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Renten am Morgen: Zwischen Inflation und Suche nach Rendite

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Bis zum frühen Mittwochnachmittag ist der Handel mit US-Treasuries und Staatsanleihen aus dem Euroraum ruhig verlaufen. Die Kurse waren kaum verändert. Doch vor Veröffentlichung der US-Inflationsdaten kam Bewegung in den Märkte: Die Renditen der Treasuries zogen an und die US-Zinskurve wurde steiler. Diesem Impuls konnten sich die Staatspapiere aus dem Euroraum nicht entziehen und folgten demselben Muster.

Es gab wohl nicht wenige Investoren, die auf eine Teuerung gesetzt hatten, der über den Erwartungen ausfallen würde. Im Vorjahresvergleich stiegen die Preise - Gesamtindex und Kernrate - jedoch mit 1,4% etwas weniger an als prognostiziert.

Die realisierten Daten versetzten den Inflationsspekulationen der Finanzmärkte einen Dämpfer. Die Renditen legten den Rückwärtsgang ein. Die US-Kurve wurde flacher. Die Inflationserwartungen gingen zurück.

Unterstützt wurde der Treasuries-Renditerückgang am Abend durch die Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell. Er sorgt sich weiterhin um den Zustand des Arbeitsmarktes. Weitere fiskalische Unterstützung sei hier vonnöten.

Zugleich machte Powell sehr deutlich, dass die Fed noch nicht einmal daran denke, den geldpolitischen Stimulus zu reduzieren. Außerdem erwartet er derzeit keinen großen, nachhaltigen Anstieg der Teuerungsraten. Ob es ihm mit diesen Aussagen ähnlich wie beim Tapering gelungen ist, die Inflationserwartungen tatsächlich zu dämpfen, werden die Entwicklung der Breakeven-Renditen und der 5 Jahre, 5 Jahre Inflations Forward Swaps sowie die US-Zinskurve zeigen. Im Hinblick auf die zur Finanzierung weiterer Konjunkturprogramme nötigen Mittel kann auch die Fed kein Interesse an steigenden Kapitalmarktrenditen haben.

Von der Bewegung der Treasuries am Nachmittag profitieren die Staatanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern. Ihre Renditen gingen ebenfalls zurück. Bis zum Handelsschluss hielten sie ihre Kursgewinne aber nicht, sondern schlossen mit leichten Verlusten. Die Renditeanstiege betrugen am langen Ende der Kurve zwischen einen und zwei Basispunkten, so dass beispielsweise die Rendite der 30-jährigen Bundesanleihen im Plus blieb.

Etwas schwächer zeigten sich die Papiere von der iberischen Halbinsel. Gerade portugiesische Bonds underperformten, was wahrscheinlich auf die Aussagen des Finanzministers zur Reduzierung der Wachtumserwartungen für das laufende Jahr wegen der dritten Pandemiewelle zurückzuführen war.

Italienische Papiere markierten zwischenzeitliche neue Allzeitrenditetiefs. Inzwischen haben die italienischen Renditerückgänge durchaus Züge eines FOMO. Bis zum Handelsschluss gaben die BTPs einen Teil ihrer Gewinne ab. Sie schlossen nur mit leichten Renditeabschlägen zum Vortag.

Der italienische Notenbankpräsident, Ignazio Visco, erwies sich mit der Aussage, Mario Draghi hätte keinen Zauberstab, um das Problem der wachsenden italienischen Schulden zu lösen, als Spielverderber. Mit den Mitteln aus dem Aufbaufonds ließe sich das Schuldenwachstum durchaus dämpfen bzw. die Verschuldungskennziffern nachhaltig verbessern. Das setzt eine Verwendung der Mittel für die langfristige Steigerung des Potenzialwachstums Italiens voraus. Draghi hätte sehr wohl die Mittel, langfristig für eine Verbesserung der Schuldentragfähigkeit des Landes zu sorgen.

Ansonsten ist es rund um die Regierungsbildung sehr ruhig. Der ehemalige EZB-Präsident hält sein Blatt immer noch bedeckt. Nach den Gesprächen mit Vertretern verschiedener Interessengruppe dürfte er demnächst sein Karten auf den Tisch legen und in die konkrete Regierungsbildung einsteigen, wenn er eine Chance für stabile Mehrheitsverhältnisse sieht. Alles andere wäre bei den Vorschußlorbeeren, die die Finanzmärkte ihm haben zuteil verden lassen, für Italien ein sehr großes Problem.

Von den Auftritten der drei europäischen Notenbankvertretern - Luis de Guindos, Francois Villeroy de Galhau, Klaas Knot - dürften kaum Impulse für den Bondhandel ausgehen. Allerdings sorgte Knot bei seinem letzten Auftritt für eine Überraschung, als er als ausgewiesener Falke Zinssenkungen durch die EZB nicht ausschloss.

Der Tag mit Bloomberg: Lockdown bis März; Commerzbank, UniCredit

Da die Bonds aus den Kernländern die letzte Abwärtsbewegung der Treasury-Renditen noch nicht verarbeiteten, dürften sie am Donnerstagmorgen mit leichten Kusgewinnen in den Tag starten. Der Treasury-Future notiert im frühen Handel behauptet. Der Fokus wird auf den Inflationserwartungen liegen. Wenn es Powell tatsächlich schaffte, sie einzufangen, dürfte es mit den Renditen abwärts gehen. Insgesamt ist das auch ein Umfeld für Carry, was die Peripherie begünstigt.

Konjunkturdaten

Daten aus dem Euroraum sind Mangelware. Die Investoren werden sich vor allem für die wöchentlichen Arbeitsmarktinformationen aus den USA interessieren. Sie sollen eine graduelle Verbesserung der Arbeitsmarktlage anzeigen. Die Beschäftigungslosigkeit befindet sich weiterhin auf einem hohem Niveau und der Abbau der Arbeitslosigkeit kommt nur langsam voran. Letztlich beschreiben die Daten genau das, was dem US-Notenbankpräsident Sorge bereitet. Nur ein kräftiger Anstieg der Zahl der Erstanträge dürfte Reaktionen bei den Treasury-Kursen hervorrufen. Wahrscheinlich werden die Renditen in Erwartung eines Konjunkturpakets dann etwas anziehen.

Primärmarkt

Das italienische Schatzamt wird den Anlegern drei Aufstockungen anbieten. Mit den aktuellen 3-, 7- und 20-jährigen Benchmarks werden Bonds am kurzen und langen Ende der Zinskurve offeriert. Insgesamt sollen mit den drei Anleihen bis zu 9 Milliarden Euro eingeworben werden, wobei das höchste Volumen mit 4 Milliarden Euro auf die 7-jährige Laufzeit entfällt.

Die Renditezugeständnisse, die die Investoren durchzusetzen versuchen, werden sich in Grenzen halten. Eine Underperformance gegenüber den Peers von der iberischen Hablinsel dürfte sich kaum feststellen lassen. Der Draghi-Bonus wird für stabile Nachfrage sorgen.

Chiara Cremonesi, Rentenstrategin bei UniCredit, erwartet, dass das Momentum eine Fortsetzung einer Abflachung der italienischen Zinskurve zwischen drei und sieben Jahren kurzfristig positiv bleibt. Daher solle der 7-jährige gegen den 3-jährigen Bereich gekauft werden, schrieb sie am Montag.

Außerdem präferiert die Rentenstrategin die 7-jährigen BTPs gegenüber den 7-jährigen spanischen Staatsanleihen. Der Spread zwischen der italienischen Staatsanleihe mit 0,25% Kupon und einer Laufzeit bis März 2028 zu dem spanischen Bond mit 1,4%-Kupon und einer Fälligkeit im April 2028 lag am Montagabend bei 32 Basispunkten. Auch hier wird kurzfristig eine weitere Einengung erwartet.

Nach der letztlich doch nicht ganz so schlecht verlaufenen Platzierung der 10-jährigen T-Notes, wie es aufgrund des Abgabedrucks auf das langen Ende der US-Zinskurve in den vergangenen Tagen zu erwarten war, werden die Investoren heute mit der Emission eines neuen 30-jährigen T-Bonds konfrontiert. Da es dem US-Notenbankpräsidenten gelungen ist, die Inflationserwartungen der Finanzmärkte ein wenig einzufangen, dürfte die Platzierung ähnlich wie derjenigen der 10-jährigen T-Notes relativ problemlos sein.

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