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Hoffnung im Handelsstreit treibt US-Börsen an

Kleine Anzeichen auf Entspannung im Handelsstreit haben an der Wall Street die Kurse steigen lassen. Wichtige Indizes legten um mehr als ein halbes Prozent zu.

Spekulationen auf ein baldiges Handelsabkommen zwischen den USA und China haben am Mittwoch die US-Börsen angetrieben. Der Dow Jones gewann 0,5 Prozent auf 27.650 Punkte. Der technologielastige Nasdaq rückte ebenfalls 0,5 Prozent auf 8567 Punkte vor und der breit gefasste S & P 500 legte 0,6 Prozent auf 3113 Punkte zu. In Frankfurt ging der Dax 1,2 Prozent fester bei 13.140 Punkten aus dem Handel.

Dabei sah es zunächst nicht nach einer Trendwende aus, eher im Gegenteil: Denn die Regierung in Peking hat verärgert auf die Androhung von Sanktionen durch den US-Kongress wegen des Umgangs mit der muslimischen Minderheit der Uiguren reagiert.

Ein US-Botschaftsvertreter wurde ins Außenministerium einbestellt. Dieses sprach von einer bösartigen Attacke auf China und einer schwerwiegenden Einmischung „in die inneren Angelegenheiten“ des Landes. Wer die Interessen der Volksrepublik untergrabe, werde den „fälligen Preis“ zahlen.

Aber nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg kommen die USA und China einer Einigung dennoch näher. Der Streit über den US-Gesetzentwurf zu der Uiguren-Frage werde die Gespräche nicht belasten, schrieb Bloomberg unter Berufung auf Insider. Und auch die Aussage von US-Präsident Donald Trump, dass es möglicherweise besser sei, mit einem Abkommen bis nach der US-Wahl im November 2020 zu warten, bedeute nicht, dass die Gespräche in Stocken geraten seien.

„China und die USA spielen Poker“, sagte der Stratege Mark Grant vom Vermögensverwalter B. Riley FBR. „Sie machen diese Aussagen in der Hoffnung, die andere Seite zu bewegen, und es ist schwer herauszufinden, was davon real ist. Aber es bewegt den Markt, wenn sie vielversprechender oder weniger vielversprechend klingen.“

Auch für die Handelsstreitigkeiten mit der Europäischen Union versprühte Trump Optimismus. Die EU verhalte sich zwar unfair den Vereinigten Staaten gegenüber, sagte Trump am Mittwoch vor einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel am Rande des Nato-Gipfels. Die Gespräche mit den Europäern seien entsprechend schwierig. Aber er sei zuversichtlich, dass man am Ende eine Einigung finden werde.

Trübe Aussichten für Konjunktur

Gedämpft wurde die Stimmung durch neue Zahlen vom US-Arbeitsmarkt: Die US-Firmen haben im November weit weniger Stellen geschaffen als erwartet. Insgesamt kamen lediglich 67.000 Jobs hinzu, wie der Personaldienstleister ADP am Mittwoch zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Dies ist der niedrigste Stellenaufbau seit Mai. Experten hatten mit einem Plus von 140.000 gerechnet.

Der ADP-Report könne die Konjunktursorgen nicht dämpfen, sagte Ralf Umlauf, Analyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Der Report enttäuscht, denn die niedrigen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hatten eine robustere Entwicklung angedeutet.“ Es sei nun auch fraglich, ob der am Freitag anstehende Arbeitsmarktbericht der Regierung, der neben Jobs in der Privatwirtschaft auch Stellen im öffentlichen Dienst einschließt, die Erwartung von 200.000 neuen Stellen erfüllen könne.

Einzelwerte im Fokus

Micron: Der viertgrößte Chiphersteller der Welt darf wegen der US-Sanktionen nur eingeschränkt an seinen chinesischen Großkunden Huawei liefern. Die Hoffnung auf Entspannung im Handelsstreit gibt der Aktie Aufwind, es geht um 2,4 Prozent nach oben.

Alphabet: Die Papiere der Google-Mutter stiegen um 1,9 Prozent, nachdem der schon seit 2015 als Chef des Suchmaschinenbetreibers Google amtierende Sundar Pichai zum Leiter des Mutterkonzerns ernannt wurde. Die beiden Unternehmensgründer Larry Page und Sergey Brin treten mit sofortiger Wirkung von der Unternehmensspitze ab.

Johnson & Johnson: Die Anteilsscheine von Johnson & Johnson stiegen um 1,6 Prozent. Der Konzern hat neue Testergebnisse veröffentlicht, die zeigen sollen, dass das mutmaßlich asbestverseuchte Babypuder frei von dem krebserregenden Stoff sei.

Mit Agenturmaterial.