Deutsche Märkte schließen in 1 Stunde 25 Minute

Dax schließt nach versöhnlichen Tönen aus Rom deutlich im Plus

Anleger bleiben vor dem Treffen von US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi vorsichtig. Der Dax verliert, bleibt auf Wochensicht aber immerhin im Plus.


Der deutsche Leitindex ist freundlich in die neue Handelswoche gestartet. Zum Börsenschluss notierte der Dax 1,45 Prozent höher bei 11.354 Zählern.

Bereits am vergangenen Freitag hatte der deutsche Leitindex nach einem durchwachsenen Kursverlauf ein moderates Plus geschafft. Zum Schluss notierte der wichtigste deutsche Aktienindex 0,5 Prozent im Plus bei 11.193 Punkten. In der vorvergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex 1,3 Prozent verloren, es war der zweite Wochenverlust in Folge.

Die entscheidende Unterstützung für die Kursgewinne kamen am Montag aus Italien. Denn die italienische Regierung erwägt eine Überarbeitung ihrer Defizitziele. „Um den Haushalt zu sichern und einen Anstieg der Marktturbulenzen zu vermeiden, könnte eine kleine Feinabstimmung in Betracht gezogen werden“, sagte der für Infrastruktur zuständige Ministerialrat Armando Siri der Zeitung „Il Messaggero“ (Montagausgabe). Als Folge dieser Nachricht stieg die europäische Gemeinschaftswährung um 0,2 Prozent auf 1,136 Dollar.

Ein wichtiges Thema bleibt der Brexit. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben mit der Billigung des Brexit-Vertrags am Sonntag den Weg frei gemacht für den EU-Ausstieg Großbritanniens. Nun fehlt noch die Zustimmung des britischen Parlaments. Dort zeichnet sich aber starker Widerstand ab. „So lange es kein 'Yes' vom Unterhaus gibt, sollte niemand an der Börse vorschnell von einem geordneten Brexit ausgehen“, warnte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.


Leicht erholt haben sich die Ölpreise: Ein Barrel Nordsee-Öl kostete am Abend 60,60 Dollar, ein Plus von 3,0 Prozent gegenüber dem Freitag. Ende der vergangenen Woche war dieser Preis erstmal unter die Marke von 60 Dollar gefallen und lag im Tief bei 58,46 Dollar.

„Die Ölpreise befinden sich bereits in einer Übertreibungsphase nach unten“, meinen die Commerzbank-Analysten nach dem vergangenen „schwarzen Freitag“ am Ölmarkt. Denn spätestens nun dürfte klar sein, dass die OPEC Anfang Dezember eine drastische Produktionskürzung beschließen dürfte. Zudem sei fraglich, ob die US-Ölproduktion 2019 so stark steigen werde wie bislang erwartet.

Blick auf die Einzelwerte

Lufthansa: Die Kranich-Airline profitiert weiter von den weiter fallenden Ölpreisen und damit von der Aussicht auf sinkende Kerosinkosten. Deswegen stieg die Aktie um 2,1 Prozent, auch wenn das Plus aufgrund des heute wieder steigenden Ölpreises im Handelsverlauf kleiner wurde. Bereits am vergangenen Freitag legte die Aktie um 2,85 Prozent zu.

Zalando: Europas größter Modehändler Zalando überzeugt Anleger mit florierenden Geschäften im Rahmen der aus den USA herübergeschwappten Marketing-Initiative „Black Friday“. Die Aktie legte am Montag in der Spitze um 4,8 Prozent auf 29,58 Euro zu und zählte damit zu den größten Gewinnern im Mittelwerteindex MDax. Zuletzt betrug das Plus aber nur noch 2,0 Prozent.

Allerdings haben die Papiere des Berliner Unternehmens seit Jahresbeginn auch 36 Prozent an Wert verloren. Die Zahl der Bestellungen habe sich am „Black Friday“ im Vergleich zum Vorjahr auf rund zwei Millionen und die der Neukunden auf mehr als 220.000 verdoppelt, teilte Zalando mit. Zalando dürfte die Flut an Bestellungen sehr gelegen gekommen sein. Nach einem schlechten Sommergeschäft setzen die Berliner nun auf den Winter. Im dritten Quartal steckte der Modehändler in den roten Zahlen fest.

Morphosys: Im MDax legten die Aktien des Biotechunternehmens um 2,3 Prozent zu. Morphosys erhielt in Japan die Zulassung für ein wichtiges Medikament.


Aurubis: Deutschlands größter Kupferkonzern Aurubis kassiert seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr wegen Problemen an mehreren Standorten. Das operative Ergebnis (EBT) im Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) werde zwischen 5,1 und 15 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr mit 328 Millionen Euro. An der Börse kam die Ankündigung nicht gut an: Die Aurubis-Aktie gab um mehr als 13 Prozent nach und markierte ein Zwei-Jahres-Tief von 45,82 Euro.

Was die Charttechnik sagt

Technische Analysten hoffen jetzt auf eine Bodenbildung, doch die dürfte nicht einfach sein. „Der Index befindet sich weiterhin in einer prekären Lage. Selbst eine deutliche Aufwärtsbewegung würde den vorherrschenden Abwärtstrend nicht unterbrechen“, meinen die technischen Analysten der UBS in ihrem Morgenkommentar. 

Um die Bodenbildung aus charttechnischer Sicht zu vervollständigen, müsste der Dax auf über 11.700 Punkte steigen. Bei einem erneuten Rutsch unter die Marke von ungefähr 11.000 Zählern wäre das Thema zu den Akten gelegt, dann drohen weitere deutliche Kursverluste.

Blick auf die Übersee-Börsen

Die Wall Street eröffnete am Montag analog zum Dax ebenfalls im Plus: Die Leitindizes Dow Jones und S & P 500 stiegen jeweils um rund ein Prozent. Am Freitag hatte der Dow-Jones-Index im verkürzten Handel wegen Thanksgiving 0,7 Prozent tiefer bei 24.286 Punkten geschlossen. Der breiter gefasste S & P 500 hatte 0,7 Prozent auf 2633 Zähler abgegeben.

 

Die Hoffnungen von Anleger auf einen Konjunkturschub in Japan hat der Tokioter Börse am Montag Auftrieb gegeben. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,8 Prozent fester bei 21.812 Punkten. Analysten verwiesen darauf, dass die japanische Metropole Osaka den Zuschlag bekommen hat für die Ausrichtung der Weltausstellung im Jahr 2025.

An den Börsen in China herrschte dagegen wegen des bevorstehenden G20-Gipfels in Argentinien Unsicherheit. Die Leitindizes in Shanghai und Shenzen gaben je knapp ein halbes Prozent nach. US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping wollen sich am Rande des Treffens der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer über den Handelsstreit zwischen beiden Seiten austauschen.

Analystencheck: Deutsche Bank empfiehlt Fresenius Medical Care weiterhin zum Kauf

Die Deutsche Bank hat das Kursziel für Fresenius Medical Care (FMC) von 107 auf 100 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf „Buy“ belassen. Nach dem Kursrutsch seit Mitte Oktober haben sich bei den Aktien des Dialyse-Spezialisten eine sehr gute Einstiegsgelegenheit ergeben, schrieb Analyst Gunnar Romer in einer am Montag vorliegenden Studie. Die jüngsten moderaten Zielsenkungen hätten wohl hauptsächlich externe Gründe wie Hyperinflation oder negative Entwicklungen auf den Währungsmärkten.

Laut Handelsblatt-Analystencheck stehen bei der FMC-Aktie den 38 Kaufempfehlungen 24 Mal eine neutrale Bewertung gegenüber. Es gibt keine Verkaufsempfehlung. Das gewichtete Kursziel liegt bei 90,63 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Kurs von rund 70 Euro.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck.

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