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Forscher fordert mehr Freiräume für Jugendliche, nachdem sie während der Corona-Pandemie stark zurückstecken mussten

·Lesedauer: 2 Min.
Jugendliche sitzen im Skate-Park.
Jugendliche sitzen im Skate-Park.

Der Berliner Jugendforscher Klaus Hurrelmann hat im zweiten Pandemiesommer mehr Freiräume für junge Leute gefordert – auch nachts. "Das ist sehr, sehr einfallslos, was viele Städte und Kommunen da bisher auf die Reihe bekommen haben", sagte Hurrelmann. Noch deutlich mehr als andere Altersgruppen seien Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 22 Jahren am Ende ihrer Geduld. "Das ist eine Lebensphase, in der man raus muss, in der man sich erproben muss, Räume erobern."

Viele Jugendliche wollten endlich wieder ein freies Leben führen und sich so benehmen und bewegen können wie es für ihre Alter angemessen sei. Hurrelmann regte an, Plätze für Aktivitäten freizugeben und vorher die Anwohner zu informieren. "Da lässt sich ja dann sagen: Nehmt Rücksicht auf die Jugend, sie hat auch Rücksicht auf euch genommen. Und darum geben wir hier jetzt mal für ein paar Tage eine Sondergenehmigung."

Viele fühlten sich immer noch eingesperrt und hätten das Gefühl, gar nicht richtig leben zu können. Bei bis zu einem guten Drittel könnten deshalb Frust und Ohnmachtsgefühle auch in Randale und Aggressionen umschlagen. Diese Gruppe sei seit dem vergangenen Sommer nach aktuellen Studien größer geworden, sagte Hurrelmann. Es sei vielfach ein dumpfer, provokativer Protest, vorwiegend von jungen Männern mit wenig Perspektiven mit Blick auf Schule und Berufsausbildung. Da baue sich Schritt um Schritt ein Unbehagen auf – und irgendwann könne sich das auch in Krawallen entladen.

"Die Disziplin der jungen Leute ist nach wie vor hoch, aber nicht mehr so hoch wie noch vor sechs Monaten", sagte Hurrelmann. "Das bröckelt." Rund zwei Drittel hielten sich weiter an die Regeln und nähmen Rücksicht auf die Älteren. "Aber man merkt: Jetzt sind die Zurücksetzungen mehr im Fokus und sie haben auch die Geduldigen unter den jungen Leuten erreicht." 2020 seien es rund 30 Prozent der jungen Leute gewesen, die Schwierigkeiten mit den Corona-Regeln hatten. "Dieser Anteil ist weiter gestiegen. Nun sind es 35 Prozent. Und das wird auch noch weiter steigen", so Hurrelmanns Prognose.

Als Freifahrtschein will Hurrelmann seine Ratschläge allerdings nicht verstanden wissen. "Die Polizei sollte nachts Parks räumen, wenn ein ganz eindeutiger Verstoß gegen Regeln vorliegt. Das muss sein. Das brauchen junge Leute auch als Signal", sagte er.

cri/dpa

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