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Warum ich mir von Gorillas gerne einen Schokoriegel bringen lasse

·Lesedauer: 2 Min.
Die Kritik, dass wir uns durch die Schnell-Lieferungen weniger bewegen und noch ungesünder leben, ist zu einseitig.
Die Kritik, dass wir uns durch die Schnell-Lieferungen weniger bewegen und noch ungesünder leben, ist zu einseitig.

Es ist leicht, Schnelllieferdienste wie Gorillas oder Flink nicht zu mögen. Probleme wie prekäre Arbeitsbedingungen oder fragwürdige Nachhaltigkeit sind nicht hinnehmbar und müssen diskutiert werden. Doch die Innovation von Express-Lieferungen wird trotzdem kommen. Es gibt eine Nachfrage, also werden Startups sie auch anbieten.

Wir sollten also nicht nur auf den Ist-Zustand, sondern auch in die Zukunft schauen. So wie es die Startup-Szene seit Jahren tut. Investoren etwa geben nur Geld, wenn bei einem Unternehmen noch Luft nach oben ist. Sonst gibt es keine Rendite. Und die Zukunft können wir jetzt noch aktiv mitgestalten. Durch unser Konsumverhalten, durch kritische Berichterstattung, durch die Wahl unserer Politiker und gesetzliche Rahmenbedingungen oder durch technische Neuerungen, etwa den Einsatz von autonomen Lieferdrohnen, die die Rider entlasten könnten.

Mein Kollege Marco Weimer hat sich ebenfalls Gedanken zu den Lieferdiensten gemacht. Seinen Kommentar findet ihr hier.

Innovationen nicht bremsen, Konsumenten entscheiden lassen

Wir dürfen also Innovationen nicht scheuen. Auch nicht diese. Sonst hätten wir während der Pandemie nicht auf Bargeld verzichtet und kontaktlos bezahlen können, dürften von Künstlicher Intelligenz keine medizinischen Durchbrüche erwarten oder müssten bis zum letzten Tropfen Erdöl in Verbrennern herumfahren. Auch für diese Themen gab oder gibt es Widerstand.

Zudem ist die Kritik, dass wir uns durch die Schnell-Lieferungen weniger bewegen und noch ungesünder leben, zu einseitig. Denn zum einen würden wir im Supermarkt um die Ecke vermutlich ebenso ungesund konsumieren. Und zum anderen sind wir selbst dafür verantwortlich, wie wir unsere gesparte Zeit nutzen. Es ist nicht die Aufgabe von Gorillas oder Flink, dafür zu sorgen, dass wir ein gesundes Leben führen. Es verurteilt auch niemand die Deutsche Bahn dafür, dass wir von Berlin nach München mit dem Zug fahren, obwohl der Weg zu Fuß oder mit dem Rad für unsere Gesundheit von Vorteil wäre. Die Zeitersparnis ist hier übrigens deutlich größer als zehn Minuten.

Keine willkürliche Grenze für Schnelligkeit

Die Frage ist auch: Wie schnell ist zu schnell? Warum ist eine Lieferzeit von zehn Minuten inakzeptabel, aber wenn Amazon in 24 oder 48 Stunden liefert, ist es gesellschaftlich akzeptiert? Wer darf willkürlich festlegen, was gerade noch langsam genug ist? Wo liegt diese Grenze? Bei einer Stunde? Einer Woche? Warum darf ein Film über Netflix in Sekunden gestreamt werden, obwohl ich ihn früher im Kino schauen oder in der Videothek ausleihen musste?

Und natürlich leiden auch die Amazon-Arbeiter, natürlich werden allein durch das Streaming bei Netflix immense Mengen an Strom verbraucht. Doch hier können sich nur die wenigsten vorstellen, zu verzichten. Weil es inzwischen zu uns gehört. Und weil wir mit Mindestlöhnen, Gewerkschaften oder klimaneutralen Rechenzentren an den Lösungen für diese Selbstverständlichkeiten arbeiten, auch wenn wir noch längst nicht am Ziel sind. Und genau so wird es auch mit den Schnelllieferdiensten laufen. Jetzt sind sie noch nicht gut, doch sie können es werden.

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