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Die Großspende des Patagonia-Gründers spart ihm möglicherweise mehr als eine Milliarde Dollar an Steuern

Doch nicht ganz uneigennützig? Yvon Chouinard spendete das gesamte Milliarden-Vermögen von Patagonia, um den Klimawandel aufzuhalten. - Copyright: Getty Images
Doch nicht ganz uneigennützig? Yvon Chouinard spendete das gesamte Milliarden-Vermögen von Patagonia, um den Klimawandel aufzuhalten. - Copyright: Getty Images

Vergangene Woche verkündete der Gründer von Patagonia, das Vermögen seines Unternehmens zu spenden, um den Klimawandel zu bekämpfen. Was im Zuge dessen nicht so laut verkündet wurde: Die Familie von Yvon Chouinard könnte dabei mehr als eine Milliarde US-Dollar an Steuern vermeiden. Denn Chouinard und seine Familie könnten dadurch eine große Steuererleichterung erhalten, sagten Experten Business Insider.

Das liegt an der Struktur der Spende: Chouinard sagte der "New York Times", dass die stimmberechtigten Anteile der Familie – etwa zwei Prozent aller Aktien – auf einen neuen Trust übertragen werden. Dieser trägt den Namen Patagonia Purpose Trust und wird von Familienmitgliedern und Beratern geleitet. Der Rest der Aktien des in Privatbesitz befindlichen Unternehmens wird an eine neue gemeinnützige Organisation namens Holdfast Collective gehen.

Die "New York Times" berichtet, dass die Chouinards durch die Übertragung dieser Aktien an den Trust 17,5 Millionen Dollar an Schenkungssteuern zahlen müssen. Allerdings müssen sie keine Steuern auf den Wert zahlen, den die Aktien seit ihrem Erwerb angesammelt haben – die sogenannte Kapitalertragssteuer. "Bloomberg" schätzt, dass die Kapitalertragssteuer auf die Schenkung mehr als 700 Millionen Dollar betragen würde. Diese Summe spart die Unternehmerfamilie dann also.

Auch die großen Mengen an Aktien, die für die Non-Profit-Organisation bestimmt sind, sind von der Steuer befreit. Justin Miller, Direktor für Vermögensplanung bei Evercore Wealth Management, schätzt: Wenn 98 Prozent der gespendeten drei Milliarden Dollar einer Schenkungssteuer auf Bundesebene unterlegen hätten, käme man bei der 40-prozentigen Abgabe auf 1,176 Milliarden Dollar.

"Patagonia zahlt seine Steuern", sagt ein Sprecher

Auf Anfrage von Business Insider sagte ein Sprecher von Patagonia, dass die Familie Chouinard nicht darum gebeten habe, eine Unternehmensstruktur extra dafür zu schaffen, um Steuern zu vermeiden. "Patagonia zahlt seine Steuern", sagte der Sprecher. "Wir haben uns gelegentlich für höhere Unternehmenssteuersätze eingesetzt, um Klimainitiativen zu unterstützen. Zuletzt haben wir dies bei unserer Unterstützung des 'Build-Back-Better-Plans' getan, mit dem wir unsere Bereitschaft äußern, für eine stärkere Klimapolitik einen höheren Unternehmenssteuersatz zu zahlen."

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Einige Experten sagen allerdings, dass die Struktur, die Chouinard verwendet hat, um das Unternehmen zu veräußern, der Gründerfamilie von Patagonia dabei helfe, aus dem regulären Steuersystem auszusteigen.

Dabei ist Chouinard nicht der einzige, der sein Unternehmensvermögen spendet, um damit politische Zwecke zu verfolgen. Anfang dieses Jahres hatte bereits Barry Seid – ein Geschäftsmann aus Chicago, von der anderen Seite des politischen Spektrums – seinen Elektronikhersteller namens Tripp Lite gespendet. Er hatte eine ähnliche Struktur verwendet, um sein 1,6 Milliarden Dollar schweres Unternehmen an eine gemeinnützige Organisation zu spenden, die sich für konservative Anliegen einsetzt. Dazu zählen unter anderem die Einschränkung des Zugangs zu Abtreibungen und die Ernennung konservativer Richter auf Bundesebene, so ein Bericht der "New York Times".

Der Chicagoer Seid konnte es dabei vermeiden, Steuern auf den Verkauf seines Unternehmens zu zahlen, indem er es an die gemeinnützige Stiftung Marble Freedom Trust spendete. So stellte er sicher, dass seine Anliegen berücksichtigt werden. Auch Chouinard hat Patagonia an seine eigenen gemeinnützigen Organisationen gespendet, die sich für den Klimawandel einsetzen sollen.

Die Struktur der Spende fällt unter eine Besonderheit des US-Steuerrechts

"Man kann einer Non-Profit-Organisation wertgeschätztes Vermögen schenken und muss keine Kapitalertragssteuer zahlen. Und genau das ist der Fehler", sagte Chuck Collins, der Direktor des Programms für Ungleichheit und Gemeinwohl am linksgerichteten Institute for Policy Studies, zu Business Insider. "Unabhängig davon, wie großzügig der Spender ist, sollte er nicht in der Lage sein, sich völlig von den Steuern zu befreien. Das ist meine Ansicht."

Es gibt eine ganze Reihe von Mechanismen, die es den Ultrareichen ermöglichen, Geld zu verschieben, ohne dass sie dafür irgendwelche Abgaben zahlen müssen. Auf die Frage, warum Chouinard keine Steuern zahlt, gebe es eine einfache rechtliche Antwort: "Weil er es nicht muss", sagte Steve Rosenthal, Forscher bei der Denkfabrik Tax Policy Center.

Die Struktur der Spenden bedeutet, dass die Familie auch keinen Steuerabzug für wohltätige Zwecke erhält, da sie die Aktien in eine Non-Profit-Organisation der Klasse "501(c)(4)" und nicht in eine "501(c)(3)" einzahlt. Wenn man an eine 501(c)(4) spendet, können US-Amerikaner diese Spenden in der Regel nicht von der Einkommenssteuer absetzen. Aufgrund eines Gesetzes, das unter Präsident Obama in Kraft getreten ist, unterliegen diese Spenden auch nicht der Schenkungssteuer. Nicht-Milliardäre, die Spenden bei ihren Steuern geltend machen, spenden wahrscheinlich an eine 501(c)(3), um sie von der Steuer absetzen zu können.

Miller sagte, die Wahl einer 501(c)(4) anstelle einer 501(c)(3) sei sinnvoll: Die Familie wäre wahrscheinlich nicht in der Lage gewesen, die Kontrolle über letztere Firmenkategorie zu behalten.

Kurz gesagt: "Diese alternativen Strukturen sind sinnvoller, weil man mehr Kontrolle hat, das Geld für politische Zwecke ausgeben kann und den Steuerabzug für wohltätige Zwecke sowieso nicht wirklich braucht", sagt Russell James, Leiter des Graduiertenstudiums für persönliche Finanzplanung an der Texas Tech University.

Juliane Kutzke von Taxfix mit ihrem Hund.
Juliane Kutzke von Taxfix mit ihrem Hund.

Während die Chouinards ihre Milliarden in den Kampf gegen die Klimakrise stecken wollen, birgt diese Spenden-Struktur aber auch die Gefahr, dass andere wohlhabende Menschen sie für weniger populäre politische Zwecke nutzen.

Einige Experten fordern daher eine Änderung der Steuerpolitik und eine Schenkungssteuer für 501(c)(4)s einzuführen. "Das Argument ist, dass eine Einzelperson unbegrenzt spenden und das Vermögen über Generationen hinweg steuerfrei wachsen kann", sagte Miller. "Drei Milliarden Dollar heute könnten also in 20 Jahren leicht neun Milliarden Dollar sein. Völlig steuerfrei und ausschließlich für politische Zwecke verwendet."

Die derzeitige US-Steuerpolitik ermögliche es Einzelpersonen, "die Politik nicht nur zu Lebzeiten zu beeinflussen, sondern auch für Generationen nach ihrem Tod", so Miller. Selbst wenn es sich um eine "gute" 501(c)(4)-Organisation handele, "hindert letztlich einen nichts daran, an eine andere Organisation zu spenden, mit der man nicht einverstanden ist – und diese Spenden können dauerhafte Auswirkungen haben".

Dieser Text wurde von Solveig Gode aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.