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Deutschland liefert Gepard-Panzer und Haubitzen nicht vor Juli an die Ukraine: Kommen die schweren Waffen überhaupt noch rechtzeitig?

Während einer Übung wird eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr instand gesetzt.
Während einer Übung wird eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr instand gesetzt.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine dauert inzwischen drei Monate an. Obwohl die ukrainische Armee erbitterten Widerstand leistet, muss sie immer wieder Rückschläge hinnehmen.

Erst vergangenen Freitag konnten die Russen die lang umkämpfte ukrainische Hafenstadt Mariupol unter ihre Kontrolle bringen. Mehr als 2000 ukrainische Kämpfer harrten hier bis zuletzt im Asow-Stahlwerk aus, bevor sie sich vergangene Woche ergeben haben sollen. Zudem sollen russische Streitkräfte laut ukrainischer Regierung versuchen, Schlüsselpositionen im Osten der Ukraine, der Donbass-Region, zu erobern.

Doch wie lange hält die ukrainische Armee noch stand? Eine Frage, deren Antwort auch an ausländischen Waffenlieferungen hängt. Besonders aus Deutschland ziehen sich diese aber noch bis zum Sommer hin. Kommen sie dann zu spät? Und woran hakt es noch?

Bis Ende August soll die Ukraine 50 Gepard-Panzer aus Deutschland erhalten

Erst im Juli soll die Ukraine die ersten 15 von insgesamt 50 Flugabwehrkanonenpanzern des Typs Gepard aus Beständen der deutschen Industrie geliefert bekommen, die restlichen Panzer dann bis Ende August. Bei den Geparden handelt es sich um sogenannte Flugabwehrpanzer. Sie helfen, den Gegner in der Luft zu bekämpfen und sicherzustellen, dass die eigenen Bodentruppen sich ohne sofortige, gegnerische Luftangriffe am Boden bewegen können, laut Militärexperte Wolfgang Richter. Das erklärte er der "Tagesschau".

Für den Einsatz der Gepard-Panzer müssen die ukrainischen Streitkräfte jedoch erst noch vom Panzer-Hersteller ausgebildet werden. Die Bundeswehr wird dafür geeignete Schießplätze bereitstellen. Außerdem gibt Deutschland für das Training und den späteren Einsatz rund 60.000 Schuss Munition frei. Weiterer Munitionsbedarf sollten zudem eigentlich über Vorräte aus Brasilien abgedeckt werden – doch von dort gibt es seit Wochen kein grünes Licht.

Ein Knackpunkt deutscher Waffenlieferungen – fehlende Munition

Munition gilt gemeinhin als Flaschenhals, was die Waffenlieferungen aus Deutschland anbetrifft, heißt es im Verteidigungsministerium. Der Grund: Über Jahre und Jahrzehnte wurde bei der Lagerhaltung der Waffen an Munition gespart, Produktionskapazitäten in der Industrie wurden abgebaut. Der Bundeswehr fehlt mittlerweile Munition im Wert von 20 Milliarden Euro. Bei den älteren Waffensystemen – wie den Gepard- oder Leopard-Panzern, die für die Ukraine vorgesehen sind – ist es weltweit schwierig, überhaupt noch nennenswerte Munitionsbestände zu finden.

Das Munitions-Dilemma und die reine Ausbildung kosten Deutschland deshalb viel Zeit, um der Ukraine rechtzeitig Waffen zu liefern. Zeit, die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht hat, wie er in seiner letzten Videobotschaft am Montag mitteilte: Viele Menschen wären "nicht gestorben, wenn wir alle Waffen erhalten hätten, um die wir bitten", sagte Selenskyj. Sein Land sei seit Kriegsbeginn am 24. Februar Ziel von 3000 Luftangriffen und annähernd 1500 Raketenangriffen gewesen. Außerdem fügt der ukrainische Präsident hinzu, dass die Lage im Osten der Ukraine, wo die russische Armee ihre Aktivitäten konzentriert habe, schwierig bleibe. Er erwarte nicht, dass Russland die besetzten Gebiete wie etwa um Charkiw aufgeben werde.

Zwölf Panzerhaubitzen sollen aus Deutschland und den Niederlanden geliefert werden

In dieser schwierigen Lage soll es von Deutschland deshalb nicht nur bei Gepard-Panzerlieferungen bleiben. Zusammen mit den Niederlanden sollen noch zwölf Panzerhaubitzen 2000 geliefert werden. Sieben von deutscher Seite, fünf von niederländischer. Lieferdatum unklar, doch Insider rechnen nicht vor Ende Juni. Sie gelten als eine fahrbare Hightech-Kanone auf Ketten, ähnlich einem Panzer und werden von der Bundeswehr als eines der modernsten Artilleriegeschütze weltweit bezeichnet. Die Geschütze können über 30 oder 40 Kilometer punktgenau treffen und dann direkt vom Abschussort weggefahren werden. So kann sich die Besatzung in dem Waffensystem einem möglichen Gegenangriff mit schnellem Stellungswechsel entziehen – nach dem Prinzip: feuern und weg.

Aber auch für den Einsatz der Panzerhaubitzen müssen die ukrainischen Soldaten erstmal ausgebildet werden: Die Bundeswehr hat damit nun schon auf der Artillerieschule im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein begonnen. Ziel soll es sein, rund 18 Besatzungen zu trainieren. Knapp 100 ukrainische Soldaten, Techniker und Helfer sind dafür bereits vor Ort eingetroffen. Nach Informationen von Business Insider mangelt es jedoch an IT-Spezialisten unter den Ukrainern. Bislang soll erst einer mitgekommen sein. Ausgerechnet diese Spezialisten spielen bei der Bedienung der Panzer-Systeme jedoch eine wesentliche Rolle.

Die Soldaten sollen nun in etwa 40 Tagen lernen, mit der Haubitze zu fahren, zu schießen, Störungen zu beseitigen und zu kommunizieren. Sie werden nicht ausgebildet, um in größeren militärischen Zusammenhängen Angriff und Verteidigung zu organisieren. Die westlichen Partner gehen davon aus, dass die ukrainische Armee dies aus eigener Erfahrung beherrscht.

Die Ausbildung an den Panzerhaubitzen und die Lieferung in die Ukraine kosten Zeit

Parallel dazu programmiert die Industrie die Panzerhaubitzen noch so, dass sie auch mit nicht-deutscher Munition funktioniert. Auch das dauert aber nach den bestehenden Zeitplänen bis Ende Juni.

Sollte das Training der ukrainischen Soldaten und die technische Umrüstung etwa Ende Juni/Anfang Juli vorüber sein, steht Deutschland außerdem noch vor einer weiteren Herausforderung: dem Transport der Panzerhaubitzen in die Ukraine, wo das Empfängerland von der eigenen Staatsgrenze an die Verantwortung übernimmt. Dabei gilt es, mögliche russische Angriffe auf dem Boden der Ukraine zu vermeiden, denn Moskau hat wiederholt angekündigt, westliche Waffenlieferungen gezielt zerstören zu wollen.

Unter dem Strich dürfte es also in den Juli hinein dauern, bis die beiden deutschen schweren Waffensysteme in der Ukraine sind. Die Lage dort, insbesondere aktuell heftig umkämpften Donbass, dürfte dann nicht gerade besser sein – vorsichtig formuliert. Nicht umsonst fordert die Ukraine die schnelle Lieferung weiterer schwerer Waffen, auch von Deutschland. Doch hier liegen seit Wochen im Bundessicherheitsrat unbearbeitete Anträge über Ausfuhr-Erlaubnisse für rund 100 Alt-Fahrzeuge des Schützenpanzers Marder sowie vom Kampfpanzer Leopard 1. Die Chance auf eine baldige Entscheidung ist völlig ungewiss. Die parlamentarische Verteidigungs-Staatssekretärin Simtje Möller (SPD) hatte zuletzt erklärt, im Nato-Rahmen habe man sich geeinigt, keine Schützen- und Kampfpanzer zu liefern. Eine Aussage, die in Berlin für Irritationen gesorgt hatte – und die in jedem Fall also keine schnelle Lieferung vermuten lässt.

Mit Material der DPA

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