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Zugverkehr in Europa: So sperren sich die Bahngesellschaften gegen günstigere Tickets

Die europäischen Bahngesellschaften sperren sich gegen einen internationalen Ticketverkauf – und das ist nur eins der Probleme. - Copyright: Alexander Spatari / Getty Images
Die europäischen Bahngesellschaften sperren sich gegen einen internationalen Ticketverkauf – und das ist nur eins der Probleme. - Copyright: Alexander Spatari / Getty Images

Wer mit dem Zug durch Europa fahren will, benötigt vor allem Geduld. Und das nicht mal während der Reise. Noch entspannter muss man sein, wenn man im vereinigten Europa dieser Tage ein Zugticket kaufen möchte, dass einen in eine Stadt ins Ausland bringt. Die Auswahl an Zugverbindungen in europäische Städte über die Webseite der Deutschen Bahn ist schmal. „Preisauskunft nicht möglich“ heißt es dann regelmäßig.

Und damit geht das Puzzlespiel los. Man muss auf den Seiten der jeweiligen Zugbetreiber schauen, wann welcher Zug fährt und welche Tarife an welchen Tagen gelten. Manchmal gilt die Bahncard im Ausland, manchmal nicht. Und Abfahrtszeiten verschieben sich auch gerne mal. Wer eine längere Reise plant, braucht gefühlt genauso lange, um nur die Zugtickets zu buchen. Man stelle sich vor man müsste diese Tortur erleiden, wenn man mit dem Flugzeug unterwegs ist.

Live-Daten zu Bahn-Reisen werden geheim gehalten

Dass Anbieter wie Skyscanner, Google oder Opodo weltweit Millionen Flüge in sekundenschnelle analysieren und einen Reiseplan auswerfen können, hat vor allem damit zu tun, dass die Anbieter auf die aktuellen und zukünftigen Flugdaten zugreifen können. Die Fluggesellschaften stellen ihre Daten problemlos zur Verfügung. Bahngesellschaften machen das nicht.

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Die Eisenbahnbetreiber hüten ihre Zugverbindungen und die Live-Daten des Zugverkehrs wie ein Geschäftsgeheimnis. Einen Austausch von Daten zwischen den Ländern und den Anbietern gibt es kaum. Der Grund für die Heimlichtuerei: die Anbieter wollen nicht, dass ihre Kunden eventuell bei der Konkurrenz das Ticket buchen. Ebenso wollen sie vermeiden, dass die ausländische Konkurrenz Tickets günstiger anbietet, als man das selbst tun kann. Die Angst, Einnahmen zu verlieren, siegt über den Gedanken, dass man mit einem europaweiten Ticketsystem mehr Kunden in die Züge bekommt.

Das wäre eigentlich eine Chance für Drittanbieter wie das Startup Trainline. Die sind abhängig von Preisdaten, die sie von den Anbietern bekommen. Doch die Eisenbahnanbieter möchten den Ticketplattformen keine Kommission einräumen. Damit ist die Vermittlung von Tickets nicht nur unwirtschaftlich – dank der fehlenden Daten ist sie auch unmöglich. Anders ausgedrückt: Die Gesellschaften nutzen ihr Marktmonopol, um Preise zu diktieren und die Konkurrenz fernzuhalten.

Natürlich ist das nicht nachvollziehbar. Einerseits beklagen die Eisenbahngesellschaften Verluste und mangelnde Auslastungen der Züge, auf der andere Seite tun sie alles dafür, damit das auch bleibt. Das weder Kunden- noch umweltfreundlich.

Unfaire Bedingungen für Bahntickets

Ein anderes Problem ist, dass es kaum noch grenzüberschreitende Züge gibt. Bis in die 1990er-Jahre gab es direkte Langstreckenverbindungen von Zentraleuropa bis in den Nahen Osten. Berühmte Züge wie der Orientexpress, der von London bis in die Türkei fuhr, wurden mangels Rentabilität eingestellt. Aber in Zeiten, in denen der Zug als umweltbewusstere Alternative zum Flugzeug gilt, fehlen diese langen Verbindungen.

Ein erster Schritt wäre es, wenn die Unternehmen dazu gezwungen werden, ihre Verkehrsdaten anderen Anbietern vollumfänglich zur Verfügung zu stellen. Die EU-Kommission arbeitet daran, aber bisher ohne Erfolg – was auch kaum nachvollziehbar ist. Wenn man sich darauf einigt, Plastikstrohhalme zu verbieten, wird man es wohl auch schaffen, einen simplen Datenaustausch zur Verfügung zu stellen, damit die Menschen umweltbewusster reisen können.

Ebenso muss man über die Besteuerung der Tickets nachdenken. Während Fluggesellschaften vom steuerfreien Kerosin profitieren und internationale Tickets von der Mehrwertsteuer befreit sind, zahlt man bei der Bahn wegen der steuerlichen Belastungen für sein Ticket deutlich mehr. Wenn man den Zugverkehr in der EU verbessern will, muss man dies auch konsequent machen. So wie es im Moment ist, kann es nicht bleiben.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.