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Rama ist Mogelpackung des Jahres 2022

Fünf Kandidaten standen zur Wahl und die Verbraucher entschieden: Rama ist die Mogelpackung des Jahres 2022. Die Verbraucherzentrale hat nun Klage gegen den Hersteller Upfield eingereicht. Alle Infos dazu und die Abstimmungsergebnisse haben wir für Sie im Überblick.

Negativ-Preis für den Hersteller Upfield: Rama ist Mogelpackung des Jahres 2022. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
Negativ-Preis für den Hersteller Upfield: Rama ist Mogelpackung des Jahres 2022. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Noch nie sind in so kurzer Zeit so viele Beschwerden zu einer Mogelpackung eingegangen, wie im Fall von Rama. Das vermeldete die Verbraucherzentrale Hamburg im Sommer vergangenen Jahres und wählte die Margarine des Herstellers Upfield zur "Mogelpackung des Monats August".

Grund für den Negativ-Preis: Der Hersteller hatte den Inhalt von Rama von 500 Gramm auf 400 Gramm reduziert, verkauft sein Produkt aber nach wie vor im gleich großen Becher. Der Preis blieb ebenfalls konstant bei 2,19 Euro. Damit kostet die Margarine nun satte 25 Prozent mehr.

Auch die ebenfalls von Upfield hergestellten Marken Sanella, Becel und Lätta waren von ähnlichen Füllmengenreduzierungen betroffen.

Versteckte Preiserhöhung von 25 Prozent

Rama wurde auf diese Weise 25 Prozent teurer und qualifizierte sich damit auch gleich für die jährlich im Januar stattfindende Wahl zur "Mogelpackung des Jahres". Dass der Ärger über die versteckte Preiserhöhung bei Rama nach wie vor groß ist, zeigt sich im Abstimmungsergebnis: Die Verbraucher wählten die Margarine mit 14.285 Stimmen (41,7 Prozent) auf Platz 1 und damit zur "Mogelpackung des Jahres 2022".

"Upfield hat den Bogen überspannt und Rama die Wahl zur 'Mogelpackung des Jahres' mehr als verdient", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Wenn der Inhalt schrumpft, die Packung aber nicht, haben Verbraucherinnen und Verbraucher kaum eine Chance, die Weniger-drin-Trickserei zu bemerken."

Zudem bemängeln die Verbraucherschützer die "gigantische und gleichzeitig sinnlose Ressourcenverschwendung", die mit der Füllmengenreduzierung einhergeht. Sie errechneten, dass nun für 1000 Tonnen Rama eine halbe Million mehr Plastikdosen nötig sind als vorher.

Verbraucherzentrale Hamburg verklagt Upfield wegen Irreführung

Was im rechtlichen Sinne als Mogelpackung anzusehen sei, sei durch lückenhafte Vorgaben oft schwierig festzustellen. "Wenn im identischen Becher ohne besonderen Hinweis aber plötzlich 100 Gramm weniger Streichfett sind, ist das eindeutig Irreführung", so Valet.

Gegen den Hersteller Upfield hat die Verbraucherzentrale Hamburg daher Klage eingereicht. Verhandelt wird über den reduzierten Inhalt der Pflanzenmargarine Sanella; auch hier enthält der Becher nur noch 400 statt 500 Gramm.

Platz 2 bis 5

Alle Ergebnisse im Überblick. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)
Alle Ergebnisse im Überblick. (Bild: Verbraucherzentrale Hamburg)

Neben Rama standen vier weitere Kandidaten als mögliche "Mogelpackung des Jahres 2022" zur Wahl. Zweitplatzierter ist mit 9.832 Stimmen der Scheibenkäse Leerdammer, dessen Inhalt von 160 auf 140 Gramm schrumpfte, obwohl "dauerhaft 1 Scheibe mehr" versprochen war. Nahezu alle Käsesorten der Marke Leerdammer sind von Preiserhöhungen betroffen, Kunden zahlen jetzt bis zu 43 Prozent mehr.

Platz 3 geht mit 3885 Stimmen der Wasserenthärter Calgon, der 42 Prozent teurer wurde. Knapp dahinter landen mit 3435 Stimmen die Goldbären von Haribo (14 Prozent teurer) und mit 2856 Stimmen Pringles von Kellogg (17 Prozent).

Verbraucherzentrale fordert strengere Regeln

Seit vielen Jahren macht die Verbraucherzentrale regelmäßig auf Mogelpackungen im Lebensmittelhandel aufmerksam.

"Aber vor allem in Krisenzeiten wie diesen mit stark gestiegenen Lebenshaltungskosten ist Preistransparenz wichtiger denn je. Es muss endlich gehandelt werden", sagt Verbraucherschützer Valet und fordert vom Gesetzgeber zügig strengere Regelungen:

- Packungen müssen prinzipiell voll befüllt sein und nur in Ausnahmefällen ist ein technisch notwendiger Luftraum erlaubt.

- Bei reduzierten Füllmengen müssen auch die Packungen entsprechend kleiner werden.

- Auf Produkten mit geringerem Inhalt müssen die alte und die neue Füllmenge sowie die Reduktion in Prozent angegeben werden.

Helfen Sie mit!

Mogelpackungen und versteckte Preiserhöhungen sind leider keine Seltenheit. Beim Einkaufen bleibt oft nicht die Zeit, jedes Mal das Kleingedruckte auf den Verpackungen zu lesen. Deshalb hat es sich die Verbraucherzentrale Hamburg zur Aufgabe gemacht, immer wieder auf Mogelpackungen hinzuweisen.

Wenn Ihnen auch Mogelpackungen auffallen, freut sich die Verbraucherzentrale Hamburg über eine kurze Meldung per E-Mail an ernaehrung@vzhh.de oder über das Kontaktformular auf ihrer Internetseite.

Weitere Informationen zu aktuellen Mogelpackungen finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg und auf der Facebook-Seite der Verbraucherschützer.

Im Video: "Mogelpackung des Monats" - Dieses Produkt holt sich den August-Titel