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Ethylenoxid in Lebensmitteln: Antworten auf die wichtigsten Fragen

·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Ethylenoxid ist derzeit der Grund für Produktrückrufe in ganz Europa. Auch im vergangenen Jahr sorgte das als krebserregend eingestufte Pflanzengift für etliche Lebensmittelwarnungen.

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Produktrückrufe im Lebensmittelhandel wegen Ethylenoxid sorgen für Verunsicherung. (Bild: Getty Images)

Mit Ethylenoxid kontaminierter Sesam war in der Vergangenheit der Grund für zahlreiche Produktrückrufe. Im Herbst vergangenen und Anfang dieses Jahres kam es immer wieder zu Lebensmittelwarnungen für Ware, die Sesam als Zutat enthielt. Nun wurde das als krebserregend eingestufte Pflanzengift in der Lebensmittelzutat Johannisbrotkernmehl (E 410) und Guarkernmehl (E 412) gefunden und sorgt für eine neue Welle an Lebensmittelwarnungen. In ganz Europa mussten deshalb kürzlich Eissorten zurückgerufen werden.

Ethylenoxid ist seit 1981 in Deutschland verboten

Viele Kunden sind nun verunsichert. Wie schädlich ist Ethylenoxid und steckt es vielleicht noch in vielen anderen Lebensmitteln? „Ethylenoxid ist ein Pflanzenschutz- und Begasungsmittel. Als Desinfektionsmittel wirkt es gegen Pilze und Bakterien. Es ist bei Raumtemperatur gasförmig und farblos. In der Europäischen Union (EU) darf Ethylenoxid seit 1991 nicht mehr in Pflanzenschutzmitteln enthalten sein. In Deutschland ist es sogar schon seit 1981 verboten. Auch in Kontakt mit Lebensmitteln darf das Gas nicht verwendet werden“, erklärt die Verbraucherzentrale Hamburg.

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Außerhalb der EU werde das Mittel jedoch in einigen tropischen Ländern und vor allem in Indien als Desinfektionsmittel eingesetzt und gelangt durch den Import von Produkten nach Europa.

Ethylenoxid wirkt erbgutverändernd und kann Krebs erzeugen

Der Grund für das Verbot sind laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Hinweise aus Tierstudien auf eine erbgutverändernde Wirkung. Zudem kann Ethylenoxid Krebs erzeugen. „Einen Richtwert ohne Gesundheitsrisiko gibt es somit nicht und Rückstände des Stoffes in Lebensmitteln sind grundsätzlich unerwünscht“, so das BfR. Doch bei einer täglichen Aufnahme von 0,037 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht liege das Krebsrisiko um unter 1:100.000, deshalb gelte diese Menge als „Aufnahmemenge geringer Besorgnis“.

Unsicherheit bei Aufnahmemengen „geringer Besorgnis“

Das BfR rechnet vor: „Die Aufnahmemenge geringer Besorgnis wurde für Kinder bei einem Sesamverzehr von 23,4 Gramm pro Tag bereits bei einem Rückstand von Ethylenoxid von nur 0,05 mg/kg überschritten. Bei Erwachsenen lag die Aufnahme bei 39,6 Gramm pro Tag unter der Aufnahmemenge geringer Besorgnis. Betrachtet man den mittleren Verzehr über längere Zeiträume, wird dieses Level weder bei Kindern noch bei Erwachsenen überschritten.“

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Das ist nicht ganz zu Ende gedacht, so die Ansicht der Verbraucherzentrale: „Lebensmittel sind teilweise viel höher belastet als nur mit 0,05 Milligramm pro Kilogramm und Verbraucherinnen und Verbraucher können auch durch den Verzehr vieler weiterer Lebensmittel Ethylenoxid aufnehmen.“

Ethylenoxid in Corona Schnelltests?

Nachgewiesen wurde das Pflanzengift im September 2020 in sesamhaltigen Produkten wie Tahin, Müsli, Knäckebrot, Gebäck, Sesamöl oder Salattoppings. Aktuell gibt es Rückrufe vieler Eissorten der Mars GmbH wie Snickers, Bounty, Twix und M&M’s weil sie belastetes Johannisbrotkernmehl, beziehungsweise Guarkernmehl enthalten.

Auf der Facebookseite der Verbraucherzentrale Hamburg diskutieren Nutzer über das Thema:

Auch Corona-Schnelltest standen im Verdacht, mit Ethylenoxid belastet zu sein. „Dies stimmt jedoch nicht! Der Stoff wird auf der Verpackung der Stäbchen genannt, da die Stäbchen mit dem Stoff desinfiziert werden. Im Herstellungsprozess wird sichergestellt, dass die Stäbchen nach der Sterilisation kein Ethylenoxid mehr enthalten“, so die Verbraucherzentrale.

Grundsätzlich rät sie dazu, auf Produktrückrufe zu achten und betroffene Lebensmittel zurückzugeben oder zu entsorgen.

Weitere Informationen zum Thema „Schadstoffe in Lebensmitteln“ und Ethylenoxid finden Sie hier auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale Hamburg.

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