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Fraport pausiert in Frankfurt – macht im Ausland aber Tempo

Ein so hervorragendes Jahr wie 2018 steht Fraport nicht bevor. Doch ein Geschäftsbereich wächst gegen den Trend um satte 58 Prozent.


Wachsen und schrumpfen zugleich: Am Stammflughafen Frankfurt will Fraport im laufenden Jahr langsamer wachsen. Zwar baut der Flughafenbetreiber derzeit an einem dritten Terminal, legt also mittelfristig den Grundstein für eine weitere Expansion in der Main-Metropole.

Doch bis zur Inbetriebnahme des ersten Flugsteigs an diesem Terminal werde der „Fokus verstärkt darauf liegen, die Servicequalität angesichts einer insgesamt angespannten Situation im Luftverkehr auf hohem Niveau zu halten“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte am Dienstagvormittag bei der Vorstellung der Jahreszahlen des Unternehmens in Frankfurt.

Frankfurt, das größte deutsche Drehkreuz für den Flugverkehr, profitierte 2018 von einer starken Nachfrage. 69,5 Millionen Fluggäste zählte der Airport, also 7,8 Prozent mehr als 2017. Für das laufende Jahr erwartet Schulte ein Plus von nur noch zwei bis drei Prozent. „Es wird einfach schwierig, mehr Kapazität in den Luftraum zu bekommen“, sagte der Fraport-Chef.

Zuletzt hatten große Kunden wie Lufthansa angekündigt, beim Wachstum zu bremsen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte das erst vor wenigen Tagen auch mit der nach seiner Meinung immer noch nicht ausreichenden Qualität des Flughafens begründet und damit den Dauerstreit mit Fraport erneut angeheizt.

Schulte hielt sich bei diesem Thema am aber betont bedeckt. „Wir sind in guten Gesprächen und kommen auch vorwärts. Es gibt auch in vielen Punkten Konsens, aber auf kommerzieller Seite liegen wir noch auseinander“, erklärte der Fraport-CEO und ergänzte: „Die weiteren Details möchte ich nicht kommentieren.“


An den Finanzmärkten wird die verhaltene Expansion deutscher und europäischer Fluggesellschaften sehr aufmerksam verfolgt. So wies Damian Brewer vom Analysehaus RBC die Investoren aktuell ausdrücklich auf eine Periode langsameren Wachstums bei den deutschen Flughäfen hin – als Folge der Kapazitätsplanungen bei den Airlines.

Wirtschaftlich kann sich Schulte die Pause in Frankfurt leisten. Auch wenn Lufthansa demnächst weitere A380-Maschinen von Frankfurt nach München abzieht, das Geschäft von Fraport läuft. Das liegt vor allem daran, dass das Unternehmen längst nicht mehr so stark von der Heimatbasis abhängt. Fraport hat über die Jahre seine Auslandsbeteiligungen sukzessive ausgebaut. Das jüngste Beispiel war die Übernahme des Managements des Handels- und Gastronomiebereichs am US-Airport Nashville.

Mittlerweile ist Fraport unter anderem in Ljubljana, Lima, St. Petersburg oder auch Antalya aktiv. Dort laufen die Geschäfte gut. Die „International Activities & Services“ genannte Sparte steigerte den Umsatz 2018 um satte 58 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Brasilien ist gut fürs Geschäft

Großen Anteil daran hatten die Tochtergesellschaften im brasilianischen Fortaleza und Porto Alegre sowie die Fraport. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 28,3 Prozent auf 416,6 Millionen Euro zu. Zwei Drittel des Umsatzwachstums auf Konzernebene kamen 2018 aus dem Ausland.

Unter dem Strich steigerte Fraport den Konzernumsatz um 18,5 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis betrug 505,7 Millionen Euro, ein Plus von ansehnlichen 40 Prozent. Allerdings ist hier der Verkauf der Anteile am Flughafen Hannover (Ergebnisanteil 75,9 Millionen Euro) enthalten. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Dividende für das Jahr 2018 soll von 1,50 auf 2 Euro steigen.


Auffällig ist aber, dass der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft nach Abzug der Sachinvestitionen deutlich, um 98,3 Prozent, sank. Mit nur noch 6,8 Millionen Euro bewegte sich der sogenannte freie Cashflow auf einem sehr niedrigen Niveau. In der Zahl spiegeln sich die hohen Investitionen des Unternehmens wieder – in das erwähnte dritte Terminal in Frankfurt, aber auch in die Terminals bei Beteiligungen in Griechenland und Brasilien.

Vorerst wird sich dieser Wert nicht verbessern. Fraport-Finanzchef Matthias Zieschang erwartet im laufenden Jahr sogar einen deutlich negativen freien Cashflow. 1,2 Milliarden Euro will Fraport 2019 investieren. Unter anderem sollen Ende des Jahres die ersten Aufträge für ein neues Terminal in Lima vergeben werden.

Laut Zieschang wird das Investitionsvolumen noch über die kommenden fünf Jahre auf dem hohen Niveau bleiben, gleichzeitig werde aber der operative Mittelzufluss von aktuell rund 800 Millionen Euro auf über eine Milliarde Euro steigen, so dass die Investitionen weitgehend über die Einnahmen aus dem operativen Geschäft finanziert werden können.

„Wir legen mit unseren Investitionen im Ausland die Grundlage für weiteres Wachstum“, ergänzte Schulte. Für das laufende Jahr geht der Fraport-Chef von einem leicht steigenden Umsatz aus. Beim Ergebnis auf Ebitda-Basis sieht der Manager Werte von 1,16 bis 1,19 Millionen Euro. Dennoch verspricht das Management den Aktionären, die Dividende auch für das Jahr 2019 bei zwei Euro zu belassen.

Fraport-Chef hofft auf schnellere Passagierkontrollen

Mit Blick auf den in rund zwei Wochen beginnenden Sommerflugplan und damit die Hauptreisezeit erwartet Schulte zumindest kleinere Verbesserungen gegenüber dem von Flugausfällen und -verspätungen geprägten Jahr 2018. „Wir werden uns auch in diesem Jahr auch mit Herausforderungen herumschlagen müssen. Wir hoffen, dass wir gut darauf vorbereitet sind“, räumte Schulte ein. Abhilfe soll unter anderem ein neues Konzept bei der Kontrolle von Passagieren und Handgepäck leisten.


Die Bundespolizei hatte in Frankfurt im Herbst zwei Testanlagen aufgebaut, an der drei Passagiere gleichzeitig auflegen können. Erste Ergebnisse sehen vielversprechend aus. Auf den beiden Linien konnten 400 Fluggäste pro Stunde abgefertigt werden, gegenüber 320 Passagieren, die auf den dort zuvor vier installierten Kontrolllinien passierten. „Wir bewegen uns in die richtige Richtung, auch wenn uns das alles viel zu langsam geht.“, so Schulte.

In einem Anbau mit rund 1800 Quadratmetern, der für zusätzliche Kontrollen geplant ist, könnte sogar eine Verdoppelung der Kapazitäten möglich sein. Doch das alleine reicht laut Schulte nicht: „Wir hoffen deshalb, dass hier die Politik in diesem Jahr Entscheidungen trifft, wie die Sicherheitskontrollen neu organisiert werden“, sagte der Fraport-Chef auch mit Blick auf neue Kontrolltechnologien.

Auf neue Technologien setzt Fraport auch bei einem anderen Thema: Flugtaxen. Konzernchef Schulte ist überzeugt, dass das neue Beförderungsmittel kommen wird: „Wir beschäftigen uns mit Zukunftstechnologie, da wollen wir dabei sein.“ Flugtaxen würden zwar für Fraport maximal eine minimale Ergänzung sein. „Aber wir definieren uns ja deutlich über Frankfurt hinaus. Wir schauen, wo sich hier Perspektiven ergeben“, erklärte Schulte mit Blick auf die Auslandsaktivitäten.

Fraport untersucht gerade zusammen mit dem Start-up und Hersteller Volocopter, wie die Flugtaxen in den Flughafenbetrieb integriert werden kann. Sie sollen den Flughafen besser mit wichtigen Punkten im Umland verbinden. Einfach wird das nicht. Grundsätzlich sind Flughäfen tabu für Drohnen und ähnliche Flugobjekte. Klaus-Dieter Scheurle, Chef der Deutschen Flugsicherung, hat mehrfach darauf hingewiesen, wie groß die Herausforderung ist, den normalen Luftverkehr und den der Taxen unfallfrei zu koordinieren.