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Kamala Harris ist für viele Demokraten die eigentliche Hoffnungsträgerin

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Kamala Harris war joggen, als der Sieg von Joe Biden verkündet wurde. Damit wird die Amerikanerin mit indischen Wurzeln die erste US-Vizepräsidentin.

Am Ende ging es ganz schnell. So schnell, dass Kamala Harris von der Nachricht beim Joggen überrascht wurde. Um kurz vor halb zwölf Uhr Ortszeit am Samstag rief ihre Mutter auf dem Handy an, um ihr zu sagen, dass CNN Biden und ihre Tochter gerade zu den Siegern der US-Wahl erklärt hatte. Wenig später ruft Harris bei Joe Biden an. „Wir haben es geschafft, wir haben es geschafft, Joe!“, ruft sie ins Telefon. Das Video, das ihr Mann mitschnitt, ging um die Welt.

Harris schreibt Geschichte, als erste Frau, erste Schwarze und erste Amerikanerin mit indischen Wurzeln wird sie Vizepräsidentin der USA. Und das könnte erst der Anfang sein: Harris gilt für viele als die eigentliche Hoffnungsträgerin mit guten Chancen, in vier Jahren Joe Biden an der Spitze abzulösen.

Im Wahlkampf bestand eine ihrer Aufgaben darin, nicht-weiße Wähler für Joe Biden zu mobilisieren. Einmal im Amt, wird von ihr erwartet, dass sie sich in den kommenden vier Jahren für deren Belange einsetzt.

Auch ihr Ehepartner, Douglas Emhoff, wird sich in einer neuen Rolle wiederfinden. Er ist der erste Mann an der Seite der Vizepräsidentin, was die Moderatoren des Nachrichtensenders CNN am Samstag für einen Moment ratlos zurückließ. „Ja, wie nennt man ihn, ‚Second Gentleman‘ oder einfach ‚Second Dude‘?“ Bislang gab es in dieser Position auch noch keine Person mit jüdischer Konfession.

Harris hat gezeigt, dass sie sich nicht schnell abschrecken lässt. Im Wahlkampf wurde die 56-Jährige immer wieder von Trumps Anhängern wegen ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe angegriffen. US-Präsident Trump weigerte sich, ihren Namen richtig auszusprechen. Nach dem TV-Duell der Vizekandidaten beschimpfte Trump sie als „Monster“.

Harris war Trumps Nummer zwei, Mike Pence, in der TV-Debatte klar überlegen. Während Trump im ersten TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten Joe Biden kontinuierlich ins Wort gefallen war, verschaffte sich Harris schnell Autorität. „Mr. Vice President, I am speaking“, wurde zum geflügelten Wort.

Die Demokratin ist längst ein Vorbild für Afroamerikaner und junge Frauen geworden. CNN-Moderator Van Jones konnte seine Tränen nicht zurückhalten, nachdem der Nachrichtensender Biden und Harris zum Sieger erklärt hatte. „Es ist an diesem Morgen einfacher geworden, ein Elternteil zu sein und seinen Kindern zu erklären, dass es auf den Charakter eines Menschen ankommt.“

Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland in Kalifornien geboren, wo sie in einer afroamerikanischen Community aufwuchs. Ihr Vater ist aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter – eine Krebsforscherin und Bürgerrechtlerin – kommt aus Indien.

Im Laufe ihrer Karriere war Harris mehrfach die Erste: Nach ihrem Studium in Washington und in Kalifornien wurde sie als erste Schwarze Bezirksstaatsanwältin von San Francisco. Ab 2010 hatte sie als erste Frau den Posten der Attorney General (Justizministerin und Generalstaatsanwältin) in ihrem Heimatstaat inne. In den US-Senat zog sie 2017 als erste Schwarze ein, die Kalifornien repräsentierte – und war die zweite Afroamerikanerin in der Parlamentskammer überhaupt.

Harris will nach ganz oben. Am Tag zum Gedenken an den Bürgerrechtler Martin Luther King 2019 gab sie ihre Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bekannt. „Die Amerikaner wollen eine Kämpferin, sie wollen jemanden, der wie verrückt für sie kämpft“, sagte sie damals.

Ihre Gegner kritisierten, dass sie sich ideologisch nicht verorten lasse, und versuchten, ihre Karriere in der Justiz gegen sie zu verwenden: Sie sahen einige ihrer Entscheidungen nicht im Einklang mit ihrem Versprechen, ein „kaputtes“ Strafjustizsystem zu reformieren. Im Dezember beendete sie ihre Kampagne, weil sie nicht genügend Geldgeber finden konnte.

Nun steht sie neben Biden im Rampenlicht. Harris feiert den Erfolg, genau 100 Jahre nachdem Frauen in den USA das Wahlrecht bekommen haben. Und in dem Jahr, das von der „Black Lives Matter“-Bewegung und von extremer Polizeigewalt gegen Schwarze geprägt wurde. „I can’t breathe“, die letzten Worte von George Floyd, lösten Demonstrationen im ganzen Land und auch außerhalb der USA aus.

Harris schloss sich einer Demonstration in Washington an und bezeichnete die „Black Lives Matter“-Bewegung als „brillant“ und „essenziell“. Im US-Magazin „Cosmopolitan“ schrieb sie im Juni: „Wer nichts sagt, macht sich mit schuldig.“

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Dass Harris und ihr Ehemann am liebsten Turnschuhe tragen, ist zum Markenzeichen des „power couple“ geworden. Einige sahen darin ihren Tatendrang. Biden beschreibt Harris als „furchtlose Kämpferin“, genau so jemanden kann er jetzt gut gebrauchen.

Mit Agenturmaterial