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Brasilien findet vermehrungsfähige Viren in Russlands Impfstoff Sputnik V — und verweigert die Zulassung

Business Insider Deutschland
·Lesedauer: 3 Min.

Der russische Impfstoff Sputnik V war der weltweit erste zugelassene Corona-Impfstoff. Er wird bereits in dutzenden Ländern eingesetzt. Dennoch gibt es auch Kritik an der mit dem Impfstoff verbundenen Geopolitik Russlands – und auch Zweifel an der Qualität des Impfstoffs. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft immer noch eine Zulassung.

Dennoch wird das Vakzin schon in europäischen Ländern eingesetzt, unter anderem in der Slowakei. Dort kam es allerdings im März 2021 zu einem Skandal, als slowakische Behörden feststellten, dass 200.000 gelieferte Impfdosen nicht exakt mit dem offiziell in der Fachzeitschrift "Lancet" präsentierten Impfstoff übereinstimmten.

In der darauffolgenden diplomatischen Krise zwischen beiden Ländern warfen slowakische Zulassungsstellen Russland vor, dass "diese Vakzine nur den Namen gemeinsam haben", woraufhin Russland die Impfdosen zurückforderte. Die russische Seite verweist dabei auf Studien, die unter anderem aus Ungarn vorliegen, und belegen sollen, dass Sputnik V sogar wirksamer ist als andere Impfstoffe.

Vermehrungsfähige Trägerviren in Sputnik-Proben gefunden

Nun sind allerdings auch brasilianische Zulassungsbehörden in Konflikt mit dem russischen Impfstoffhersteller gekommen und wollen Sputnik V nicht in dem stark von der Pandemie betroffenen Land zulassen. Einerseits kritisierten die brasilianischen Behörden die zu dünne Datenlage zur Wirksamkeit und Sicherheit des Vakzins. Schwerer wiegt aber noch eine Entdeckung, die die zuständige staatliche Behörde für das Management von Arzneimitteln und biologischen Produkten (GGMED) gemacht hat: In jeder der von ihnen untersuchten Proben von Sputnik V haben sie vermehrungsfähige Viren gefunden.

Wie auch AstraZeneca ist Sputnik V ein sogenannter Vektorimpfstoff. Er funktioniert, indem er das menschliche Immunsystem mit deaktivierten Viren, den sogenannten Vektoren, konfrontiert. Dabei handelt es sich um ungefährliche, weil inaktive Viren – zum Beispiel Erkältungsviren. Diese enthalten jedoch eine Bauanleitung für die Spike-Proteine, mit denen das Coronavirus an menschliche Zellen andockt. Die Zellen des Geimpften setzen diese Bauanleitung um und bilden in der Folge Antikörper, die im Falle einer Konfrontation mit SARS-CoV-2 dessen Andocken verhindern.

Sputnik V muss in zwei Dosen im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Die erste Dosis verwendet dabei als Vektor das Adenovirus (Ad26), die zweite das Adenovirus (Ad5). In beiden Fällen wird aus dem Erbgut des Erkältungsvirus standardmäßig das sogenannte E1-Gen entfernt. Dadurch wird der Vektor deaktiviert. Denn dieses Gen sorgt normalerweise dafür, dass sich die Viruszellen vermehren. Durch die Deaktivierung von E1 regt da Adenovirus die menschlichen Zellen lediglich dazu an, das Spike-Protein zu produzieren – ohne sich selbst im Körper der Geimpften auszubreiten.

Bei dem Trägervirus handelt es sich um ein normales Erkältungsvirus

Genau diese Deaktivierung scheint bei den in Brasilien untersuchten Proben der zweiten Dosis jedoch nicht stattgefunden zu haben. Damit könnten die Träger-Viren sich im Körper der Geimpften unkontrolliert vermehren. Zwar handelt es sich bei dem Adenovirus Ad5 um ein weitgehend harmloses Erkältungsvirus – für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem könnte dies jedoch Risiken implizieren.

Gustavo Mendes, der Leiter der Zulassungsbehörde Anvisa, erklärte gegenüber CNN Brasilien: "Der Impfstoff hat das Potenzial, ein genetisch verändertes Adenovirus zu erzeugen, dessen Reaktionen im menschlichen Körper und dessen potenzielle Risiken nicht bekannt sind. Wir haben Daten aus Russland analysiert und keine Studien gesehen, die die Sicherheit des Impfstoffs belegen. Das Vorsorgeprinzip hat uns dazu veranlasst, ihn nicht zu empfehlen."

"Ich kann gar nicht genug betonen, wie schlampig das ist"

https://twitter.com/angie_rasmussen/status/1387397192269266947

Warum die eigentlich standardmäßige Entfernung des E1-Gens offenbar nicht durchgeführt wurde, ist noch unklar. Die amerikanische Virologin Dr. Angela Rasmussen des Georgetown University Center für globale Gesundheitswissenschaften und -sicherheit sowie der Organisation für Impfstoffe und Infektionskrankheiten mutmaßte auf Twitter, dass dabei wohl "schlampig" gearbeitet wurde.

Der russische Hersteller wies die Vorwürfe zurück. Von Unternehmensseite hieß es: "Als Reaktion auf die Fakenews, die aufgrund eines fehlerhaften Anvisa-Berichts in Umlauf gebracht wurden, verweisen wir auf eine offizielle Stellungnahme des Gamaleya-Instituts, die bestätigt, dass bei Sputnik V E1 sehr wohl deaktiviert wurde und kein RCA vorliegt. Wir haben Anvisa über diese Angelegenheit informiert."

tf