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Vier junge Gründer nutzen Chat GPT, um die Gen Z für Finanzen zu begeistern

Die Gründer von Vickii setzen auf eine einfache Darstellung und Sprache, um Aktien und ETFs zu erklären. - Copyright: Vickii GmbH
Die Gründer von Vickii setzen auf eine einfache Darstellung und Sprache, um Aktien und ETFs zu erklären. - Copyright: Vickii GmbH

Die Generation Z zeigt ein wachsendes Interesse an der Sicherung ihrer finanziellen Zukunft. Eine Auswertung der Fondsgesellschaft Union Investment zeigt, dass Menschen zwischen 18 und 24 Jahren sich stärker für Aktien und Fonds interessieren als ihre Eltern im gleichen Alter. Auch wenn das Interesse der Erhebung zufolge höher ist, gibt es in der Generation Z eine große Leichtfertigkeit und Risikofreudigkeit im Vergleich zu anderen Altersgruppen. Damit hingen Wissenslücken zusammen, die für die Portfolios junger Menschen gefährlich werden könnten. Das wollen vier Gründer aus Münster mit ihrer Finanz-App Vickii ändern.

„Wir schließen mit Vickii eine Lücke zwischen Neobroker und Endkonsument“, sagt Mitbegründer und CEO Lukas Söllner im Gespräch mit Gründerszene. Die Idee hinter Vickii ist es, mit einer Aggregations-App junge Investoren über die Aktien zu informieren, in die sie investieren wollen. Dabei verfügt sie über die Daten von mehr als 3.500 Aktien und ETFs, wie das Unternehmen mitteilt. Doch wie sieht eine Aggregations-App für Aktien und ETFs eigentlich aus?

Vickii funktioniert wie „Tinder für Aktien“

Beim Öffnen der App bekommen die Nutzer einzelne Aktien als „Karteikarte“ vorgestellt. Wenn ihnen die Aktie gefällt, wischen sie nach rechts – wie bei Tinder. Einzelne Aktien und Fonds können die Nutzer ebenfalls suchen und auswählen. Diese werden dann in einen Feed hinzugefügt, wo die Nutzer alle aktuellen Informationen zu ihren Investments angezeigt bekommen. Dazu gehören nicht nur die Wertentwicklung und Quartalsberichte, sondern auch alle Nachrichten über das Unternehmen, Newsletter- und Podcast-Erwähnungen sowie die Trades anderer User. Wichtig ist zu erwähnen, dass Aktien nicht in der App gekauft werden können. Diese dient schließlich als Informationsquelle über einzelne Aktien und Fonds.

 - Copyright: Vickii/Gründerszene
- Copyright: Vickii/Gründerszene

Doch nicht nur die Tinder-artige „Swipe“-Funktion ist der einzige Weg, um in der App Aktien zu entdecken und zu analysieren. Vickii verfügt über eine Ansicht, in der Nutzer sich über beliebte Strategien oder Portfolios bekannter Investoren informieren können. Um einen Overflow an Informationen zu vermeiden, versuchen die Gründer, die Informationen so einfach wie möglich zu verpacken.

Die Daten über Aktien werden mit GPT-Modellen ausgewertet

„Wir machen keine Plattform für Daytrader oder Leute, die Millionenbeträge in ihren Portfolios haben“, sagt Söllner. „Unsere Zielgruppe will eine einfache und leicht verdauliche Möglichkeit haben, Quartalsergebnisse oder Ähnliches zu überprüfen.“ Das zeigt sich durch einfache Sprache, beispielsweise bei der Kuratierung von Inhalten, sehr deutlich. Der Gründer sagt, dass die Kunden des Startups Wert darauf legten, eine unkomplizierte Gestaltung in der App zu haben: „Das Feedback von den Kunden macht es uns klar, dass sie sich mehr für eine locker formulierte Darstellung interessieren, anstatt für die trockene Fachsprache der Finanzwelt.“ Das Startup befindet sich aktuell in einer Pilotphase mit der App, erzählt Söllner. Umsätze wollen sie künftig nur mit Werbung in der App machen.

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Die Daten über die Aktien und ETFs werden über Machine-Learning-Methoden gesammelt und ausgewertet, wie Söllner erzählt. „Zum Beispiel werden alle Podcasts automatisch transkribiert“, sagt er. „Wir verwenden ein automatisches System, das Zeitstempel setzt und automatisch erkennt, wo welche Informationen sind.“ Bei Text-Informationen, wie etwa Quartalsberichten, funktioniert es dem Gründer zufolge etwas anders: „Wir haben Zugriff auf die GPT-4-API erhalten und konnten daran intensiv arbeiten“, sagt er. Gemeint ist die aktuelle Version von ChatGPT von OpenAI. „Nach dem Extrahieren werden Phrasen aus diesen Berichten herausgeschnitten. Dieser Prozess erforderte viel Arbeit im Bereich des Prompt-Engineerings, um die Ausgabe optimal zu gestalten.“ Die bearbeiteten Informationen werden automatisch in unsere App hochgeladen, erzählt er. „Und das alles geschieht innerhalb von 60 Minuten nach dem Ende des Earnings-Calls.“

Vickii sei aus der Startup-Uni WWU entstanden

Söllner sagt, dass die Idee zu Vickii während der Corona-Pandemie entstanden sei – während seines BWL-Studiums an der WWU Münster. „Wir haben in der Zeit mit einem kleinen Side-Hustle etwas Geld verdient“. „Damals waren die Zinsen so gering, dass wir unser Geld investieren wollten.“ Er sei über die fehlende Möglichkeit frustriert gewesen, interessante Finanzanalysen einfach zu finden. „Die Suche nach solchen Inhalten war oft kompliziert und zeitaufwändig.“

Ursprünglich sei es nicht Söllners Absicht gewesen, Vickii als Startup zu betreiben, sondern als Forschungsprojekt. „Ich konnte nach meiner Forschungsarbeit am Lehrstuhl für Finanzwirtschaft weitere fünf Monate an diesem Thema arbeiten“, sagt er. Söllner erzählt, dass er jeden Abend nach der Uni an dem Projekt „bis Mitternacht“ gearbeitet habe, da das Sozialleben während der Pandemie eingeschränkt gewesen sei. „Es war einfach meine persönliche Neugier und Frustration darüber, dass es keine Plattform gab, die unseren Bedürfnissen entsprach“, sagt er. „Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass auch andere Menschen dieses Problem hatten.“ Schließlich habe er Vickki mit seinem Jugendfreund Alexander Brils (CPO), seinem Mitkommilitonen Maurice Moosmann (CFO) und Jai Bheeman (CTO) im April 2022 offiziell gegründet.

Die Gründer seien gegen die Einführung von Premium-Angeboten in der App

Die Gründer konnten mit Vickii große Namen in der Finanzwelt überzeugen. Michael Schmitz von Goldman Sachs, Michael Berendes von der Deutschen Bank sowie OMR X waren an der jüngsten Finanzierungsrunde von einer Million Euro im September beteiligt. Damit will das Unternehmen bis zur nächsten Seed-Runde ihr Angebot ausbauen. „Unser Ziel ist es, von einer ,Nice-to-Have’-App zu einer Plattform zu werden, die Millionen von Menschen in Deutschland dauerhaft begleitet“, sagt Söllner. „Wir möchten eine umfassende Entdeckungsplattform schaffen, die sowohl makroökonomische als auch spezifische Einzelwertanalysen bietet.“

Söllners Vision für die Zukunft: Vickii soll über Werbeeinnahmen eine nachhaltige Umsatzquelle aufbauen. „Wenn wir eine gesunde und wachsende Nutzerbasis aufbauen, können wir definitiv damit profitieren“, sagt er. „Wir werden nur mit Werbepartnern kooperieren, die in unserer Branche Sinn ergeben, um unsere Nutzererfahrung nicht zu beeinträchtigen.“ Doch eine Einnahmequelle für Vickii hat Söllner bereits ausgeschlossen: Abonnement-Modelle. „Das werden wir auf keinen Fall einführen“, sagt er. „Es ist nicht nachhaltig, von den Menschen in unserem Alter zu verlangen, zehn Euro oder sogar mehr im Monat für Bildung und Informationen zu bezahlen.“ Er sagt, dass er die Informationen über Aktien frei zugänglich machen möchte. „Unser Ziel von Anfang an war, den Zugang zu Informationen für Investoren zu demokratisieren.“