Deutsche Märkte schließen in 7 Stunden 33 Minuten

Ilka Horstmeier ist die oberste Change-Managerin bei BMW

·Lesedauer: 2 Min.

Ilka Horstmeier ist im BMW-Vorstand für das Thema Personal zuständig. Für CEO Oliver Zipse ist sie eine Schlüsselfigur.

Wenn Ilka Horstmeier über Elektroautos redet, dann geht es ihr in erster Linie nicht um Leistung oder Reichweite. Ihr Thema ist die Transformation eines ganzen Konzerns. „Wir haben in den vergangenen Jahren 46 000 Beschäftigte in der Elektromobilität geschult“, sagt die Personalchefin von BMW.

Ihr sei deshalb nicht bange, dass in den Werken des Autobauers in den kommenden Jahren die Lichter ausgehen.

Hostmeier muss es wissen: Seit 25 Jahren ist sie im Konzern für industrielle Kernthemen zuständig: Karosseriebau, Logistik, Motorenproduktion. Sie leitete das wichtigste deutsche Produktionswerk in Dingolfing - mit 18.000 Beschäftigten und ausbaufähiger Frauenquote.

Im November 2019 löste Horstmeier Milagros Caiña-Andree als Personalvorständin ab. Die Vorgängerin kam in der BMW-Kultur nie richtig an. Mit Horstmeier sitzt nun ein anderes Format am Vorstandstisch in München. Die gebürtige Duisburgerin beherrscht den Autobau in allen Facetten.

Sie analysiert schnell, redet direkt und gilt als ausgesprochen durchsetzungsstark. In einem Unternehmen, indem traditionell männliche Ingenieure den Ton angeben, hat sie eine beachtliche Karriere hingelegt.

Für BMW-Chef Oliver Zipse ist die Diplom-Kauffrau eine Schlüsselfigur. Zipse sieht in ungelösten Beschäftigungsproblemen den „Sargnagel der Autoindustrie“. Die gemeinsame Überzeugung: Nur wenn Produkt, Produktion und Beschäftigung genau aufeinander abgestimmt sind, kann der Übergang zur Elektromobilität gelingen.

Konzept der flexiblen Produktion

Zipse und Horstmeier haben in den vergangenen Jahren das Konzept der flexiblen Produktion erarbeitet. So wie Horstmeier Dingolfing transformiert hat, sollen ab dem Jahr 2022 alle BMW-Werke arbeiten. Die Beschäftigten müssen so flexibel sein, dass konventionelle Antriebe und Elektroautos an einem Band gebaut werden können. Schwach rentable Produktionen wie beispielsweise die Sitzherstellung werden ausgelagert, höherwertige Tätigkeiten wie der Bau von Elektrokomponenten ins Haus geholt.

Ganz ohne Stellenabbau geht es aber auch bei BMW nicht. Um den teuren Umstieg auf die Elektromobilität zu finanzieren, streicht der Konzern 6.000 der 126.000 Stellen. Das Paket schnürte Horstmeier zusammen mit dem selbstbewussten Betriebsratschef Manfred Schoch: Die Älteren bekommen üppige Abfindungen, für Jüngere gibt es unter anderem die Möglichkeit, zum Studium auszuscheiden, um später über ein garantiertes Rückkehrrecht wiederzukommen.

Denn das ist die eigentliche Herausforderung: BMW braucht ein neues Denken jenseits des „typical geman only approaches“, sagt Horstmeier. Softwareingenieure, KI-Spezialisten, Datenmanager sucht die Personalchefin, gerne international und divers. BMW muss global wettbewerbsfähig bleiben im Kampf um junge Talente. Die müssen gar nicht mehr zu Google nach Mountain View, als Adresse lockt neuerdings auch Berlin mit Tesla.

Horstmeier ist die einzige Frau im BMW-Vorstand, eine Quote lehnt sie trotz des bescheidenen Frauenanteils von 17 Prozent im Konzern ab. Ihre Erfahrung lehrt sie, dass es auch ohne gesetzliche Protektion geht. Mit Anfang 50 hat sie bei BMW noch viele Möglichkeiten.