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Wird das die neue zweite Macht von München?

Reinhard Franke
·Lesedauer: 5 Min.

Die Rückkehr in den Profifußball verlief bei Türkgücü München im Sommer nicht ganz geräuschlos.

Die Verantwortlichen um Klub-Boss Hasan Kivran wollten anstelle des Regionalligisten 1. FC Schweinfurt im finanziell lukrativen DFB-Pokal spielen und gingen in wochenlangem Gerangel juristisch gegen das Urteil des Bayerischen Fußballverbandes vor. Doch die Klage der Münchner wurde schließlich abgewiesen, Schweinfurt durfte im Pokal gegen Schalke 04 ran, schied aber nach einem 1:4 zu Hause in der ersten Runde aus.

Es wirkt wie die Trotzreaktion eines kleinen Kindes, wie sich Türkgücü trotz der juristischen Ohrfeige bisher als Aufsteiger in der Liga präsentiert. Und zwar im positiven Sinn. Nach zehn Spielen, darunter ein 3:0-Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern oder ein 4:3-Erfolg daheim gegen den VfB Lübeck, belegt das Team des neuen Trainers Alexander Schmidt einen beachtlichen Platz sieben. Und man hat sogar noch zwei Nachholspiele zu absolvieren.

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Türkgücü-Trainer Schmidt: "Arbeiten hart für den Erfolg"

"Es läuft gut, allerdings sind erst zehn Spiele gespielt. Wir arbeiten alle hart für den Erfolg und dürfen nicht in Selbstzufriedenheit verfallen, dass wäre der erste Rückschritt", sagt der 52-Jährige zu SPORT1. Schmidt kam vor der Runde für Reiner Maurer, der mit Türkgücü zwar den Aufstieg in die Dritte Liga schaffte, aber mit Kivran nicht auf einer Wellenlänge lag. Innerhalb der aufgrund der Corona-Pandemie angeordneten Saisonpause wurde sein zum 31. Mai auslaufender Vertrag dann nicht verlängert.

Schmidt kam und findet bisher nur Schulterklopfer. "Das Erfolgsgeheimnis ist unsere Art Fußball zu arbeiten. Wir spielen nicht reaktiv, sondern wollen agieren, bestimmen, respektieren jeden Gegner, wollen aber unseren Stil durchdrücken und mutig spielen", erklärt der Fußballlehrer.

"Unsere Spieler wissen, dass dies das Anforderungsprofil für alle ist, sie Prinzipien gegen den Ball sowie bei Ballbesitz umsetzen müssen. Dabei lassen wir ihnen jedoch genügend Freiraum, individuell und kreativ zu handeln."

Hohe individuelle Klasse

Athletik sei zudem "ein wichtiger Baustein" in der Klub-Philosophie. "Bei allen Grundsätzen ist natürlich die individuelle Klasse unserer Mannschaft hoch und ein entscheidender Faktor."

Dieser von Schmidt angesprochene entscheidende Faktor ist sicher auch die bisher fruchtende Zusammenarbeit mit Kivran. Schmidt schwärmt geradezu von seinem Chef: "Hasan Kivran zolle ich großen Respekt, er ist sehr ehrgeizig, hat klare Ziele und verfolgt diese konsequent."

Beide würden "einen guten Austausch" pflegen, Kivran motiviere das gesamte Team. "Was er im Geschäftlichen und Sportlichen mit harter Arbeit erreicht hat, imponiert mir, spornt uns alle an. Er lebt für den Verein und tut alles, damit es ein erfolgreiches Projekt ist", meint Schmidt noch.

Am Samstag trennten sich die Löwen und Türkgücü 2:2. Es war das erste Münchner Stadt-Duell im Profifußball und für Schmidt ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Klub, bei dem er von 2002 bis 2013 in verschiedenen Funktionen als Trainer tätig war, unter anderem auch als Assistent von Maurer.

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Lob für Maurer

"Rainer Maurer war mein Kollege, ich habe zweimal ein Team von ihm übernommen. Die Zusammenarbeit mit ihm war sehr respektvoll, wir waren aus meiner Sicht erfolgreich bei 1860 München. Natürlich ist die Konstellation kurios."

Eine besondere Anspannung vor dem Wiedersehen mit seinen Löwen spürt Schmidt nicht. "Ich fühle mich vor unseren Spielen generell gut, habe ein sehr großes Vertrauen in unsere Mannschaft“, betont er. "Wir haben richtig ehrgeizige Mentalitätstypen im Team, alle sind hoch motiviert. Es macht einfach Spaß und Freude, mit dieser Truppe zu arbeiten."

Auch hier erklärt Schmidt das Patentrezept für den Erfolg. "Eines unserer Prinzipien ist es, eher ruhiger nach außen zu agieren, keine Kampfparolen raus zu posaunen, sondern mit sportlichen Antworten auf dem Rasen zu handeln." Und er ergänzt: "Fleißig sein, hungrig in jedes Spiel gehen und keine großen Reden schwingen." Solche Worte dürften jedem Chef gefallen - und der Erfolg gibt Schmidt recht.

Schmidt entdeckt Volland und Co.

Was für ein Typ ist er? "Ich sehe mich als moderner Trainer, will, dass die Spieler und der Verein nach einer Saison sagen, dass wir uns weiterentwickelt haben."

Weiterentwickeln ist das Stichwort. Schmidt konnte unter anderem Spieler wie Lars und Sven Bender, Moritz Leitner oder auch Kevin Volland bei 1860 begleiten.

"Ich bin sehr stolz, dass ich bei meinen Stationen so gute, junge Spieler formen durfte und viele von ihnen Profis und Nationalspieler wurden", sagt Schmidt mit einer gehörigen Portion Stolz und fügt hinzu: "Es liegt mir generell, junge Talente weiterzuentwickeln. Ich bin mit sehr vielen Spielern im In- und Ausland in Kontakt, die meisten haben ihre Wurzeln nicht vergessen. Hier bei Türkgücü haben wir auch einige vielversprechende Jungs, denen ich einiges zutraue."

"Sein Gästezimmer steht bereit"

Einer der Jungs aus der Vergangenheit ist Kevin Volland, der vor dieser Saison von Bayer Leverkusen zur AS Monaco gewechselt hat, dort sofort eingeschlagen ist und zuletzt zwei Toren gegen Paris Saint-Germain erzielte. "Ihn habe ich mit 16 Jahren aus dem Allgäu nach München geholt, er ist ein absoluter Leader und Teamplayer, entscheidet Spiele und geht in allen Lebenslagen voran", lobt Schmidt.

Und weiter: "Ich bin in ständigem Kontakt mit Kevin, verfolge die Spiele. Was er gegen PSG mit zwei Toren und einem heraus geholten Elfer geleistet hat, spricht Bände. Leider finde ich gerade keine Zeit, ihn in Monaco zu besuchen, sein Gästezimmer steht bereit, sagte Kevin."