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Finanzaufsicht ermittelt gegen AMS-Spitze wegen möglichen Insidergeschäften

Österreichs Börsenaufsicht prüft den umfangreichen Aktienhandel des Managements. Es geht um mögliche Marktmanipulation und Insidergeschäfte.

Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) ermittelt gegen die Führung des Sensorikkonzerns AMS wegen angeblich zweifelhafter Aktiengeschäfte bei der laufenden Übernahme des Lichtkonzerns Osram. „Wir gehen selbstverständlich allen Hinweisen wegen Gesetzesverstößen nach und ermitteln den Sachverhalt“, sagte ein FMA-Sprecher dem Handelsblatt am Donnerstag.

Die Finanzmarktkontrolleure haben offenbar entsprechende Informationen aus dem Umfeld des Apple-Lieferanten bekommen. „Gab es Marktmanipulationen durch Käufe? Gab es möglichen Insiderhandel? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt“, sagte ein Insider der Börsenaufsicht in Wien. Die österreichischen Börsenkontrolleure werden bei ihrer Arbeit auch von den Behörden in Deutschland und der Schweiz unterstützt. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, ist nach Angaben von Insidern der Finanzmarktaufsicht unklar.

Bei den Ermittlungen geht es um die Aufklärung von Aktienkäufen und -verkäufen durch das AMS-Management im großen Stil. Die Ermittlungen wurden nach Informationen aus Justizkreisen bereits vor sechs Monaten aufgenommen. „Es gab entsprechende Sachverhaltungsdarstellungen von frustrierten Osram-Managern und verärgerten Investoren“, hieß es in Kreisen der Börsenaufsicht in Wien. Der Vorstand soll ausländische Gesellschaften beauftragt haben, eigene Aktien zu kaufen.

Die Frage sei, ob derartige „Directors Dealings“ rechtmäßig seien. Solche Geschäfte über befreundete Gesellschaften oder Familienmitglieder müssen vom Unternehmen veröffentlicht werden. Bereits seit Herbst 2019 ermittelt auch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen angeblicher Insidergeschäfte gegen die Führungsspitze des Sensorikkonzerns. Gegen welche Führungskräfte von AMS ermittelt werde, wollte ein Sprecher der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft auf Anfrage am Donnerstag nicht sagen. Auch wollte er sich nicht zu der Frage äußern, bis wann die Ermittlungen abgeschlossen sein könnten.

AMS erklärte auf Anfrage am Donnerstag, dem Unternehmen seien keine Ermittlungen gegen aktuelle Mitarbeiter des Unternehmens bekannt. Falls es einen solchen Fall geben sollte, sei das keine Angelegenheit der AMS AG und man könne es nicht kommentieren.

AMS sieht alle Aktiengeschäfte ordentlich belegt

In österreichischen Industriekreisen hieß es, zur Kapitalerhöhung hätten auch Vorstände von AMS ihre Bezugsrechte ausgeübt, das sei ein ganz gewöhnlicher Vorgang. Alle Aktiengeschäfte von Organmitgliedern seien ordentlich belegt. Offen ist, ab wann AMS einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag anstreben will. CEO Alexander Everke hatte diesen als grundsätzliches Ziel ausgegeben. Beim Timing lassen sich die Österreicher bislang aber nicht in die Karten schauen. In Industriekreisen hieß es, AMS sei derzeit nicht zwingend auf einen solchen Vertrag angewiesen. Dies erhöhe die Flexibilität und verringere den Einfluss zum Beispiel von Hedgefonds.

Der österreichische Chiphersteller AMS ist an der Zürcher Börse notiert. AMS hat seinen Konzernsitz in Premstätten bei Graz. Die Ermittlungen kommen zur Unzeit, denn die EU-Wettbewerbshüter entscheiden bis zum 6. Juli über die Übernahme des deutschen Traditionskonzerns.

Nach Informationen des Handelsblatts sehen die Experten in Brüssel bislang keine Hindernisse, daher wird mit grünem Licht gerechnet. Der Finanzinformationsdienst „Platow-Brief“ hatte in dieser Woche berichtet, dass zwischen März 2017 und Oktober 2018 das AMS-Management mit eigenen Aktien von über 160 Millionen Euro gehandelt haben soll.

Vorstandschef Everke und sein Führungsteam stehen mit ihren Börsengeschäften im großen Stil bereits seit Langem unter Beobachtung. Am 6. Februar 2018 veröffentliche AMS den Bericht zum vierten Quartal kurz vor Börsenbeginn in Zürich. Im Laufe desselben Tages kauften und verkauften die Führungskräfte des Halbleiter- und Sensorherstellers im großen Stil eigene Aktien. Die Käufe allein hatten an diesem Tag ein Volumen über 15 Millionen Schweizer Franken, die verkauften Papiere ein Volumen von rund 60 Millionen Schweizer Franken.

Am 6. März 2018 gab der AMS-Vorstand Interviews zu der kritisch gesehenen Abhängigkeit zum Handyhersteller Apple. In den Tagen danach gab es beispielsweise einen Kauf von Aktien in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken und zwei Tage später einen Verkauf von Inhaberaktien in Höhe von zwölf Millionen Schweizer Franken. Das geht aus einer Aufstellung der Transkationen vor, die dem Handelsblatt vorliegt.