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Der erste Tag von Elon Musk als Twitter-Chef - was Mitarbeiter berichten

Twitter-Mitarbeiter berichten über ihren ersten Tag unter Elon Musk als neuem Chef. Sie hörten offenbar nichts vom Tesla-Gründer.

Twitter-Mitarbeiter hörten am ersten Tag nichts vom neuen Besitzer Elon Musk. (Bild: Anadolu Agency / Kontributor)
Twitter-Mitarbeiter hörten am ersten Tag nichts vom neuen Besitzer Elon Musk. (Bild: Anadolu Agency / Kontributor)

Twitter-Mitarbeiter sagten Chaos voraus, als Elon Musk das Unternehmen übernahm. Und das haben sie bisher auch bekommen. Während des ersten vollen Tages, an dem Musk Twitter leitete, herrschte Durcheinander. Da sich weder der Tesla-Gründer noch eine andere Führungskraft bei ihnen meldete, mussten die Beschäftigten versuchen, sich ein eigenes Bild zu machen.

Über den ganzen Tag hinweg gab es Fragen und Spekulationen. Wurden bereits Mitarbeiter entlassen? Wann findet das versprochene Treffen mit der gesamten Belegschaft statt? Weshalb wurden Tesla-Ingenieure hinzugezogen? Weshalb werden die Mitarbeiter aufgefordert, Code auszudrucken? Und warum hat Musk einfach nichts gesagt?

Irgendwann am Vormittag verließen zwei Personen das Twitter-Hauptquartier in San Francisco, die Kisten mit Büromaterial in den Händen hielten und sich als Ingenieure ausgaben, die von Musk entlassen worden seien. Das war ganz anders als noch am Mittwoch. Da betrat Musk die Firmenzentrale mit einem Waschbecken in den Händen – ein Scherz über sein Eigentum, das "in der Versenkung" verschwinde. Danach unterhielt er sich eine Stunde lang spontan mit Beschäftigten im firmeneigenen Café The Perch.

Twitter-Mitarbeiter sprechen über Kündigung

Ein Stellenabbau ist so gut wie sicher, und Musk hat seit Juni erklärt, dass er Entlassungen vornehmen werde, um die finanzielle Lage des Unternehmens zu verbessern. Mehrere Mitarbeiter sagten zu Business Insider, dass sie nach dem 1. November kündigen wollen, da zu diesem Zeitpunkt ihre Aktienoptionen auslaufen. Da Twitter jetzt privat ist, werden die Aktien, die Angestellten zuvor zugeteilt wurden, in Bargeld umgewandelt. Einige von ihnen befürchten, dass Musk vor diesem Datum eine Massenentlassung durchführen könnte, um eine Auszahlung zu vermeiden.

"Es ist beängstigend, weil er so unberechenbar ist", sagte ein Mitarbeiter.

Nach dem offiziellen Abschluss des Twitter-Deals am Donnerstagabend und der raschen Entlassung der bisherigen Führungskräfte wurde es still, wie mehrere Mitarbeiter gegenüber Insider erklärten. Sie baten darum, anonym zu bleiben. Den ganzen Freitag über hörten die Mitarbeiter dann nichts von ihrem neuen Chef.

"Es ist einfach still"

In den Twitter-Büros in London, New York und San Francisco hätten die Mitarbeiter einen Großteil des Tages damit verbracht, auf Slack über Entlassungen zu spekulieren und ihre Smartphones zu checken, in Erwartung einer E-Mail oder einer Einladung über ihren Kalender, fügte diese Person hinzu. Bisher nichts. "Es ist einfach still", sagte ein anderer Mitarbeiter.

Die Produkt- und Ingenieurteams wurden von den Managern am späten Donnerstag angewiesen, sich auf Treffen mit Musk am Freitag vorzubereiten. Und sie sollten "Code mitbringen", um einen Einblick in den Maschinenraum des Kurznachrichten-Dienstes zu gewähren. Diese Treffen wurden im Laufe des Freitags ständig verschoben oder abgesagt, so die Mitarbeiter.

In der Zwischenzeit hielten sich Ingenieure von Tesla im Büro in San Francisco auf und trafen sich teilweise einzeln mit Twitter-Ingenieuren, um ihnen Fragen über ihre Arbeit und einige technische Aspekte der Plattform zu stellen. Am Freitag wurden einige der Spezialisten gebeten, den Code "buchstäblich auszudrucken", damit er von Musk an anderer Stelle eingesehen werden konnte, sagte ein Insider. Später wurden sie aufgefordert, die Ausdrucke zu entsorgen. Darüber berichtete der Tech-Newsletter-Autor Casey Newton.

Musk arbeitete am Freitag in der Twitter-Zentrale in San Francisco mit einem kleinen Team, das er zu seiner Unterstützung bei der Übernahme der Geschäfte mitgebracht hatte, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Mehrere Mitarbeiter seines Familienunternehmens Excession waren demnach ebenfalls anwesend, um dem neuen Eigentümer zu helfen.

Elon Musk startet in Begleitung seines Anwalts

Musks persönlicher Anwalt, Alex Spiro von der Kanzlei Quin Emmanuel, war ebenfalls dabei und teilte sich die Arbeit mit Musk, so eine Quelle. Musk habe sich um das Produkt und die technische Seite gekümmert, während Spiro sich mit rechtlichen Fragen, der Einhaltung von Vorschriften und der Moderation von Inhalten befasst habe. Spiros Rolle ist zwar nicht offiziell, aber eine Person, die Einblick hat, bezeichnete ihn als gegenwärtigen "de facto"-Leiter von Twitters Rechtsabteilung.

Musk und sein persönliches Team arbeiteten in einem separaten Teil des Twitter-Hauptquartiers und belegten ein ganzes Stockwerk, das ungenutzt war, sagte eine der Personen zu Business Insider. "Sie haben sogar ihr eigenes Essen", fügte die Person hinzu. Dadurch habe Musks Team die große Cafeteria, die von den Angestellten genutzt wird, umgehen können.

Musk twitterte am Freitag mehrere Male. In einem Tweet erklärte er, dass er den Vorwürfen des "Shadow-Bannings" nachgehe, bei dem ein Nutzer zwar nicht gesperrt wird, seine Beiträge aber für andere nicht sichtbar sind. In einem anderen schrieb er: "Twitter wird für die Moderation von Inhalten ein Gremium mit sehr unterschiedlichen Ansichten gründen."

Später am Tag erklärte er noch: "Comedy ist jetzt auf Twitter legal" – und twitterte dann separat einen offensichtlichen Scherz über die beiden Männer, die nur vorgegeben hatten, entlassene Twitter-Ingenieure zu sein.

Die Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet Ihr hier.

VIDEO: Was passiert mit Twitter? Musk will ein spezielles Gremium für Inhalte