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Wer kauft denn sowas? Britisches Auktionshaus will 18 Menschen-Schädel versteigern

Ein Archivbild, das nur zu Illustrationszwecken verwendet wird und sechs menschliche Schädel zeigt. (Bild: IvancoVlad/Getty Images)
Ein Archivbild, das nur zu Illustrationszwecken verwendet wird und sechs menschliche Schädel zeigt. (Bild: IvancoVlad/Getty Images)

Ein britisches Auktionshaus ist in die Kritik geraten, nachdem es 18 menschliche Schädel aus dem alten Ägypten angeboten hatte. Die Schädel sind von zehn Männern, fünf Frauen und drei Personen unbestimmten Geschlechts. Die Schädel werden zu einem Richtpreis von 200 bis 300 Pfund (etwa 233 bis 444 Euro) angeboten. Einige der Schädel sollen aus Theben stammen und aus der Zeit zwischen 1550 und 1292 v. Chr. stammen, also mehr als 3.000 Jahre alt sein.

Experten haben jedoch Einwände erhoben und eine Überprüfung der Gesetze über den Verkauf menschlicher Überreste gefordert.

Dan Hicks ist Autor des Buches "The Brutish Museums: The Benin Bronzes, Colonial Violence and Cultural Restitution". Er sagte zu Business Insider, dass es ein ziemlicher "Schock" sei, die Schädel zum Verkauf zu sehen. Hicks ist außerdem ein Archäologe, der als Kurator für das Pitt Rivers Museum arbeitet. Er hat sich für eine Überarbeitung des Gesetzes eingesetzt. Des Weiteren hat er darauf hingewiesen, dass das Vereinigte Königreich den Verkauf von Elefantenelfenbein bereits strengstens untersagt hat. "Wir alle müssen unseren ethischen Kompass in diesen Fragen überprüfen und uns fragen, ob das wirklich richtig ist", sagte er.

Dem Auktionsangebot zufolge stammen die Schädel aus der Sammlung des britischen Armeeoffiziers Augustus Henry Lane Fox Pitt Rivers aus dem 19. Jahrhunder. Pitt Rivers sammelte ein außerordentlich breites Spektrum an Artefakten, von Waffen über Zeremonialgegenstände bis hin zu Schmuck. Zudem habe er auch menschliche Überreste gesammelt. Seine erste Sammlung befindet sich im Besitz der Universität Oxford und ist im Pitt Rivers Museum ausgestellt. Seine zweite Sammlung wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts verkauft.

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Gegenstände aus dieser Sammlung tauchen immer wieder auf dem freien Markt auf. Im Vereinigten Königreich gibt es strenge Vorschriften für die Lagerung, Behandlung und Ausstellung menschlicher Überreste. Ihr Verkauf zu dekorativen Zwecken ist jedoch völlig legal. Ein Vertreter des Auktionshauses Semley Auctioneers wurde telefonisch kontaktiert. Er teilte Business Insider mit, dass das Auktionshaus für eine unmittelbare Stellungnahme nicht verfügbar sei. Diese jüngste Episode wirft ein Schlaglicht auf den seltsamen Handel mit menschlichen Überresten. Dieser ist an vielen Orten der Welt legal.

Im Jahr 2020 sorgte ein indonesischer Modedesigner für virale Empörung. Er behauptete, seine Handtasche sei aus einer menschlichen Wirbelsäule gefertigt. Laura Van Broekhoven ist die Direktorin des Pitt Rivers Museum. Zu Business Insider sagte sie, sie sei "wirklich überrascht, dass Auktionshäuser dies immer noch tun". Sie fügte aber auch hinzu, dass es "offensichtlich einen Markt für menschliche Überreste gibt". "Wenn es eine Gemeinschaft gibt, die wirklich alles getan hat, um begraben zu werden und begraben zu bleiben, dann waren das vor allem die Ägypter", sagte Van Broekhoven. Sie äußerte den Wunsch, dass der Handel mit menschlichen Überresten von Gemeinschaften eingestellt wird. Diese haben versucht, "auf würdige und meist rituelle Weise mit ihren Vorfahren umzugehen". Dies betonte sie als wichtigen Schritt, um Respekt und Würde zu wahren.

Das Schrumpfkopf Problem

Van Broekhoven hat sich mit der Frage des Umgangs mit menschlichen Überresten in Museumssammlungen auseinandersetzen müssen. Das Pitt Rivers Museum hat eine Sammlung von Schrumpfköpfen – einige davon menschlich. Das Museum hatte Überresten im Jahr 2020 aus der Ausstellung genommen. "Die Art und Weise, wie die Leute über die menschlichen Überreste sprachen oder Selfies mit ihnen machten, stellte ein ethisches Problem dar", sagte sie zu BI. Das Museum arbeitet noch immer an der Frage, wie es mit den menschlichen Überresten in seiner Sammlung umgehen und sie möglicherweise zurückgeben soll. Dabei wolle man sich an den Wünschen der Gemeinschaften orientieren, aus denen sie stammen, fügte sie hinzu.

Die 18 Schädel werden jetzt für ein paar hundert Euro verkauft. Dabei bieten sie einen Einblick in die Denkweise der Briten des 19. Jahrhunderts, die sie entwendet haben. Laut Hicks erwarb Pitt Rivers die Schädel 1881 während einer Reise nach Ägypten. Zudem ist es durchaus möglich, dass er sie selbst ausgegraben hat. "Die Idee der kulturellen Vorherrschaft und die Rolle der Anthropologie im Hinblick auf ihre Beziehung zum Empire und die Rechtfertigungen für das Empire waren Dinge, die ihn sehr interessierten", so Hicks zu BI. Potenzielle Schädelkäufer von heute haben vielleicht nicht diese Einstellung. Aber, so Van Broekhoven, es besteht immer noch das Risiko, dass "die Leute die Menschlichkeit dessen, was gesammelt wird, vergessen".

(Lest den Originalartikel auf Business Insider)