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dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 07.09.2022 - 17.00 Uhr

GESAMT-ROUNDUP: Hohe Inflation und Rezessionssorgen: Druck auf EZB wächst

FRANKFURT - Die Forderung nach einer kräftigen Zinserhöhung im Euroraum zur Eindämmung der extrem hohen Inflation wird lauter. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing geht zwar nach eigener Aussage davon aus, dass die deutsche Wirtschaft genug Widerstandskraft besitzt, um die zu erwartende Rezession gut zu bewältigen. "Aber das bedingt, dass die Zentralbanken jetzt schnell und entschlossen handeln", sagte Sewing am Mittwoch in Frankfurt. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt am Donnerstag (8.9.) zu seiner nächsten Sitzung zusammen.

ROUNDUP: Deutsche Industrie startet schwach ins Sommerquartal

WIESBADEN/BERLIN - Die deutsche Industrie hat zu Beginn des Sommerquartals weniger produziert. Im Juli ging die Gesamtproduktion gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem deutlicheren Rückgang um 0,6 Prozent gerechnet. "Die Industrie ist schwach ins dritte Quartal gestartet", kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die Zahlen. Der Zuwachs vom Juni wurde allerdings nachträglich von 0,4 auf 0,8 Prozent angehoben.

ROUNDUP 2: EU-Kommission will übermäßige Gewinne von Energiefirmen abschöpfen

BRÜSSEL - Verbraucher sollen nach dem Willen der EU-Kommission mit Einnahmen aus übermäßigen Gewinnen von Energiefirmen entlastet werden. Unternehmen, die CO2-arm Energie produzierten, machten derzeit Zufallsgewinne, die nicht ansatzweise ihre Produktionskosten widerspiegelten, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel. "Wir wollen diese unerwarteten Gewinne umleiten, um besonders betroffene Haushalte und Betriebe bei der Anpassung zu unterstützen." Das Gleiche gelte für "Zufallsgewinne" von Unternehmen, die ihr Geschäft mit fossilen Brennstoffen machen, sagte von der Leyen.

ROUNDUP/Einnahmegrenze für Stromerzeuger: EU-Vorschläge werden konkreter

BRÜSSEL - Angesichts der gestiegenen Strompreise könnten die Einnahmen vieler Erzeuger nach einem Vorschlag aus der EU-Kommission auf 200 Euro pro Megawattstunde begrenzt werden. Summen, die darüber hinausgehen, sollen etwa an Verbraucher umverteilt werden, wie aus einem ersten Entwurf für ein Gesetz hervorgeht, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die EU-Länder sollen die Mehreinnahmen demnach selbst einsammeln.

Kanadas Notenbank hebt Leitzins erneut deutlich an

OTTAWA - Die kanadische Notenbank geht weiter entschlossen gegen die hohe Inflation vor. Der Leitzins werde um 0,75 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent angehoben, teilte die Bank of Canada am Mittwoch in Ottawa mit. Analysten hatten mit diesem Zinsschritt gerechnet. Im Juli hatte sie den Leitzins sogar um 1,0 Prozentpunkte angehoben. Dies war die deutlichste Erhöhung seit 1998 gewesen.

GESAMT-ROUNDUP: Putin stellt Getreideabkommen für Ukraine schon wieder in Frage

WLADIWOSTOK/BERLIN/PEKING - Knapp sieben Wochen nach der Einigung auf ein Ende der Blockade ukrainischer Getreideexporte hat der russische Präsident Wladimir Putin damit gedroht, die Vereinbarung schon wieder platzen zu lassen. Beim 7. Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok klagte Putin am Mittwoch insbesondere über Beschränkungen russischer Exporte. "Es hat sich herausgestellt, dass wir ein weiteres Mal einfach nur grob abgezockt wurden, wie man im Volksmund sagt", sagte der Kremlchef, der sein Land oft als Opfer westlicher Machenschaften darstellt. "Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, den Export von Getreide und (...) Lebensmitteln entlang dieser Route zu begrenzen?", so Putin.

Ukraine soll weiteren Milliardenkredit der EU erhalten

BRÜSSEL - Die Ukraine kann auf die Auszahlung weiterer EU-Finanzhilfen in Höhe von fünf Milliarden Euro hoffen. Die EU-Kommission schlug am Mittwoch vor, Gelder in entprechender Höhe an den Kapitalmärkten aufzunehmen und diese dann weiterzureichen. Die Zinskosten und Gebühren sollen aus dem EU-Haushalt bezahlt werden.

Tschechischer Industrieminister Sikela lehnt Gaspreisdeckel ab

PRAG - Der tschechische Industrie- und Handelsminister Jozef Sikela lehnt einen Preisdeckel auf Gasimporte aus Russland ab. "Nach meiner Einschätzung ist das kein konstruktiver Vorschlag", sagte der konservative Politiker am Mittwoch nach Angaben der Agentur CTK in Prag. "Das ist eher eine weitere Variante der Sanktionen gegen Russland als eine aktuelle Lösung der Energiekrise in Europa", so der 55-Jährige.

USA: Defizit in der Handelsbilanz verringert sich erneut

WASHINGTON - Das Außenhandelsdefizit der USA ist im Juli erneut geschrumpft. Das Defizit verringerte sich von revidierten 80,88 Milliarden US-Dollar im Vormonat auf 70,65 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Dies ist der vierte Rückgang in Folge und der niedrigste Stand in diesem Jahr. Analysten hatten im Schnitt ein Defizit von 70,2 Milliarden Dollar erwartet.

ROUNDUP/BDI: Produktion wegen hoher Energiepreise teilweise runtergefahren

BERLIN - Fast jedes zehnte mittelständische Industrieunternehmen hat einer Umfrage zufolge seine Produktion in Deutschland wegen hoher Preise unterbrochen oder gedrosselt. Extrem steigende Energiepreise stellten die Industrie vor fundamentale Probleme, erklärte der BDI-Präsident Siegfried Russwurm am Mittwoch. Von den knapp 600 befragten Unternehmen gaben mehr als 90 Prozent in einer Branchenumfrage an, dass die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise eine existenzielle oder starke Herausforderung für sie seien.

GESAMT-ROUNDUP 2: Scharfer Schlagabtausch zwischen Scholz und Merz im Bundestag

BERLIN - Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) haben sich einen scharfen Schlagabtausch über den Kurs in der Energiepreiskrise geliefert. Scholz hielt der Union Versäumnisse in früheren Regierungszeiten vor und wies Kritik am Vorgehen der Koalition entschieden zurück. "Wer Spaltung herbeiredet, der gefährdet den Zusammenhalt in diesem Land. Und das ist jetzt das Falsche", sagte er in der Generaldebatte zum Etat 2023 am Mittwoch im Bundestag. Merz warf der Regierung Versagen in dramatischer Lage vor. Entlastungspläne für Bürger und Wirtschaft seien ein "Sammelsurium an Kompromissen auf dem Niveau des kleinsten gemeinsamen Nenners".

Ifo: Firmen erhöhen Preise - Inflationsraten dürften weiter steigen

MÜNCHEN - Das Ifo-Institut sieht angesichts angekündigter Preiserhöhungen der deutschen Unternehmen kein schnelles Ende der hohen Inflation. Nach einer Umfrage der Münchner Forscher wollen viele Firmen in großem Umfang ihre Preise anheben. Im August lag der Ifo-Index der Preiserwartungen mit 47,5 Punkten nur um 0,1 unter dem Juli-Wert. In einzelnen Bereichen wie der Lebensmittelbranche will weiter fast jedes Unternehmen die Preise anheben. "Ein Auslaufen der Inflationswelle ist leider nicht in Sicht", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Chinas Außenhandel erleidet unerwarteten Dämpfer

PEKING - Chinas Exportwachstum hat sich überraschend verlangsamt. Die Ausfuhren legten im August in US-Dollar berechnet nur noch mit einem Plus von 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie der chinesische Zoll am Mittwoch in Peking berichtete. Experten hatten ein zweistelliges Wachstum erwartet, nachdem die Exporte im Juli noch um 18 Prozent gestiegen waren.

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