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Plastikmüll: Unverpacktes Obst und Gemüse ist meist teurer

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: gettyimages)

Die Plastikflut in Supermärkten muss ein Ende haben, so viel ist klar. Aber es tut sich nur wenig, wie eine neue Untersuchung ergab. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband das Angebot an Obst und Gemüse bei acht großen Handelsketten überprüft. Das traurige Ergebnis: Unverpackte Ware ist oft schwer zu bekommen und häufig teurer.

Viele Menschen ärgern sich über die vielen Plastikverpackungen in Supermärkten. Gerade bei Obst und Gemüse könnte man gut auf sie verzichten. Doch obwohl das Vermeiden von Plastik seit langem ein viel diskutiertes Thema ist und sich Verbraucher in Umfragen weniger Plastik wünschen, tut sich im Handel kaum etwas.

Das ergab die neue Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie überprüfte in Zusammenarbeit mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband stichprobenartig 1.394 Angebote von Obst und Gemüse bei acht großen Handelsketten. „Es war ein Trauerspiel! Tomaten, Möhren, Paprika, Gurken und Äpfel sind noch immer zu fast zwei Dritteln in Plastik verpackt“, so die Verbraucherschützer zum Ergebnis.

Vor allem bei Discountern fanden die Tester besonders viele Plastikverpackungen in den Obst- und Gemüseabteilungen. Besonders bei Penny und Aldi sei die Plastikquote mit 81 Prozent und 74 Prozent besonders hoch gewesen, bei Edeka mit 48 Prozent deutlich geringer. Bezogen auf alle Supermärkte und Discounter errechnete die Verbraucherzentrale den Anteil an verpacktem Obst und Gemüse mit 63 Prozent.

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Ein grundsätzliches Umdenken sei beim Handel nicht zu erkennen. Zwar werde mit viel Tamtam auf den Verzicht von Plastikfolie bei Gurken hingewiesen, um zu suggerieren, alles sei auf einem guten Weg. Doch die neue Untersuchung ergab, dass in den letzten Jahren wenig passiert ist und Plastikverpackungen so gut wie unvermindert an der Tagesordnung sind.

Zum Vergleich verweisen die Verbraucherschützer auf eine Studie, die der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) in 2017 in Auftrag gab. Demnach waren auch damals 63 Prozent des Obst- und Gemüseangebots im Einzelhandel vorverpackt. Der NABU errechnete, dass allein in 2017 für die Verpackungen bei frischem Obst und Gemüse in Deutschland 58.500 Tonnen Kunststoff zusammenkamen.

Vor allem bei Tomaten war die Plastikbilanz besonders schlecht, wie die Verbraucherzentrale Hamburg herausfand: „Insgesamt 360 verpackten Tomaten standen nur 103 unverpackte Angebote gegenüber, was einer durchschnittlichen Plastikquote von 78 Prozent entspricht. In einem Kaufland-Markt waren 14 von 16 verschiedenen Tomatensorten in Plastik verpackt und damit 88 Prozent. Bei jeweils einer Lidl- und Penny-Filiale fiel die Quote mit neun verpackten und einer unverpackten Sorte (90 Prozent) sogar noch höher aus“.

Bei einigen Discountern seien auch Paprika und Möhren ausschließlich in Plastikverpackungen erhältlich. So habe der Discounter Penny in keiner seiner insgesamt sechs überprüften Filialen unverpackte Paprika verkauft. Bei den je fünf besuchten Märkten von Lidl und Netto seien dagegen keine Möhren ohne Plastikverpackung zu finden gewesen.

Verbrauchern wird es also denkbar schwer gemacht, von sich aus auf Plastikmüll zu verzichten und nur lose Ware einzukaufen. „Es reicht nicht, Verbrauchern Mehrwegnetze anzubieten, wenn sie dann überwiegend vorverpackte Produkte in den Regalen finden. Der Handel ist in der Pflicht, das Angebot an unverpacktem Obst- und Gemüse zu vergrößern. Einige Läden zeigen bereits, dass das geht. Vor allem Discounter müssen ihre Hausaufgaben noch machen“, sagt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

Loses Obst und Gemüse oft deutlich teurer

Schon vor der Untersuchung seien bei der Verbraucherzentrale Hamburg etliche Beschwerden eingegangen, dass unverpacktes Obst und Gemüse im Handel teurer sei. Das bestätigte auch der aktuelle Marktcheck. Demnach war durchschnittlich bei 57 Prozent der verglichenen Waren die Plastik-Variante günstiger, nur in 35 Prozent der Fälle teurer. Bei 8 Prozent gab es keinen Preisunterschied.

Die Verbraucherschützer errechneten, dass Konsumenten durchschnittlich 17 Prozent mehr zahlen müssen, wenn sie lose Ware einkaufen. „Vergleicht man alle geprüften Lebensmittel ohne die Rispentomaten – die einzige Kategorie, die unverpackt günstiger war – zahlen umweltbewusste Verbraucher sogar 34 Prozent mehr.“

Nur bei Lidl war lose Ware günstiger

Lediglich bei Lidl seien unverpackte Produkte günstiger gewesen. In den fünf überprüften Filialen hätten Verbraucher sogar 12 Prozent sparen können, wenn sie nicht zur Plastikverpackung gegriffen hätten. Bei allen anderen Händlern sei der Einkauf insgesamt gleich teurer oder teurer gewesen. Besonders bei Edeka zahlen umweltbewusste Kunden laut der Untersuchung kräftig drauf: Dort hätten sie im Durschnitt 41 Prozent mehr für ihre unverpackten Lebensmittel zahlen müssen.

Die Verbraucherzentralen appellieren eindringlich an den Handel, endlich Ernst zu machen und nicht nur „öffentlichkeitswirksame Aktionen wie hüllenlose Gurken“ anzupreisen. Sie fordern: „Verbraucher müssen unverpackt einkaufen können, ohne höhere Preise oder längere Wege in Kauf nehmen zu müssen. Die im Verpackungsgesetz geforderte Verpackungsvermeidung spielt in der Praxis keine Rolle. Die Politik muss sich mit Handel und Herstellern auf verbindliche quantitative Reduktionsziele einigen, die zeitnah umgesetzt werden.“

Weitere Informationen zum Thema „Müll und Verpackungen“ finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg.

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