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Das sind die neuen Aktien im MDax, SDax und TecDax

Teamviewer und Varta haben den Sprung in den MDax geschafft. Die beiden Unternehmen werden zudem in den TecDax aufgenommen. Direktbank Comdirect zieht in den SDax ein.

Die Deutsche Börse überprüft die Zusammensetzung ihrer wichtigsten Indizes. Foto: dpa

Für Teamviewer-Chef Oliver Steil dürfte es ein guter Tag werden. Wenige Monate nach dem Gang an die Börse gelingt dem Softwarehersteller ein Doppelschlag: Teamviewer wird ab dem 23. Dezember sowohl im 60 Aktien umfassenden MDax der mittelgroßen Werte als auch im 30 Werte starken TecDax der Technologiewerte notieren.

Das hat die Deutsche Börse am Mittwoch nach US-Börsenschluss bekanntgegeben. In den MDax steigt zudem die Aktie des Batterieherstellers Varta auf. Weichen müssen dafür die Optikerkette Fielmann und der Mobilfunkanbieter 1 & 1 Drillisch. Sie werden künftig im SDax der 70 kleineren Werte gelistet, in den auch die Direktbank Comdirect aufgenommen wird. Das Kleinwertesegment verlassen dagegen der deutsch-südafrikanische Konzern Steinhoff und der Mischkonzern Baywa.

Zudem wird auch Varta in den TecDax einziehen. Die Aktien von Isra Vision und Drägerwerk fallen aus dem TecDax. Im Dax gibt es keine Veränderungen.

Entscheidend für die Aufnahme in einen Index sind die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien und der Börsenumsatz. Die Aufnahme von Varta in den MDax kommt für Indexexperten überraschend. Sie hatten dem Gewerbeimmobilienkonzern TLG Immobilien größere Chancen für einen Aufstieg in den Index der mittelgroßen Werte eingeräumt als Varta. Analysten bei Banken führen eigene Listen mit den Kriterien, um die Entscheidungen vorzuempfinden.

Dennoch könnte es bei den Werten zumindest noch etwas Bewegung geben. Börsengehandelte Indexfonds, die Aktienindizes genau nachbilden, müssen die Aufsteiger kaufen und die Absteiger verkaufen. In der Regel machen sie dies kurz bevor die Änderungen tatsächlich greifen.

Die meisten Index-Aufsteiger sind schon gut gelaufen, die Absteiger haben sich dagegen schlecht entwickelt. Doch es gibt Ausnahmen.

Ein kurzer Überblick über die Auf- und Absteiger

MDax und Tec-Dax-Aufsteiger Teamviewer
Der Entwickler von Software, mit der sich unter anderem Computer aus der Ferne warten lassen und Onlinekonferenzen abhalten lassen, ist erst Ende September an die Börse gegangen.

Mit 2,2 Milliarden Euro war es der größte Börsengang in Europa in diesem Jahr. Das reicht für den Aufstieg in den MDax, obwohl die Teamviewer-Aktie noch unter dem Ausgabekurs von 26,25 Euro liegt. Analysten bewerten die Aktie aber positiv, gerade nach den guten Zahlen zum dritten Quartal.

MDax und TecDax-Aufsteiger Varta
Um die Aktie des Batterieherstellers ist ein Hype entbrannt. Mehr als 390 Prozent hat sie seit Januar zugelegt. Varta-Batterien werden unter anderem in kabellosen Kopfhörern eingesetzt. Varta liefert an Bose, Amazon und Platronics.

Zuletzt bestätigte ein Analyst von der Commerzbank durch ein Experiment das Gerücht, dass Varta auch Apple beliefert. Der Analyst schraubte die Apple-Airpods auf und fand dort Varta-Batterien. Außerdem wird spekuliert, dass Varta vom Trend zur Elektromobilität profitieren könnte, wenn sich der Traditionskonzern nicht mehr nur auf kleine Batterien spezialisiert.

Außerdem genehmigte die EU-Kommission am Mittwoch, dass Varta durch den Kauf der namensgleichen Varta Consumer Batteries vom US-Konzern Energizer Holding wieder in das Geschäft mit Gerätebatterien für Endkunden einsteigen darf.

MDax-Absteiger Fielmann
Bei der Optikerkette ist der gesunkene Börsenumsatz der Grund für den Abstieg aus dem MDax. Die Aktie hat in diesem Jahr 30 Prozent zugelegt und damit zumindest einen Großteil ihres Verlustes aus dem vergangenen Jahr wieder wettgemacht.
Verkaufsempfehlungen für Fielmann gibt es kaum. Die meisten Analysten raten zum Halten oder Kaufen der Aktie.

Thomas Maul von der DZ Bank zum Beispiel begründet seine Kaufempfehlung damit, dass Fielmann weiter über Branchendurchschnitt wachsen dürfte.

MDax-Absteiger 1 & 1 Drillisch
Die Aktie des Mobilfunkbetreibers hat in diesem Jahr mehr als 45 Prozent verloren. Die Tochter von United Internet ist mit dem Netzaufbau für den Echtzeitmobilfunk 5G betraut. Die teuren Ausbaupläne sind der Aktie aber nicht bekommen.
Viele Analysten finden die Aktie aber sehr günstig. Die Hälfte rät zum Kauf, Verkaufsempfehlungen gibt es nur wenige. Die Optimisten raten indes schon lange zur der Aktie, verloren hat sie dennoch.

TecDax-Absteiger Isra Vision
Die Aktie schwankt deutlich. Ende November hatte der auf die industrielle Bildverarbeitung spezialisierte Maschinenbauer seine Umsatzerwartung gesenkt. Das ließ die Aktie binnen eines Tages um bis zu 19 Prozent einbrechen.

Unter dem Strich hat Isra Vision in diesem Jahr 60 Prozent zugelegt, ihren Vorjahresverlust damit aber nicht aufgeholt. Wer vor fünf Jahren eingestiegen ist, kann sich immer noch über einen Gewinn von 300 Prozent freuen.

TecDax-Absteiger Drägerwerk
Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern hat im Oktober seine Umsatzprognose für das laufende Jahr angehoben, machte in den ersten neun Monaten des Jahres aber operativ einen Verlust.

Auch die Drägerwerk-Aktie war im vergangenen Jahr eingebrochen und hat sich davon mit einem Jahresgewinn von bislang gut 20 Prozent nur teilweise erholt.

SDax-Aufsteiger Comdirect
Die Direktbank dürfte nur ein kurzes Gastspiel im Kleinwertesegment geben. Die Commerzbank, die bislang 82 Prozent der Comdirect-Anteile hält, will die Tochter komplett übernehmen. Das hatte der Aktie zuletzt einen Schub gegeben.

SDax-Absteiger Steinhoff
Der südafrikanischer Möbelhandelskonzern hat sich vom Bilanzskandal aus dem Jahr 2017 nicht erholt. Die Aktie hat seither sage und schreibe 98 Prozent verloren. Selbst die tendenziell eher optimistischen Analysten haben aufgegeben. Keine Bank analysiert den Wert noch.

SDax-Absteiger Baywa
Der Agrar- und Baustoffhandelskonzern hat Anfang November dank deutlicher Zuwächse im Geschäft mit neuen Energien einen Gewinnsprung verbucht. Konzernchef Josef Lutz sieht das Geschäftsfeld regenerative Energien auch künftig als Treiber für das Geschäft.

Die Aktie hat in diesem Jahr 35 Prozent gewonnen, aber damit nur einen Teil ihrer Verluste aus dem Vorjahr aufgeholt. Den SDax muss Baywa dennoch nicht wegen der Marktkapitalisierung, sondern wegen zu geringer Börsenumsätze verlassen.