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Faktencheck: Was hat es mit den Verschwörungstheorien zur US-Wahl auf sich?

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 5 Min.

Im Internet kursieren etliche Verschwörungstheorien zur US-Präsidentschaftswahl. Was ist dran an den Behauptungen? Stimmen sie oder sind sie nichts mehr als Thesen ohne Belege?

Masked criminal holding ballot paper casting fake vote at a polling station for election vote in black background
Ging es bei der US-Wahl feir zu oder ging es dabei nicht mit rechten Mitteln zu? Die Verschwörungstheoretiker haben sich ihre Meinungen gebildet. (Symbolbild: Getty Images)

Donald Trump weigert sich nach wie vor, seine Niederlage bei der US-Präsidentschaftswahl anzuerkennen. Er und sein Team stellen die Rechtmäßigkeit der Briefwahl in Frage und meinen, Joe Biden und die Demokraten hätten die Wahl durch Betrug und Manipulation gewonnen. Belege für ihre Behauptungen sind sie der Welt noch schuldig. Trotzdem haben sie damit so manche Verschwörungstheorie befeuert, die im Internet die Runde macht. Wir haben einige Behauptungen einem Faktencheck unterzogen.

Behinderung von Wahlbeobachtern

Während der Auszählung der Stimmen verbreitete das Trump-Team das Gerücht, dass im Bundesstaat Pennsylvania Freiwilligen aus dem republikanischen Lager der Zugang zur Stimmenauszählung verwehrt worden wäre. Belege für die Behauptungen haben sie bis heute nicht vorgelegt. Die Behörden weisen den Vorwurf entsprechend zurück. Die Staatssekretärin Kathy Boockvar versicherte, dass Vertreter beider Parteien für die Stimmenauszählung registriert und bei dieser anwesend gewesen seien.

Die Stimmen der Toten

Eine weitere Verschwörungstheorie, die auf sozialen Netzwerken verbreitet wird: In Michigan, einem wichtigen Swing State, seien auch die Stimmen Verstorbener gezählt worden. Auf Twitter behauptete ein Nutzer, dass in einem County des Bundesstaates ein Mann via Wahlbrief gewählt hätte, der schon seit 1984 tot sei. Er fragt: "Wie lange geht das schon so?"

Die Antwort des Michigan Department of State lässt sich auf folgenden Nenner bringen: Das geht gar nicht lange so, denn das stimmt nicht. "Das ist eine Fehlinformation", stellte die Behörde klar. Wahlbriefe Verstorbener würden in Michigan nicht akzeptiert. Selbst dann nicht, wenn der Wähler seinen Stimmzettel einsandte und vor dem Wahltag starb.

Sharpiegate

Diese Verschwörungstheorie ist so verbreitet, dass es dafür auf Twitter sogar einen Hashtag gibt. Hinter "#Sharpiegate" steckt die Behauptung, dass in Arizona den Trump-Anhängern in den Wahllokalen Filzstifte – in den USA "sharpies" genannt – verteilt worden wären. Die damit ausgefüllten Stimmzettel seien für ungültig erklärt worden. Trump habe infolgedessen etliche Stimmen verloren.

Die Behörden dementieren: "Sharpies machen einen Stimmzettel nicht ungültig", schreibt das Maricopa Countys in einer Stellungnahme, die es auf Twitter veröffentlicht hat. Auch Katie Hobbs, erste Stellvertreterin des Gouverneurs von Arizona, betont in einem Twitter-Eintrag: "Ihre Stimme wird gezählt, egal welchen Stift sie benutzt haben (sogar einen Sharpie)."

Das Michigan Department of State weist daraufhin, dass Filzstifte sogar vom Hersteller der Lesegeräte für die Stimmzettel empfohlen seien.

Fehlerhafte Software

Für die Auszählung von Wahlstimmen sei in etlichen Countys eine fehlerhafte Software zum Einsatz gekommen, meinen viele Trump-Anhänger. In Michigan soll das dazu geführt haben, dass in mehr als 40 Countys Tausende Trump-Stimmen Joe Biden zugeschrieben worden sind.

Tatsächlich gab es in einem County des Bundesstaats ein Problem, bei dem Stimmen fälschlicherweise Joe Biden zugeschrieben wurden. Doch sei der Fehler "schnell identifiziert und rückgängig gemacht worden", schreibt die Secretary of State, Jocelyn Benson, in einer Stellungnahme. Es hätte sich dabei um einen menschlichen, nicht um einen Software-Fehler gehandelt. Es gebe "keinen Beleg dafür, dass der Fehler woanders im Staat aufgetreten" sei.

Mehr Wahlstimmen als registrierte Wähler

Auch Wisconsin gehört zu den Swing States, also jenen Staaten, in denen die Bürger traditionell weder republikanisch noch demokratisch wählen. Hier gibt es nach Ansicht der Verschwörungstheoretiker offenbar weniger registrierte Wähler, als am Ende gewählt haben. In einem mittlerweile gelöschten Twitter-Eintrag schrieb ein Nutzer, dass in dem Staat angeblich rund 3,24 Millionen Stimmen ausgezählt worden seien, während dort nur rund 3,13 Millionen Wähler registriert seien. Das sei ein "klarer Beweis für einen Betrug", meint er.

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Auch das ist eine Falschinformation. Sie gründet auf veralteten Daten. In Wisconsin gibt es 3.684.726 Millionen registrierter Wähler (Stand 1. November), wie die BBC berichtet. Womöglich inzwischen sogar noch mehr, da sich die Bürger in dem Bundesstaat noch am Wahltag registrieren können.

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