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FARNBOROUGH/Kreise: Airbus und Boeing winken Aufträge über hunderte Flugzeuge

FARNBOROUGH (dpa-AFX) - Die Flugzeughersteller Airbus <NL0000235190> und Boeing <US0970231058> können auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough Insidern zufolge mit Bestellungen über hunderte Flugzeuge rechnen. Erwartet würden unter anderem Großaufträge der US-Fluggesellschaft Delta <US2473617023>, des deutschen Ferienfliegers Condor, der polnischen Airline Lot und von Malaysia Airlines, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg vor der Messe, die an diesem Montag beginnt. Die Veranstaltung ist das erste große Branchentreffen seit 2019. In den beiden vergangenen Jahren waren die weltgrößten Messen wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Sie finden sonst im jährlichen Wechsel in Farnborough südwestlich von London und in Le Bourget bei Paris statt.

Die US-Fluggesellschaft Delta dürfte nach mehreren Jahren der Verhandlungen 130 Exemplare von Boeings Mittelstreckenjet 737 Max 10 bestellen, berichtete Bloomberg. Laut Preisliste hätte der Auftrag einen Gesamtwert von rund 17,5 Milliarden US-Dollar (17,3 Mrd Euro). Allerdings sind bei Flugzeugkäufen hohe Rabatte üblich.

Die Bestellung ist nicht ohne Brisanz, denn die Langversion der Boeing 737 Max harrt noch ihrer Zulassung. Winken die US-Regulierer den Jet nicht bis Jahresende durch oder gewähren Aufschub, droht dem US-Konzern aufgrund einer Gesetzesänderung von 2020 die teure Einführung eines ganz neuen Cockpit-Warnsystems. Ohne eine Einigung mit dem US-Kongress könnte Boeing gezwungen sein, die 737 Max 10 einzustellen, hatte Boeing-Chef Dave Calhoun vor wenigen Tagen dem Branchenblatt "Aviation Week" gesagt. Nach Aussage von Spartenchef Stan Deal hält Boeing es aber für nicht sehr wahrscheinlich, dass es zu diesem drastischen Schritt kommt.

Auch beim europäischen Hersteller Airbus dürfte Delta einkaufen, wenn auch in geringerem Umfang. Dort wird Insidern zufolge eine Order über zwölf Exemplare des kleinsten Airbus-Jets A220 diskutiert.

Zudem verhandelt Airbus laut Bloomberg Insidern über den Kauf von rund 30 Großraumjets vom Typ A330neo mit einem Listenpreis-Wert von mehr als 10 Milliarden Dollar. Zudem könnte die polnische Fluggesellschaft Lot 60 kleine Airbus A220 bestellen.

Auch ein Auftrag aus Deutschland ist offenbar in Arbeit: So verhandle der Ferienflieger Condor über den Kauf von 40 Airbus-Jets aus der Modellfamilie A320neo, berichtet Bloomberg und beruft sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Von der Langversion A321neo hat Airbus auch eine Langstreckenversion unter dem Namen A321XLR entwickelt, die im Juni ihren Erstflug absolvierte und Anfang 2024 erstmals ausgeliefert werden soll. Airbus wollte die Informationen zu den Bestellungen nicht kommentieren. Auch Condor lehnte eine Stellungnahme ab.

Über weitere Bestellungen wird noch bis auf den letzten Drücker verhandelt. Hier wurden die indische Fluggesellschaft Jet Airways genannt, die auch mit dem brasilianischen Herstellers Embraer <BREMBRACNOR4> spreche, sowie marokkanische Gesellschaft Royal Air Maroc.

Vor allem für Boeing sind neue Bestellungen wichtig. Der US-Konzern ist im Massengeschäft mit Mittelstreckenjets deutlich hinter Airbus zurückgefallen. In den vergangenen zehn Jahren hat der europäische Flugzeugbauer seinen Marktanteil in diesem Bereich auf fast 70 Prozent gesteigert, nachdem die beiden Hersteller dort zuvor jeweils die Hälfte der Nachfrage auf sich vereint hatten. In ihren Marktprognosen für die kommenden 20 Jahre gehen beide Konzerne davon aus, dass rund drei Viertel aller Flugzeugauslieferungen auf diese Schmalrumpf-Flugzeuge mit einem Mittelgang zwischen den Sitzen entfallen.

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