dem EU-Markt gingen die Exporte der türkischen Automobilzulieferindustrie im Jahr 2020 um 12 Prozent auf 8,0 Milliarden Euro zurück. Der Gesamtumsatzverlust der Zulieferindustrie, die im Export gegenüber 2019 um 1,0 Milliarden Euro geschrumpft war, belief sich auf 2,9 bis 3,0 Milliarden Euro.

Exportzahlen sollen 2021 wieder auf das Niveau von 2019 klettern

Nach dem Krisenjahr sieht Saydam aber die türkische Zulieferindustrie wieder im Aufwind: "Nach Abschluss des ersten Halbjahres 2021 gehen wir davon aus, dass wir zum Jahresende unsere Exportzahlen 2019 wieder erreichen werden. Zum Jahresende erwarten wir einen Gesamtexport unserer Branche von 26 Milliarden Euro, wovon rund 9 Milliarden Euro auf unsere Zulieferindustrie entfallen."

Ein wichtiger Partner dabei ist Deutschland. Im Jahr 2020 belief sich der gegenseitige Außenhandel beider Länder im Automobilbereich auf 6,2 Milliarden Euro. Vor der Pandemie waren es 7,5 Milliarden Euro. "Als türkische Automobilindustrie exportieren wir hauptsächlich Produkte der Zulieferindustrie nach Deutschland, während Deutschland hauptsächlich Fahrzeuge an uns verkauft", sagt Saydam. Beide Länder seien füreinander unverzichtbare Handelspartner. "Wir möchten diese Beziehung fortsetzen, indem wir unsere Zusammenarbeit bei neuen Technologien weiterentwickeln und verstärken."

Elektromobilität als Innovationstreiber

Saydam beoachtet, dass sich Elektro- und Hybridfahrzeugtechnologien schneller als erwartet global ausbreiten. "Neue Technologien sind ein Thema, das wir anpassen und bearbeiten müssen, wenn wir in der Automobilindustrie bestehen wollen. Wir als Taysad sind bestrebt, in der Türkei ein geeignetes Umfeld für die Entwicklung der für Elektrofahrzeuge erforderlichen Technologien zu schaffen und sicherzustellen, dass unsere Automobilzulieferindustrie über das notwendige Wissen und die Infrastruktur zur Entwicklung dieser Technologien verfügt."

Die Türkei habe in diesem Bereich eine vorteilhafte Position. "Unternehmen wie Ford Otosan und Tofaş FIAT betrachten unser Land mit ihren in der Türkei gegründeten F&E-Zentren als Innovationszentrum. Unternehmen wie Toyota, die die ersten Hybridmodelle in der Türkei produzierten und in die Welt exportierten, sowie MAN, Mercedes-Benz und Renault werden auch in Zukunft die Bedeutung der türkischen Automobilindustrie auf dem Weltmarkt demonstrieren.", sagt Saydam. Aber auch Eigengewächse machen der Branche Hoffnung. "Togg Investment wird für uns ein Ganzkörperspiegel sein. Eine ähnliche Möglichkeit bietet das 100 % elektrische Nutzfahrzeugprojekt von Ford Otosan. Als TAYSAD Management werden wir wichtige Schritte unternehmen, indem wir uns gemeinsam mit unseren Mitgliedern auf neue Technologien und Innovationen konzentrieren.", sagt Saydam.

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