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Erzeugerpreise steigen deutlich langsamer – doch auch bei den Herstellern verfestigt sich die Inflation auf hohem Niveau

Die hohen Energiepreise sorgen für eine hohe und sich verfestigende Teuerung der Erzeugerpreise. - Copyright: Picture Alliance
Die hohen Energiepreise sorgen für eine hohe und sich verfestigende Teuerung der Erzeugerpreise. - Copyright: Picture Alliance

Die sinkenden Energiepreise nehmen Druck von den Inflationsraten. Gleichzeitig verfestigt sich die Teuerung aber in der gesamten Wirtschaft. Das zeigen neue Daten für die Erzeugerpreise, die das Statistische Bundesamt am Freitag veröffentlichte. Auf der Erzeugerstufe waren die Preise im Dezember um 21,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der Preisauftrieb bei den Herstellern verlangsamte sich damit zum dritten Mal in Folge. Im November hatte die Teuerung noch 28,2 Prozent betragen. Der Höchststand war im Sommer 2022 mit 45,8 Prozent gemessen worden. Im Vergleicht zum Vormonat November 2022 sanken die Erzeugerpreise im Dezember 2022 sogar um 0,4 Prozent.

Die Erzeugerpreise sind ein wichtiger Indikator für die Entwicklung der allgemeinen Inflationsrate, für die die Verbraucherpreise herangezogen werden. Steigen die Preise auf der Erzeugerebene, so geben sie dies teilweise an die Verbraucher weiter.

Die Erzeugerpreise zeigen besonders stark zwei Effekte, die das Inflationsgeschehen in Deutschland prägen. Erstens werden die Spitzen der Teuerungsraten nach wie vor stark von den Energiepreisen bestimmt. Zweitens breitet sich die Inflation ausgehend von den Energiepreisschocks immer weiter in die gesamte Wirtschaft aus und verfestigt sich dort.

Die Energiepreise waren im Dezember 2022 im Durchschnitt immer noch um 42 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Seit den Höchstständen im Sommer 2022 sind sie jedoch stark gesunken. Auch im Vergleich zum November gingen die Preise, die Unternehmen für Gas, Strom und Öl bezahlen müssen, nochmals um ein Prozent zurück. Anders als bei den Verbraucherpreisen wirkt sich die „Soforthilfe“ des Staates für Endverbraucher von Erdgas und Kunden von Wärme bei den Erzeugerpreisen nicht aus. Sie gilt nur für Haushalte.

Ohne Berücksichtigung der Energiekosten bleiben die Teuerungsraten für die Erzeuger mit 12,0 Prozent fast unverändert hoch. Die Preise ohne Energie gingen auch im Vergleich zum November nicht zurück. Für Unternehmen wurden vor allem Nahrungsmittel und Metalle deutlich teurer. Billiger als vor einem Jahr waren Nadelschnittholz und Sekundärrohstoffe.

Erzeugerpreise im Jahresdurchschnitt 2022 um knapp ein Drittel gestiegen

Im Jahresdurchschnitt 2022 stiegen die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte um 32,9 Prozent. Das war die höchste Teuerung seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Doch bereits im Jahr 2021, also vor Beginn des Ukraine-Krieges, waren die Erzeugerpreise mit 10,5 Prozent deutlich stärker gestiegen als die Verbraucherpreise mit plus drei Prozent.

Die Energiepreise für Erzeuger stiegen 2022 um 86,2 Prozent. Extrem war der Anstieg Erdgas, das mit plus 132,8 Prozent mehr als doppelt so teuer wurde sowie für Strom mit plus 95,4 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise erhöhten sich die Erzeugerpreise 2022 gegenüber dem Vorjahr um 14,0 Prozent.

Die Entwicklung der Erzeugerpreise zum Jahresende lässt einen weiteren Rückgang auch der Inflationsrate bei den Verbraucherpreisen erwarten. Der Blick auf die hohe Teuerung jenseits der Turbulenzen um die Energiepreise dämpft aber Erwartungen, dass die allgemeine Inflationsrate schnell und deutlich sinkt.