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General Electric kassiert 21 Milliarden Dollar für Biotech-Sparte


Der Umbau bei General Electric (GE) geht weiter. Mit Danaher hat der amerikanische Siemens-Rivale einen Käufer für seine Biotechsparte gefunden. Danaher zahlt dafür 21 Milliarden Dollar in Cash und übernimmt einen Teil der Pensionsverpflichtungen.

General Electric befindet sich noch immer in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Der Aktienkurs hat sich zwar zuletzt leicht erholt, liegt aber immer noch nur bei einem Fünftel des einstigen Höchststands. Seit dem Abgang von Jeffrey Immelt im Sommer 2017 hat GE schon zwei Vorstandsvorsitzende ausgewechselt. Mit Larry Culp steht seit Oktober ein als Dealmaker bekannter Manager an der Spitze des Unternehmens.

Ursprünglich wollte Culp die schnell wachsende Gesundheitssparte noch dieses Jahr komplett an die Börse bringen. Doch nun geht ein Teil des Geschäfts an Danaher – ein Mischkonzern, den Culp bis vor einigen Jahren selbst erfolgreich geführt hatte. Die Biotechsparte trug zuletzt mit drei Milliarden Dollar zu den rund 20 Milliarden Dollar Umsatz der Gesundheitssparte bei.

Die Investoren nahmen die Nachrichten begeistert auf. Der Aktienkurs von General Electric legte zum Börsenstart in New York zwischenzeitlich mehr als 14 Prozent zu.

General Electric kommt der Geldsegen gelegen. Schließlich sitzt der Mischkonzern auf mehr als 100 Milliarden Dollar Schulden. Culp bezeichnete den Verkauf als „entscheidenden Meilenstein“. Er zeige, dass GE die Strategie durchsetze. „Ein stärker fokussiertes Portfolio ist die richtige Struktur für GE“, stellte Culp klar.


„Unter CEO Culp hat GE seine Strategie beschleunigt, die Bilanz zu stärken und die Schulden herunterzufahren“, schreiben die Analysten von Credit Suisse und loben den Verkauf der Biotechsparte.

Grundsätzlich hält Culp an dem Plan seines direkten Vorgängers John Flannery fest: Danach soll GE radikal simplifiziert werden – auch dank des Verkaufs der Anteilsmehrheit am Öldienstleister Baker Hughes und der Abtrennung der Gesundheitssparte. Am Montag hat GE auch seine Fusion der Transportsparte mit Wabtec abgeschlossen. Das hat GE knapp 2,9 Milliarden Dollar gebracht.

Aber vor allem die kriselnde Energiesparte bereitet dem Siemens-Rivalen weiterhin Sorgen. Gleich zum Amtsantritt hatte Culp 22 Milliarden Dollar auf die Sparte abgeschrieben. Diese hatte vor einigen Jahren große Teile des Energiegeschäfts von Alstom viel zu teuer zugekauft. Kurz danach war der Markt für Kraftwerksturbinen massiv eingebrochen. Das liegt auch daran, dass immer mehr Kunden auf erneuerbare Energien setzen. Das hatte zuletzt auch der deutsche Konkurrent Siemens zu spüren bekommen.

Bei der Vorstellung der überraschend guten Quartalszahlen Anfang des Monats hatte Culp außerdem angekündigt, bei den operativen Abläufen einiges zu ändern. Er will weniger Zentralismus und Bürokratie und mehr operative Führung. „Die einzelnen Mitarbeiter in der Fabrik oder auf dem Feld sollen wissen, wie sie mit ihrer Arbeit die Margen verbessern können“, sagte Culp. Mit dem jüngsten Verkauf der Biotechsparte beweist er erst einmal wieder seine Fähigkeiten als Dealmaker.

Danaher kommt voran

Für Danaher ist die Übernahme ein wichtiger Schritt. Damit baut das Unternehmen seine Position im sogenannten Life-Science-Geschäft weiter aus und rückt an den bisher führenden Anbieter, den US-Konzern Thermo Fisher Scientific heran.

Es geht dabei um einen Markt, der ebenso kleinteilig wie schwer zu definieren ist, aber hohe Margen von zum Teil mehr als 30 Prozent ermöglicht. Er umfasst im weitesten Sinne Geräte, Reagenzien und andere Verbrauchsmaterialien für die biochemische Forschung und Produktion und wächst jährlich um schätzungsweise fünf bis sechs Prozent. Abnehmer sind vor allem akademische Forschungslabore sowie Pharma-, Diagnostik- und Biotechunternehmen. Branchenvertreter schätzen das relevante Marktvolumen, je nach Abgrenzung auf Werte zwischen 150 und mehr als 200 Milliarden Dollar.


Die Branche steckt schon seit einigen Jahren in einer Konsolidierung. So ist Danaher im Laufe der letzten Jahre bereits durch den Kauf von Firmen wie Beckman Coulter, Pall und Cepheid zu einem führenden Anbieter aufgestiegen. Zuletzt verstärkte sich der US-Konzern mit dem Erwerb von Integrated DNA Technologies, einem Spezialisten für Reagenzien zur Gen-Analyse.

Branchenführer Thermo Fisher verstärkte sich 2013 maßgeblich durch die Übernahme des US-Konkurrenten Life Technologies. Vor wenigen Monaten kaufte der US-Konzern zudem die Sparte Bioprocessing von Becton Dickinson. Sowohl Thermo Fisher als auch Danaher sind darüber hinaus im Diagnostik-Geschäft engagiert.

Die deutsche Merck-Gruppe, aktuell Nummer drei der Branche, wiederum hatte ihre großen Expansionsschritte im Life-Science-Geschäft 2010 mit dem Kauf von Millipore und 2014 mit der Übernahme von Sigma Aldrich vollzogen und zusammen rund 18 Milliarden Euro in diese Übernahmen investiert. Der Darmstädter Konzern betrachtet sich als führender E-Commerce-Anbieter in dem Bereich.

Die Private-Equity-Gruppe New Mountain Capital arbeitet unterdessen daran, einen großen Laborzulieferer unter dem Dach ihrer Beteiligungsgesellschaft Avantor aufzubauen. Für 4,4 Milliarden Dollar übernahm Avantor dazu 2017 den Laborhändler VWR.

Wachstumstreiber sind zum einen die wachsenden Investitionen in die Biotech- und Pharmaforschung, zum anderen auch die stetig wachsende Bedeutung von biotechnisch hergestellten Wirkstoffen im Pharmageschäft. Hinzu kommt eine wachsende Nachfrage nach Biochemie-Reagenzien aus Bereichen wie Diagnostik und Lebensmittelkontrolle. Auch neue Technologien wie Gentherapien oder Verfahren zum Gen-Editing sorgen für Wachstum.