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Volkswagen sieht langsame Rückkehr zur Normalität in China

Der Autobauer registriert nach dem Corona-Einbruch in China wieder steigende Verkaufszahlen. Experten warnen jedoch vor verfrühtem Optimismus.

Der Autobauer hat zusammen mit seinen lokalen Partnern fast überall in China wieder die Produktion aufgenommen. Foto: dpa

Der Volkswagen-Konzern hofft auf eine langsame Stabilisierung der Lage in China. „Die produzierende Industrie findet langsam zurück zur Normalität“, sagte ein hochrangiger Vertreter von Volkswagen am Donnerstag. Von den 33 Werken des Wolfsburger Autoherstellers in China arbeiteten bis auf zwei wieder alle. Der Vollschichtbetrieb sei zwar noch nicht wieder erreicht, doch mit der Auslastung der Fabriken gehe es langsam wieder aufwärts.

Die Verkaufszahlen im Monat Februar sind nach dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie erwartet schlecht ausgefallen. „Es war kaum möglich, ein normales Geschäft zu machen“, sagte der VW-Vertreter. Die Menschen in China hätten in den vergangenen Wochen andere Probleme gehabt, als sich ein neues Auto zu kaufen. Verstärkte Anstrengungen über Online-Verkäufe hätten den Absatzeinbruch nicht wettmachen können.

Nach Angaben des Verbandes chinesischer Autohersteller sind die Verkaufszahlen für neue Pkw im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 80 Prozent eingebrochen. Konkrete Zahlen nennt Volkswagen noch nicht. „Doch wir haben besser abgeschnitten“, betonte der Manager. Im Januar war die Nachfrage auf dem chinesischen Automarkt bereits um 20 Prozent gefallen, bei VW betrug das Minus gut elf Prozent.

Dass Volkswagen in China besser als der gesamte Markt abschneidet, begründet der Autokonzern mit seiner jungen Modellpalette, die besonders um neue SUV ergänzt worden sei. Auch Audi habe sein Fahrzeugprogramm zuletzt verjüngt. Zusätzlich hatte der Konzern im vergangenen Jahr die neue Einsteigermarke Jetta speziell für den chinesischen Markt an den Start gebracht.

Volkswagen setzt darauf, dass sich die beobachtete Erholung auch in den kommenden Wochen in China fortsetzen wird. Im März sei schon mit einer deutlichen Verbesserung zu rechnen. Die Branche rechne für den laufenden Monat mit einem Absatzminus zwischen 40 und 50 Prozent, so der VW-Manager. Halte diese Entwicklung an, könnten im Juni oder im Juli wieder vergleichsweise normale Verkaufszahlen erreicht werden.´

Für die weitere Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte seien aktuell keine verlässlichen Aussagen möglich. Zwei Szenarien seien derzeit denkbar: So manche Vertreter der Automobilbranche hofften darauf, dass im zweiten Halbjahr ein regelrechter Verkaufsboom bei Autos in China einsetzt. Dadurch könnte ein Großteil der Einbußen vom Jahresanfang eingeholt werden.

Sicher sei eine solche Entwicklung aber nicht, sagte der Volkswagen-Manager. China als großes Exportland sei auch von der weiteren Entwicklung wichtiger Absatzmärkte wie Nordamerika und Westeuropa abhängig. Verschärfe sich die Corona-Krise in den westlichen Industrieländern, hätte das auch Auswirkungen auf die gesamte konjunkturelle Lage in China.

Lieferketten in China halten

Deshalb sei es als zweites Szenario auch möglich, dass es auf dem Automarkt in China im zweiten Halbjahr keinen Boom geben werde und dass lediglich marktübliche Verkaufszahlen erreicht würden.

Autohersteller wie Volkswagen beobachteten unter den Chinesen allerdings wieder ein steigendes Interesse am eigenen Auto. In öffentlichen Verkehrsmitteln sei die Gefahr größer, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Der eigene Pkw biete mehr Schutz vor einer Ansteckung.

Positiv entwickelt sich aus Volkswagen-Sicht die Versorgung mit Zulieferteilen von chinesischen Lieferanten. Die Lieferkette sei auch auf dem Höhepunkt der Corona-Krise nirgendwo abgerissen. Das gelte nicht nur für VW-Werke in China, sondern auch für die anderen rund um den Globus verteilten Fabriken des Konzerns. Dabei habe allerdings auch die schwächere Nachfrage speziell in China geholfen. Da deutlich weniger Autos verkauft worden seien, hätten auch die Lagerbestände gehalten.

Trotz der Corona-Krise hat der VW-Konzern nach eigenen Angaben keine Abstriche bei den eigenen Investitionen in China vorgenommen. Neue Modelle würden wie ursprünglich geplant produziert, betonte der VW-Manager.

Das gelte insbesondere auch für die beiden neuen Fabriken, in denen Volkswagen wie in Europa die künftigen Generation der neuen ID-Elektrofahrzeuge produzieren will. Die Serienproduktion starte unverändert im vierten Quartal, im kommenden Jahr beginne in China der Verkauf der Elektroautos.

Branchenbeobachter warnten vor überzogenem Optimismus in China, auch wenn einzelne Autofabriken wie von Nissan und Honda in der besonders belastetem Provinz Hubei wieder ihren Betrieb aufgenommen hätten. „Die Corona-Krise ist noch lange nicht beendet“, sagte David Legget, Automobilanalyst beim Marktforschungsunternehmen Global Data.

Die chinesischen Behörden müssten die gesundheitlichen Probleme dauerhaft in den Griff bekommen. Ein neuerliches Aufflammen der Corona-Epidemie sei jederzeit möglich.