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Nano Degrees – Neue digitale Weiterbildungen sind gefragt

·Lesedauer: 5 Min.

Die Nachfrage nach beruflicher Weiterbildung wächst. Doch flexibel und bezahlbar müssen die Angebote sein. Private Anbieter reagieren darauf.

Vom Autokonzern bis zur Zahnarztpraxis gilt die Digitalisierung als Schlüssel zur Zukunft: Überall werden Geschäftsmodelle angepasst, digitale Transformationsprojekte geplant, Unternehmenskulturen weiterentwickelt. Entsprechend groß ist der Weiterbildungsbedarf. Aber: Längst nicht alle Manager und Mitarbeiter haben die Zeit, neben dem Job noch Seminare zu besuchen, geschweige denn für ein berufsbegleitendes Studium.

Dieses Dilemma versucht etwa die Stuttgarter Akad University so zu lösen: Die private Fernhochschule bietet einen Online-Crashkurs zum Thema digitale Transformation an, ein sogenanntes „Nano Degree“. Gegen eine Gebühr von etwa 1000 Euro erhalten die Teilnehmer für maximal sechs Monate digitalen Zugriff auf alle Lerninhalte und können diese zeitlich flexibel im eigenen Tempo durcharbeiten. Am Ende gibt es eine freiwillige Klausur.

Wer sie besteht, erhält ein digitales Zertifikat und kann sich sein Nano Degree als Modul auf ein Bachelor-Studium oder eine umfassendere Weiterbildung bei Akad anrechnen lassen. Hochschulkanzler Ronny Fürst hofft, mit diesem digitalen Angebot neue Kunden für das berufsbegleitende Studienangebot seiner Hochschule zu finden.

Wie in anderen Wirtschaftszweigen beschleunigt der Covid-19-Stresstest auch in der Weiterbildungsbranche den digitalen Wandel. Zwar hat das Lernen für die Karriere hierzulande mittlerweile einen hohen Stellenwert: Pro Jahr bilden sich rund fünf Millionen Arbeitnehmer beruflich weiter, drei von vier Firmen machen ihren Mitarbeitern entsprechende Angebote. Doch Homeoffice, Kurzarbeit und ungewisse Zukunftsperspektiven verstärken den Wunsch der Kunden nach flexiblen, digitalen Angeboten ohne fixe Termine, Anwesenheitspflicht oder jahrelange Verpflichtungen.

Gründe, warum die neuen Nano Degrees offenbar gut ankommen: Die Akad University berichtet von 3500 Anmeldungen seit März, rund 300 Teilnehmer hätten das Zertifikat bereits erworben. Auch die private Wilhelm-Büchner-Hochschule in Darmstadt bietet seit einem Jahr Nano Degrees zu Themen wie IT-Sicherheit, App-Entwicklung, E-Mobilität oder Entrepreneurship für 1000 bis 1500 Euro pro Kurs an. Die Lerninhalte stammen aus akkreditierten Bachelor- oder Masterstudiengängen.

„Unsere Teilnehmer studieren also auf Hochschulniveau – ohne dafür gleich ein vollständiges Studium absolvieren zu müssen“, sagt Marketingleiter Lukas Knabe. Rund die Hälfte der Absolventen entscheide sich am Ende für die Abschlussprüfung und damit für die Option, den Nano Degree zum Bachelor oder Master auszubauen.

Auf internationaler Ebene gibt es solche stapelbaren Abschlüsse schon länger. Als Erfinder gilt das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Seit 2012 bietet die US-Elitehochschule sogenannte „Micro Master“ auf der offenen Online-Lernplattform EDX an. Diese ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Harvard und des MIT, um weltweit einem breiten Nutzerkreis Weiterbildung auf akademischem Niveau zugänglich zu machen.

Mittlerweile bieten dort fast 100 Partnerunis und Technologiekonzerne unterschiedliche digitale Formate an, darunter die RWTH Aachen und die TU München, aber auch Amazon und IBM.

Die Micro-Master-Kosten bewegen sich zwischen 100 und 1300 Euro. Die günstigeren Angebote sind kürzere, berufsbezogene Zertifikatskurse, die „professional certificates“. Für die teureren zwei- bis dreijährigen Master- oder MBA-Studiengängen werden leicht fünfstellige Beträge fällig.

Miniabschluss von der Elite-Uni

Wer etwa 1300 Euro in den MIT Micro Master Supply Chain Management investiert, kann mit diesem Abschluss nicht nur bei Arbeitgebern punkten, sondern sich den anspruchsvollen Kurs auch als Modul in verschiedenen Studiengängen anrechnen lassen, darunter bei zwei Masterstudiengängen an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Eine offizielle Prüfung und akademisches Renommee waren für Tobias Lauckner wichtige Auswahlkriterien bei seiner Entscheidung, sich 2019 über EDX weiterzubilden. Der 37-Jährige arbeitet als Investmentmanager für institutionelle Anleger im Bereich erneuerbare Energien. „Prüfungen bringen einen dazu, sich intensiver mit den Inhalten auseinanderzusetzen“, sagt der Wirtschaftsingenieur. Hin und wieder ein paar Tutorials im Netz zu konsumieren, das sei zu wenig.

Auf EDX hat Lauckner einen viermonatigen Onlinekurs von der Hamad Bin Khalifa University in Katar belegt. Das Thema: Solarenergie im Wüstenklima. „Es gab virtuelle Gruppenarbeiten und einen interessanten Austausch mit Kursteilnehmern aus aller Welt“, erzählt Lauckner.

Das Lernpensum von zwei bis drei Stunden pro Woche sei neben dem Job gut zu bewältigen gewesen. Bei einem Micro Master seien es eher zehn Stunden – mehr als der Familienvater neben seinem Vollzeitjob aufbringen möchte. Zwei Jahre lang, von 2013 bis 2015, hatte er bereits seine Wochenenden und Urlaubstage genutzt, um berufsbegleitend an der WHU Otto Beisheim School of Management seinen Master of Business Administration (MBA) zu machen. Eine intensive Erfahrung, die er auf keinen Fall missen möchte.

Doch inzwischen gibt es zahlreiche digitale Alternativen: So bietet die Beratungsgesellschaft EY ihren Mitarbeitern seit Juli 2020 die Möglichkeit, einen kostenlosen MBA der amerikanischen Hult Business School zu erwerben, sobald sie im Rahmen ihres internen Entwicklungsplans ausreichend Weiterbildungsbausteine zu Digitalthemen absolviert haben.

Arbeitgeber zahlen das MBA-Studium

Einen anderen Weg zum kostenlosen Online-MBA hat Götz-Johannes Kadow für sich entdeckt: Der 32-jährige Politik- und Kommunikationswissenschaftler begann 2018 als Change Management Consultant bei der Technologieberatung Accenture und hatte den Wunsch, sein BWL- und Managementwissen akademisch aufzurüsten. Im Internet stieß er auf die Quantic School of Business and Technology.

Das Bildungs-Start-up mit Sitz in Washington hat sich angesichts des wachsenden Fachkräftemangels ein innovatives Geschäftsmodell ausgedacht: Es bietet ein zwölfmonatiges digitales MBA-Programm kostenlos an und finanziert sich nicht durch Studiengebühren, sondern über die potenziellen Arbeitgeber, die für den exklusiven Zugriff auf das wachsende globale Alumni-Netzwerk bezahlen. Das könnte eine Option für diejenigen sein, die eine internationale Karriere anstreben, denn deutsche Unternehmen gehören bisher nicht zu den Quantic-Kunden.

Um aufgenommen zu werden, müssen die Bewerber zuvor Probemodule absolvieren und in einem ausführlichen Online-Auswahlgespräch überzeugen. Kadow hat es geschafft – und nutzt seither die Reisezeiten als Berater sowie die Wochenenden fürs Digitalstudium. „Die Inhalte sind anspruchsvoll, aber kurzweilig und verständlich aufbereitet“, sagt der Kommunikationsexperte: „Es wird nie langweilig.“