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PwC wächst schwächer als die Konkurrenz

Die deutsche Prüfungsgesellschaft will die Marktführung mit neuen Mandaten und Services verteidigen. Deutschlandchef Störck zeigt sich zufrieden mit der Performance.

Deutschlands größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC bekommt im Beratungsgeschäft die Konjunkturdämpfer dieses Jahres zu spüren. Im Advisory-Segment, dem größten der Gruppe, stieg der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Ende Juni) nur noch um 5,3 Prozent auf 904 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Consultinggeschäft von PwC, das zu den größten in Deutschland zählt, noch um zehn Prozent zugelegt.

Mit Blick auf die geopolitischen Unsicherheiten hätten Unternehmen Projekte verschoben oder gestückelt, erläuterte Deutschlandchef Ulrich Störck. Er zeigte sich dennoch zufrieden mit der Performance. Für jedem Unternehmensbereich von PwC gelte: Man wolle kein Wachstum um jeden Preis, sondern eines, dass profitabel mit hoher Qualität der Services verbunden sei.

In der Advisory-Sparte hat PwC die 2014 übernommene Strategieberatung „Strategy & “, die Begleitung von Firmentransaktionen und die klassische Beratung von Unternehmen bei ihren Prozessen (Operations) gebündelt. Strategy & (früher Booz) kam im abgelaufenen Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 218 Millionen Euro.

Das Consultinggeschäft war auch Hauptgrund, warum PwC auch insgesamt etwas schwächer gewachsen ist als die Konkurrenz unter den „Big Four“ der Prüfungsgesellschaften. PwC steigerte die Gesamtleistung im Geschäftsjahr 2018/19 um 5,1 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Der direkte Verfolger EY legte um 7,2 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zu.

Die Nummer vier, Deloitte, steigerte die Gesamtleistung - auch dank einer florierenden Beratungssparte – um 17 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. In die Gesamtleistung ist auch der Umsatz von Projekten eingerechnet, die im Geschäftsjahr begonnen, aber noch nicht als Umsatz verbucht wurden. KPMG hat noch keine Zahlen vorgelegt.

PwC-Deutschlandchef bleibt gelassen

Störck bleibt aber beim Blick auf die Konkurrenz gelassen. Ein organisches Wachstum von fünf bis sieben Prozent ist nach seinen Worten „gut zu verdauen“. Bei höheren Werten könne es in der Organisation schon mal knirschen. „Wir wollen gesunde Strukturen behalten und gleichmäßig über alle Segmente zulegen“, sagte er.

Im laufenden Geschäftsjahr peilt der PwC-Deutschlandchef eine „höhere einstellige Wachstumsrate“ an. Die Auftragslage sei auch im Consultinggeschäft gut. Aber auch die anderen beiden Segmente Wirtschaftsprüfung sowie Steuer- und Rechtsberatung sollen zulegen. „Unser Anspruch ist es, Marktführer zu sein und zu bleiben“, sagte Störck. Die Steuer- und Rechtberatung von PwC wuchs um 4,5 Prozent auf 566 Millionen Euro.

Das klassische Geschäft mit der Abschlussprüfung sowie den prüfungsnahen Services hat PwC in der Sparte Assurance gebündelt. Sie legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um 4,1 Prozent auf 798 Millionen Euro zu. PwC ist nach KPMG der bisher zweitgrößte Prüfer bei den Dax-30-Unternehmen, der Anteil lag lange Zeit bei einem Drittel. Im Zuge der vorgeschriebenen Rotation muss die Firma aber – wie die anderen der „Big Four“ auch – viele Mandanten abgeben

Im Gegenzug setzt sich PwC aber bei der Neugewinnung von Dax-30 Mandaten gut durch. Neu sind im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits die Aufträge von Fresenius, FMC, Heidelberg Cement und DZ Bank. Demnächst kommen BMW, Henkel dazu. Bei sechs von elf Ausschreibungen habe sich PwC durchsetzen können.

PwC kommt dabei die Erfahrung in der Prüfung von Dax-30-Unternehmen und der Ausbau der digitalen Services in diesem traditionellen Kerngeschäft zugute. Wettbewerber Deloitte legte zwar auch in Prüfungssparte stärker zu als PwC, kann aber weiterhin nur ein neu dazugewonnenes Dax-30-Mandat (Bayer) vorweisen.

Schwung fürs PwC-Geschäft sollen einerseits die neuen Mandate mit den damit verbundenen prüfungsnahen Beratungsleistungen bringen. Insbesondere beim Schutz der Unternehmen gegen Cybergefahren sei die Auftragslage gut. PwC will aber auch mit neuen Services zulegen – etwa mit der Beratung bei der digitalen Transformation der Belegschaft.

Weltweit investiert die Prüfungsgesellschaft rund drei Milliarden Dollar in die Weiterbildung der Mitarbeiter in Sachen Digitalisierung - etwa mit neuen Trainingskonzepten und Schulungs-Apps. Die Strategien und Instrumente dabei werde man nun auch den Kunden anbieten. „De facto steigen wir ins Schulungsgeschäft ein“, sagte Marius Möller, der Chief Operating Officer von PwC Deutschland.