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Easyjet wehrt Gründerrevolte von Firmengründer Haji-Ioannou ab

Der Gründer der Airline wollte das Management zu Änderungen zwingen – oder es abwählen. Andere Investoren verhinderten jedoch die Revolte – vorerst.

Das Management der britischen Airline Easyjet hat am Freitag einen Sieg errungen: Die von Stelios Haji-Ioannou, Firmengründer und größter Aktionär, auf einer außerordentlichen Hauptversammlung geforderten Änderungen wurden nicht von anderen Aktionären unterstützt. Alle von dem Milliardär vorgebrachten Vorschläge – darunter die Abwahl des Top-Managements – wurden mit über 57 Prozent der Stimmen abgelehnt.

Der Verwaltungsratsvorsitzende John Barton kritisierte bei dem Aktionärstreffen, das per Video und Telefonkonferenz abgehalten wurde, das Vorgehen von „Sir Stelios“, wie Haji-Ioannou häufig genannt wird: „Negative Schlagzeilen“ hätten in den vergangenen Monaten unnötig Druck auf das Managementteam ausgeübt und den Ruf der Marke negativ beeinflusst.

Gleichwohl bot er dem streitbaren Milliardär einen Schlussstrich an: „Der Verwaltungsrat bemüht sich um gute Beziehungen zu allen Aktionären des Unternehmens und hofft, wieder konstruktiv mit Sir Stelios zusammenarbeiten zu können“. Aber der bleibt auf Konfrontationskurs: Er bezichtigte Easyjet, die Abstimmung mit Hilfe von „Strohmännern“ manipuliert zu haben.

Haji-Ioannou hatte schon in den vergangenen Wochen nicht vor drastischen Worten und Drohungen zurückgeschreckt. Im März hatte der 53-jährige Milliardär Easyjet aufgefordert, alle Flugzeugbestellungen bei Airbus rückgängig zu machen und eine Kapitalerhöhung durchzuführen, um so „das Überleben der Airline zu sichern“, die er 1995 im Alter von 28 Jahren aufgebaut hatte. Er vermutete, dass Airbus Easyjet-Manager bestochen habe.

Easyjet hatte die Vorwürfe des Großaktionärs, rechtswidrig gehandelt zu haben, mehrfach zurückgewiesen. Airbus hatte im Januar eine Geldbuße von vier Milliarden Dollar in einem Vergleich mit den Staatsanwaltschaften in Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten akzeptiert – wegen angeblicher Bestechung und Korruption vor mindestens 15 Jahren.

Um seinen Forderungen Gewicht zu verleihen, drohte Haji-Ioannou, eine Hauptversammlung nach der anderen einzuberufen, auf der er Mitglieder des Verwaltungsrates abwählen lassen wolle – anfangs das einfache Gremiumsmitglied Andreas Bierwirth, am Ende aber auch den Verwaltungsratschef Barton und den Firmenchef Johan Lundgren. Ignorieren konnte Easyjet den Unternehmer griechisch-zypriotischer Abstammung nicht: Seine Familie hält 34 Prozent der Firmenanteile an der Airline.

Nach anfänglichem Zögern hatte Easyjet reagiert und mit Airbus vereinbart, die in den kommenden Jahren geplante Auslieferung von 24 Flugzeugen zu verschieben. Doch Haji-Ioannou gab sich damit nicht zufrieden. Er hielt an seinen Forderungen fest, verkündete, die britische Finanzmarktaufsicht eingeschaltet zu haben und behauptete, Easyjet habe zugesagt, in den kommenden Jahren 107 Maschinen abzunehmen. Dabei hätten „die Schurken von Easyjet“ nicht die Befugnis, einen solchen Deal zu schließen.

Kürzlich hatte Haji-Ioannou noch eine Belohnung von fünf Millionen Pfund für Hinweise auf verdächtige Geschäftsbeziehungen der Billigairline mit Airbus ausgeschrieben. Dadurch habe er bereits „einige sehr nützliche“ Informationen erhalten, teilte Haji-Ioannou im Anschluss an die Aktionärsversammlung mit. Mit deren Hilfe werde er die „sehr verdächtige Liebesaffäre zwischen den Schurken von Easyjet und Airbus“ weiterverfolgen.

Der Streit mit dem Gründer ist nicht das einzige Problem

Auch wenn Easyjet nun die Attacke des in Monaco lebenden Firmengründers vorerst überstanden haben sollte: Es ist bei weitem nicht das einzige Problem, vor dem Firmenchef Lundgren steht. Im Zuge der Coronakrise hatte Easyjet schließlich Ende März seine komplette Flotte mit rund 330 Flugzeugen stillgelegt, um Kosten zu sparen.

Die Krise hat die gesamte Branche in existenzielle Schwierigkeiten gebracht. Sogar die deutsche Lufthansa, immerhin nach Umsatz die größte Airline-Gruppe in Europa, muss mit staatlicher Hilfe vor der Insolvenz bewahrt werden. Easyjet ist zwar mit dicken Kapitalpolstern in die Krise gegangen, aber es wird auch nicht damit gerechnet, dass die Folgen der Pandemie rasch überstanden sein werden.

Zum 15. Juni will Easyjet den Flugbetrieb wieder schrittweise hochfahren, zunächst auf Inlandsverbindungen in Großbritannien und Frankreich. Dabei müssen sich die Passagiere auf neue Maßnahmen einstellen: Kunden, Kabinen- und Bodenpersonal müssen Masken tragen; außerdem werden zunächst keine Getränke und Speisen an Bord der Flüge serviert. Außerdem dürfte die allseits erwartete Entscheidung der britischen Regierung, für alle Einreisenden eine 14-tägige Quarantäne einzuführen, die Reiselust vieler Passagiere dämpfen.

Sorge wegen Hackerangriff

Und schließlich muss Easyjet noch mit den Folgen eines Hackerangriffs klarkommen, den die Airline diese Woche vermeldet hatte. Von etwa neun Millionen Kunden waren E-Mail-Adressen und Reisedetails abgegriffen worden, von 2208 Kunden auch die Kreditkartendaten. Von wem die Cyberattacke ausging, teilte das Unternehmen nicht mit. Lediglich, dass sie von einem 'hochprofessionellen' Angreifer verübt worden sei. Der Zugangsweg sei aber mittlerweile gesperrt.

Dieser Vorfall könnte für Easyjet nicht nur einen Imageschaden nach sich ziehen, sondern auch noch eine Strafe. Als British Airways vor zwei Jahren Opfer eines Hackerangriffs wurde, schaltete sich die britische Datenschutzbehörde ICO ein. Im Anschluss an ihre Untersuchung kam sie zu dem Schluss, dass die Airline zu schwache Sicherheitsvorkehrungen eingeführt hatte und verhängte deswegen gegen die Fluggesellschaft eine Strafe in Höhe von umgerechnet 204 Millionen Euro – die British Airways jedoch nicht akzeptieren will und bislang auch nicht gezahlt hat.